Sprit-Krise: NRW will Lkw-Fahrverbot für Tankwagen an Sonntagen aussetzen

Spritpreise im Süden am höchsten / Baden-Württemberger zahlen für Diesel 19 Cent mehr als Hamburger

Sprit-Krise: NRW will Lkw-Fahrverbot für Tankwagen an Sonntagen aussetzen
Kraftstoffpreise im Bundesländervergleich
Kraftstoffpreise im Bundesländervergleich

Das Land NRW als wichtigstes Transit-Bundesland will das Sonntagsfahrverbot für Tanklastenwagen aussetzen. Das erklärte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) gegenüber der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Wüst: „Wir prüfen für Tanklastwagen die Aufhebung des Lkw-Fahrverbots schon für das kommende Wochenende, spätestens aber für das übernächste Wochenende.“ Er ergänzte: „Es soll keine Wohnung kalt bleiben. Und Pendler dürfen nicht an leeren Zapfsäulen stehen.“

Hintergrund der Ankündigung sind die Versorgungsengpässe bei Treibstoffen gerade im Westen Deutschlands wegen des Niedrigwassers des Rheins.

Sprit-Engpässe zeigen unsere Verletzlichkeit

Der Vorstoß des Bundesverkehrsministeriums ist vernünftig: Wenn Tankschiffe wegen des niedrigen Wasserstands auf dem Rhein nur eingeschränkt fahren können, müssen eben die wenigen Tanklastwagen auch sonntags über Autobahnen fahren dürfen. Das verhindert, dass NRW und andere Teile Deutschlands beim Sprit noch in eine richtige Versorgungskrise rutschen. Aktuell mag es manchmal zwar ärgerlich sein, wenn an einigen Tankstellen eine oder mehrere Spritsorten zeitweise ausgehen, doch eine wirkliche Krise ist das noch nicht.

Gleichzeitig zeigen die Versorgungsengpässe, wie verletzbar unsere Industriegesellschaft ist. Es ist im Interesse Deutschlands, beim Kampf gegen den Klimawandel endlich konsequent mitzumachen. Monatelange Trocken- und Hitzephasen können auch hierzulande zu schwierigen Situationen führen, weitere Migrationswellen aus dem Süden drohen, auch die Brände in Kalifornien sind eine Warnung – wir müssen also weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre jagen.

Dies schließt pragmatisches Handeln nicht aus: NRW sollte mit Pipelines besser an die Häfen an der Nordsee angeschlossen werden, um Raffinerien und Tankstellen zuverlässiger versorgen zu können.¹

Spritpreise im Süden am höchsten

Baden-Württemberger zahlen für Diesel 19 Cent mehr als Hamburger

Seit Wochen wird Tanken in Deutschland teurer, obwohl die Rohölpreise sehr deutlich sinken. So notiert Rohöl der Sorte Brent, das Anfang Oktober noch 85 Dollar kostete, inzwischen nur noch mit rund 67 Dollar je Barrel. Zudem wird die Kluft zwischen den Bundesländern größer. Am teuersten tanken Autofahrer laut aktueller ADAC Auswertung in den süddeutschen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg, gefolgt von den westdeutschen Regionen Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland. Am günstigsten ist Kraftstoff in den norddeutschen Bundesländern Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

Während Autofahrer in Bayern für einen Liter Super E10 im Schnitt 1,576 Euro bezahlen müssen, tanken sie in Hamburg mit 1,439 Euro um 13,7 Cent preiswerter. Noch größer ist die Differenz bei Diesel: Hier ist der Liter im günstigsten Bundesland Hamburg mit 1,323 Euro um 19,2 Cent billiger als in Baden-Württemberg (1,515 Euro). Damit erhöht sich die Tankrechnung für 50 Liter Diesel um fast zehn Euro. Noch im August betrug die Differenz zwischen teuerstem und preiswertestem Bundesland bei beiden Kraftstoffsorten lediglich rund sechs Cent.

Dass Kraftstoff im Süden und Westen des Landes besonders teuer ist, hängt auch mit dem Niedrigwasser an Rhein, Main und Mosel zusammen, das die Transporte von Rohöl und fertigen Kraftstoffen verteuert. Für das Ausmaß des Preisanstiegs und das steigende Preisniveau insgesamt ist dies aber keine hinreichende Erklärung.

In der aktuellen Untersuchung hat der ADAC am heutigen Donnerstag um 11 Uhr die Preisdaten von mehr als 14.000 bei der Markttransparenzstelle erfassten Tankstellen ausgewertet und den Bundesländern zugeordnet. Die ermittelten Preise stellen eine Momentaufnahme dar. Unkomplizierte und schnelle Hilfe für preisbewusste Autofahrer bietet die Smartphone-App „ADAC Spritpreise“.²

¹Rheinische Post ²ADAC Newsroom

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