Schröder hält Bundeswehr im Baltikum für „ein vollkommen falsches Signal“

Interessen-Verquickung im Zusammenhang mit Schröder-Buch in Südkorea

Gestatten: Schröder, Gerhard, Rentner. Den Altkanzler lassen wir mal weg. Hat absolut nichts zu tun mit dem neuen Posten im Aufsichtsrat von Rosneft. Der Job ist reine Privatsache. So stellt es der 73-Jährige dar. Vielleicht stellt er es sich auch so vor. Aber so ist es nicht.

Schröder hält Bundeswehr im Baltikum für „ein vollkommen falsches Signal“

Gerhard Schröder ist kein fideler Ruheständler, dem vom größten Ölförderer der Welt ein Zubrot angeboten wurde. Vielmehr ist seit gestern ein ehemaliger Kanzler der Bundesrepublik in die Spitze eines Staatskonzerns aufgerückt, der das System Putin verkörpert. Als ehemaliger deutscher Regierungschef betont Schröder gern, wie wichtig gute Beziehungen zu Russland sind. Damit hat er sogar recht: Russland sollte nicht auf seinen Präsidenten reduziert werden.

Solange dieses Land aber von einem skrupellosen Völkerrechtsbrecher regiert wird, wie Putin einer ist, bleibt dem Westen keine Wahl. Sanktionen sind das einzige Mittel, um klarzumachen, dass es so nicht geht. Bei Rosneft ist Schröder Aushängeschild, Kumpel eines Demokratieverächters. In puncto Entspannungspolitik, die er vielleicht glaubt zu betreiben, kann vor allem einer entspannt sein: er selbst. Martin Bewerunge – Rheinische Post

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder hat die Präsenz der Bundeswehr im Baltikum kritisiert. Es handele sich zwar um keine direkte Bedrohung Russlands, aber es sei „ein vollkommen falsches Signal, wenn deutsche Soldaten an der russischen Grenze stationiert sind, weil dies ein Gespür für unsere gemeinsame Geschichte vermissen lässt“. Schröder äußerte sich in einem ausführlichen Gespräch mit der Buchautorin Katja Gloger, das der stern in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe abdruckt. Im Rahmen der Nato-Abschreckungsstrategie „Enhanced Forward Presence“ sind zurzeit 450 Bundeswehrsoldaten in Litauen. In Russland und Weißrussland findet in dieser Woche das Großmanöver „Sapad“ statt.

Schröder, der zuletzt für sein Engagement in der russischen Energiebranche kritisiert worden war, hält den „inzwischen negativ besetzten“ Begriff „Putin-Versteher“ für „gefährlich“. Man sollte sich schon die Mühe machen, sich mit dem Gegenüber auseinanderzusetzen. Schröder wörtlich: „Natürlich muss man Russland und seinen Präsidenten verstehen wollen.“ Aus russischer Sicht bilde die Nato einen Ring von der Türkei, durch Süd- und Mittelosteuropa bis an die Ostsee.

Mit Blick auf die annektierte Krim warnte Schröder vor einer drohenden Entfremdung zwischen Russland und Deutschland. „Aufgrund unserer gemeinsamen Geschichte sind viele Russen von der deutschen Haltung, insbesondere von der Sanktionspolitik enttäuscht.“ Er höre in seinen Gesprächen immer wieder: „Wir haben Deutschland doch bei der Wiedervereinigung geholfen.“ Die Krim sei seit dem 18. Jahrhundert Teil Russlands gewesen. „Ich prophezeie, dass es keinen russischen Präsidenten geben wird, der die Krim wieder aus Russland ausgliedern wird“, so Schröder.

Zum Thema Ostpolitik sagte Schröder: „Wir sollten die Erfolge Willy Brandts nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.“ Deutschland solle sich „in der Betrachtung Russlands nicht an den Interessen der USA orientieren“. Die Vereinigten Staaten seien nicht an einem starken Russland interessiert. „Aber Europa, vor allem Deutschland, hat andere Interessen.“

Schröder äußert sich in dem Gespräch auch ausführlich zu seiner Beziehung zu Wladimir Putin: „Wir sind befreundet. Zu diesem persönlichen Verhältnis stehe ich, und dazu werde ich auch weiter stehen.“ Das habe mit menschlicher Loyalität zu tun. Aber es habe keine politische Bedeutung, „da ich nicht mehr im Amt bin“. Quelle stern. Sabine Grüngreiff, Gruner + Jahr

Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Autobiografie von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) in Südkorea ist es zu Ungereimtheiten gekommen. Wie das Hamburger Magazin stern berichtet, erteilte die nordrhein-westfälische Wirtschaftsfördergesellschaft „NRW Invest“ ihrer südkoreanischen Repräsentantin Soyeon Kim eine schriftliche Abmahnung, weil deren Firma einen jüngsten Schröder-Besuch in Südkorea teils unter dem Namen „NRW Invest“ organisiert hatte. Soyeon Kim hatte das Buch auch übersetzt und fungierte während des Schröder-Besuchs in dem ostasiatischen Land als Dolmetscherin. Kim ist neben ihrer Tätigkeit für „NRW Invest“ Inhaberin einer Dolmetschfirma. Sie ist offenbar Schröders neue Lebensgefährtin.

Am Dienstag vergangener Woche hatte Schröder begleitet von der Dolmetscherin die koreanische Ausgabe seines 2006 auf Deutsch erschienenen Buchs „Entscheidungen“ in der dortigen Hauptstadt Seoul vorgestellt. Unter der Adresse von „NRW Invest“ hatte sich zuvor eine Kim-Mitarbeiterin um praktische Fragen gekümmert, wie die Buchung von Zimmern im Fünf-Sterne-Hotel Grand Hyatt in Seoul. „NRW Invest“ gehört dem Land Nordrhein-Westfalen. Nachdem der stern Ende August bei der Düsseldorfer Gesellschaft wegen der Sache angefragt hatte, erteilte diese Kim nach eigenen Angaben eine „schriftliche Abmahnung“. Ihr Dolmetscherunternehmen habe hier „unzulässigerweise seine wirtschaftlichen Interessen mit Dritten mit seinen Aufgaben für ‚NRW Invest‘ verquickt, indem es im Namen von ‚NRW Invest‘ in diesem Zusammenhang aufgetreten ist“, teilte die Gesellschaft mit.

Die Weltrechte an dem Schröder-Buch gehörten zeitweise dem Verlag Hoffmann und Campe. Inzwischen liegen sie laut Angaben des Verlags wieder bei dem Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer. Er hatte sie im Jahr 2005 für zwei Millionen Euro von Schröder erworben. Maschmeyer ließ Fragen des stern zu dem Vorgang unbeantwortet. Auch das Büro von Altkanzler Schröder reagierte nicht auf Fragen des stern. Quelle stern. stern-Autor Hans-Martin Tillack – Gruner+Jahr, STERN

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