Nicht einlullen lassen von der Deutschen Bahn

Kein PR-Gag

Nicht einlullen lassen von der Deutschen Bahn

Verkehrsminister Andreas Scheuer war voll des Lobes, als er nach dem zweiten Krisentreffen mit dem Bahnmanagement vor die wartende Hauptstadtpresse trat. Die ihm präsentierten Maßnahmen seien ein guter Schritt, damit schnell und zügig Verbesserungen erzielt werden könnten, sagte der Minister. Viele Zuhörer trauten ihren Ohren nicht. Denn de facto enthielt der FünfPunkte-Plan, den Bahnchef Richard Lutz nach seinem Rüffel vom Dienstag für das spontan einberufene Treffen erarbeiten lies, nichts wirklich Neues. Der Hinweis auf das neue Speisenangebot in den Bordbistros wirkte geradezu putzig, wenn man die wahren Gründe für den Unmut der Bahn-Vielfahrer bedenkt. Nicht Gulaschsuppe, sondern das Verspätungschaos nervt.

Doch Scheuer ist augenscheinlich die aufgeheizte Debatte der vergangenen Tage leid und will keinen neuen öffentlichen Schlagabtausch. Natürlich ist ein hysterischer Diskurs nicht das, was die Bahn pünktlicher macht. Aber der Minister darf sich auch nicht vom Vorstand mit Altbekanntem einlullen lassen. Er muss den Druck für Reformen aufrechterhalten und mit einer ordentlichen Finanzierung dafür die Weichen stellen, dass die Bahn wieder ein verlässliches Verkehrsmittel wird.¹

Wer das Treffen von Bahn-Chef Lutz mit Bundesverkehrsminister Scheuer als PR-Gag abkanzelt, tut den beiden Unrecht. Die Krise ist über Jahrzehnte gewachsen und sitzt entsprechend tief. Sie lässt sich nicht per Knopfdruck überwinden. Dazu wird es noch viele solcher Zusammenkünfte brauchen. Wichtig ist, dass der Eigner Bund endlich Verantwortung übernimmt. Zum einen muss er der Schiene die versprochene Vorfahrt auch wirklich einräumen. Zum anderen muss er beim Bahn-Management den Daumen draufhalten. Zu oft wurde schon die Trendwende angekündigt, passiert ist nichts. Jetzt soll der Bund weitere Milliarden für Investitionen locker machen. Doch auch die können ihre Wirkung nicht entfalten, solange das Kernproblem nicht angegangen wird: Die jeweiligen Bereiche denken nur an sich selbst oder arbeiten sogar gegeneinander. Kaum einer fühlt sich zuständig, viele Mitarbeiter sind demotiviert. Hinzu kommt Missmanagement, wie das Beispiel DB Cargo zeigt. Innerhalb weniger Jahre hat die Bahn-Tochter neun Produktionsvorstände verschlissen. Aus einem geplanten Personalabbau von 2000 Mitarbeitern ist plötzlich eine Einstellungswelle in ähnlicher Größe geworden. Das spricht Bände.²

An die Arbeit, Herr Minister! Raimund Neuß zur Bahnpolitik der Regierung

Köln. Hamburg. Frankfurt. München. Mit diesen vier Städtenamen ist schon ein großer Teil der Probleme beschrieben, deretwegen Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nun zum zweiten Mal den Bahn-Vorstand zum Rapport antreten ließ. Und diese kurze Liste von vier überlasteten Bahn-Knotenpunkten macht auch klar, wer neben dem Bahn-Vorstand entscheidende Mitverantwortung für die Probleme trägt: der Minister, der sich da als oberste Aufsichtsperson aufspielt und besser dafür sorgen würde, dass an diesen Knotenpunkten etwas passiert. Ein Intercity, der den Hamburger Hauptbahnhof nicht rechtzeitig verlässt, wird auch zu spät in Köln ankommen und dort den Fahrplan des Fern- und Nahverkehrs durcheinanderbringen. Daran werden auch die tüchtigsten Bahn-Vorstände so lange nichts ändern können, bis Scheuer oder einer seiner Nachfolger einen umfassenden Ausbau der großen Bahnhöfe und ihrer Zulaufstrecken durchgesetzt haben.

Das ist eine Frage des Geldes, mehr noch der Planungskapazitäten und des Planungsrechts. Der Ausbau des Knotens Köln etwa steht endlich im Bundesverkehrswegeplan, aber nur mit allgemeinen Formulierungen. Man kann froh sein, wenn sich bis 2030 etwas tut. Eine neue Güterzugstrecke entlang der Rheinschiene hat es gerade mal zum Gegenstand einer Machbarkeitsstudie geschafft. Und wenn ein Ausbauplan endlich politisch beschlossen sein sollte, beginnt ein quälend langer Rechtsweg – aktuelles Beispiel: der Streit um den Rhein-Ruhr-Express. Dabei zeigt der Neubau der Leverkusener Autobahnbrücke, dass es möglich ist, Verkehrsbauten von nationalem Interesse – nur um die geht es – per Gesetz durchzusetzen. Das wäre wichtiger als alle anderen Ideen zur Sanierung der Bahn. Scheuer sollte sich an die Arbeit machen.³

¹Maximilian Plück – Rheinische Post ²Ralf Heidenreich – Allgemeine Zeitung Mainz ³Kölnische Rundschau

DasParlament

Eine Antwort auf "Nicht einlullen lassen von der Deutschen Bahn"

  1. Buerger   Samstag, 19. Januar 2019, 10:02 um 10:02

    Was erwarten Bahnfahrer denn von einem Be(SCHEUER)ten Verkehrsminister?
    Das die Bahn pünktlich wird ?
    Der größte Witz 2019!

    Antworten

Ihre Meinung ist wichtig!

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.