Umwelthilfe fordert Tempolimit von 120 auf Autobahnen

Tempo 130 - warum nicht?

Umwelthilfe fordert Tempolimit von 120 auf Autobahnen

In der Diskussion um ein generelles Tempolimit hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sich für noch strengere Vorgaben ausgesprochen. „Wir fordern ein Tempolimit von 120 auf allen Autobahnen und 80 auf Landstraßen“, sagte DUH-Chef Jürgen Resch der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Damit ließen sich bis zu fünf Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen, so Resch. Der Verkehrssektor müsse endlich seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten. „Die abfälligen Äußerungen von Andreas Scheuer zu den Ideen der Kommission zeigen anschaulich, dass der Verkehrsminister weder die Verkehrssicherheit noch den Klimaschutz im Sinne hat“, sagte der Bundesgeschäftsführer der Umweltorganisation. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte zuvor Überlegungen einer Regierungskommission zu Tempolimits auf Autobahnen zurückgewiesen. Sie seien „gegen jeden Menschenverstand“ gerichtet, sagte er.¹

Fällt in Deutschland bald das bislang größte Tabu? Eine Regierungskommission erwägt, Tempo 130 zu empfehlen - und spaltet sofort das ganze Land. Bei keinem Thema stehen sich die Deutschen unversöhnlicher gegenüber als beim Tempolimit. Weicheier gegen echte Kerle. Grüne Wirrköpfe, die uns den letzten Spaß rauben wollen, gegen Raser, denen Menschenleben und Wälder völlig egal sind. Das ist je nach Blickwinkel der Frontverlauf. Für differenzierte und kluge Debatten war bislang kein Raum. Aber was sind die Fakten? In Deutschland stehen wir pro Jahr auf 1,5 Millionen Kilometern im Stau. Allein 2018 starben 3220 Menschen im Straßenverkehr. Ein Tempolimit spart Benzin, Nerven, Lärm, Emissionen.

Und das Schönste: Es lässt einen entspannt am Ziel ankommen. Eigentlich keine schlechten Argumente. Dass die deutsche Autoindustrie ohne die Lizenz zum Rasen stirbt, ist ein altes Horrormärchen, das durch Wiederholen nicht wahrer wird. Porsche exportiert die meisten Sportwagen nach China und in die USA – trotz strenger Tempolimits. Wer häufig auf deutschen Autobahnen unterwegs ist, weiß doch genau: Nicht das Schnellfahren ist das Problem, sondern die wachsende Zahl der Irren, die damit nicht umgehen können. Wer mit Kindern auf der Rückbank bei Tempo 180 von der Überholspur gedrängelt wird, darf ruhig mal an dieser deutschen Freiheit zweifeln und sich fragen: Muss ich mir das eigentlich gefallen lassen? Es spricht mehr dafür als dagegen, ein Tempolimit einzuführen. Warum also nicht probeweise, als großen Test über zwei Jahre? Danach wäre die Autofahrernation Deutschland endlich schlauer und könnte anhand neuer Erkenntnisse entscheiden: nicht aus dem Bauch, sondern ausnahmsweise mit dem Hirn.²

Wer Tempo 130 auf Autobahnen fordert, macht sich in der Regel keine Freunde. Trotzdem: Dieses Limit ist überfällig. Experten mögen darüber streiten, ob eine Höchstgrenze weniger Tote und bessere Luft bedeutet. Klar ist aber: Es ginge auf Autobahnen gesitteter, ruhiger und entspannter zu, und der Spritverbrauch nähme ab. Dichtes Auffahren, wütendes Lichthupen, aggressives Rechtsüberholen, Lückenspringen – für alles das gäbe es keinen Anlass mehr, wenn bei 130 Schluss wäre. Welchen nachvollziehbaren Grund soll es dafür geben, dass Autofahrer in allen EU-Ländern mit Tempolimits leben können, angeblich aber nicht in Deutschland? 1,35 Millionen Wagen, die oft mehr als 200 km/h schaffen, haben Audi, BMW, Daimler, Porsche und VW 2017 in den USA verkauft – obwohl auf den Highways eine Grenze von etwa 120 Kilometern pro Stunde gilt. Und doch ist es wohl die Angst vor der einflussreichen Autolobby, die die Regierung abhält, 130er-Schilder aufstellen zu lassen. Dabei gibt es für die Durchsetzung eines Tempolimits keine geeignetere Regierung als eine Große Koalition³

¹Rheinische Post ²Jörg Quoos – Berliner Morgenpost ³Westfalen-Blatt

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