Studie: Manipulationsgefahr durch Social Bots im Bundestagswahlkampf – Wähler sind in Sorge

Angstrepublik Deutschland? Deutsche sehen Zukunftstrends skeptisch 

Studie: Manipulationsgefahr durch Social Bots im Bundestagswahlkampf –  Wähler sind in Sorge

Besonders stark wird laut Studie die Bestimmung des täglichen Lebens durch Algorithmen zunehmen – Fitness-Tracker, Einkaufsassistenten oder selbstfahrende Autos sind aktuelle Beispiele.

Gerade dieser Trend jedoch weckt statt Hoffnungen vor allem Befürchtungen. Die wachsende Akzeptanz digitaler Assistenten beispielsweise, die sich einstellen wird, bewerten die Befragten vorwiegend negativ. Die Sorgen reichen vom Verlust der Kontrolle über die eigenen Daten bis zur Bedrohung des autonomen Handelns generell, wenn Computer dem Menschen immer mehr Entscheidungen abnehmen.

„Ausgerechnet die Entwicklungen mit der größten Dynamik rufen die größte Skepsis hervor“, sagt Dr. Hannes Fernow, Senior Research Manager bei der GIM. „Dieser Befund ist für Politik und Wirtschaft in gewisser Weise alarmierend.“

„Wenn zum Beispiel der Staat perspektivisch nicht deutlich machen kann, dass er persönliche Daten kompromisslos schützt, wird weiteres Vertrauen verlorengehen. Und neue Technologien wie selbstfahrende Autos lassen sich nur erfolgreich auf den Markt bringen, wenn man die Skepsis der Verbraucher aufnimmt und größtmögliche Transparenz schafft.“

Hoffnungsfeld Verantwortung

Die Ausnahme in der eher skeptischen Trendbetrachtung bildet der Wert „Verantwortung“. Die befragten Gruppen sind sich einig, dass Aspekte wie gesellschaftliche Partizipation und verantwortungsvoller Genuss in den kommenden Jahren wichtiger werden, und beurteilen diese Entwicklung ausgesprochen positiv.

Unterschiedliche Bewertung durch Experten und breite Bevölkerung

Das Forscherteam der GIM hat in einer neuartigen systematischen Kombination aus Experteninterviews und Konsumentenbefragung ermittelt, wie sich globale Megatrends in den kommenden zehn bis 15 Jahren auf die Werteorientierungen der Deutschen auswirken.

Auffällig ist, wie unterschiedlich das Expertenpanel und die befragten Bürger einzelne Aspekte der Algorithmisierung bewerten. So finden beispielsweise die Experten ein steigendes Vertrauen in Künstliche Intelligenz deutlich wünschenswerter als die Allgemeinheit.

„Man kann dies durchaus im Lichte der breit diskutierten Entfremdung zwischen ‚Eliten‘ und ‚Normalbürgern‘ betrachten: Auf der einen Seite der Wunsch, das mögliche Neue auch zu machen, und auf der anderen Seite ein eher skeptisches Beharren. Ersteres wird gesellschaftlich nachhaltig nicht funktionieren, wenn man die Vorbehalte nicht adressiert“, sagt Hannes Fernow. Gartner Communications – GIM Gesellschaft für Innovative Marktforschung GmbH

Social Bots für Wahlkampfzwecke einsetzen? Die deutliche Mehrheit der deutschen Wähler möchte das nicht. Die Parteien haben zwar offiziell erklärt, vom Einsatz der Softwareroboter als Stimmungsmacher in Sozialen Medien abzusehen. Jedoch herrscht bei den Wählern Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieser selbst auferlegten Selbstverpflichtung: Nur jeder Zweite glaubt daran, dass sich die Parteien auch daran halten werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Online-Befragung der Entwicklerkonferenz Developer Week (DWX), die von Fittkau & Maaß Consulting unter 1.200 deutschen Internet-Nutzern durchgeführt wurde, und heute auf der gleichnamigen Konferenz in Nürnberg veröffentlicht wird.

Was haben Softwareroboter mit der Bundestagswahl zu tun? Social Bots, die in sozialen Medien liken und retweeten, texten und kommentieren, können gezielt eingesetzt werden, um Meinungen zu verbreiten bzw. zu verstärken oder um Meldungen in den Umlauf zu bringen. Bei Inhalten zum Wetter oder Reise ist das harmlos, bei politischen Einstellungen zu emotionalen Themen wie Flüchtlingskrise, Europapolitik und Extremismus kann die Befeuerung gefährlich werden und das Stimmungsbild verzerren. Wie schätzen deutsche Internet-Nutzer Stimmungsmache im Netz in Zeiten des Bundestagswahlkampfs ein? Die Developer Week untersuchte in einer repräsentativen Studie deren Einstellungen und Meinungen.

Einfach zu erkennen sind die Meinungsroboter nicht. 42 Prozent der Befragten gaben an, dass sie nicht unterscheiden können, ob ein Beitrag von einer natürlichen Person oder einem Bot stammt. Entsprechend kritisch stehen deutsche Nutzer diesem Thema gegenüber: 59 Prozent glauben, dass bereits viele Meldungen bzw. Accounts in Sozialen Medien »Fakes« sind und für Stimmungsmache missbraucht werden. 42 Prozent der befragten Deutschen sind davon überzeugt, dass Social Bots im Jahr 2016 politische Entscheidungen wie den Brexit und die US-Präsidentschaft von Donald Trump mitentschieden haben.

Social Bots als Gefahr für demokratischen Meinungsbildungsprozess

Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Bundestagswahl forderten schon Anfang des Jahres etliche deutsche Politiker ein Verbot der Meinungsroboter im Wahlkampf. Alle Parteien distanzierten sich öffentlich, die Softwareroboter einzusetzen – es herrschte Einigkeit in der Parteienlandschaft. Die Studie gibt ihrer Entscheidung recht: 57 Prozent der Befragten begrüßt es, dass Parteien von der Social Bot-Nutzung im Wahlkampf absehen. An der Glaubwürdigkeit der Selbstverpflichtung herrscht jedoch Zweifel: 51 Prozent glauben nicht daran, dass sich alle Parteien daran halten werden.

Was bleibt, ist Skepsis: Mehr als jeder Zweite ist der Ansicht, dass Social Bots eine Gefährdung für den Meinungsbildungsprozess in einer Demokratie darstellen. Und sogar 60 Prozent machen sich Sorgen, dass Social Bots in Zukunft immer öfter Menschen und Entscheidungen manipulieren werden.

„Auch Softwareentwickler müssen sich bei ihrer Arbeit, hier beispielhaft herausgegriffen bei der Programmierung von Social Bots, ethischen Grundsätzen stellen“, kommentiert Florian Bender, Projektleiter der DWX und Initiator der Studie, die Ergebnisse. „Daher werden wir uns auf der diesjährigen Konferenz auch dem Thema der sozialen Verantwortung widmen und mit unseren Experten diskutieren.“

Die Developer Week untersuchte in einer aktuellen Studie die Wahrnehmung von Social Bots in der Öffentlichkeit und deren Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung in Zeiten des aktuellen Wahlkampfes in Deutschland. Auch die ethische Verantwortung der Softwareentwickler wurde bei der Untersuchung berücksichtigt. Darüber hinaus wurden auch Nutzermeinungen über den Einsatz von Chatbots im Internet, z.B. beim Webshopping, erhoben. Die vollständigen Studienergebnisse veröffentlicht die Developer Week heute in Nürnberg anlässlich der gleichnamigen Entwicklerkonferenz. Andreas Kasper -Developer Week

DasParlament

Ihre Meinung ist wichtig!

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.