Verbraucherzentrale fordert Senkung der Stromsteuer

Strompreise - Dickicht lichten

Verbraucherzentrale fordert Senkung der Stromsteuer

Im europaweiten Vergleich greift der deutsche Staat bei der Stromsteuer besonders kräftig zu. Jetzt steigen auch noch die Einkaufspreise am Strommarkt. Haben die Anbieter günstigere Einkaufspreise wenn überhaupt nur zurückhaltend an die Kunden weitergegeben, ist dies im umgekehrten Fall sicher nicht zu erwarten. Wehren kann sich der Verbraucher allenfalls durch den regelmäßigen Tarif- oder Anbieterwechsel.

Doch das ist kompliziert und nicht jedermanns Sache. Dem langfristigen Trend der Preissteigerungen können auch konsequente Wechsler nicht entkommen. Mehr Zurückhaltung durch den Staat bei der Stromsteuer könnte immerhin für eine kurzfristige Entlastung der Verbraucher sorgen. Mittel- und langfristig aber muss das Dickicht bei den Strompreisen dringend gelichtet werden.¹

„Strompreis für private Verbraucher ist zu hoch“ – Energieexperte rät zu Anbieterwechsel

Vor dem Hintergrund steigender Strompreise haben Verbraucherschützer eine Entlastung der privaten Haushalte gefordert. „Die Bundesregierung sollte die Stromsteuer auf das EU-Mindestniveau senken und einen Teil der EEG-Umlage in den Bundeshaushalt verschieben“, sagte Thomas Engelke, Energieexperte von der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Der Strompreis für die privaten Verbraucher ist zu hoch und unfair verteilt.“

Die Stromsteuer liegt in Deutschland derzeit bei 2,05 Cent pro Kilowattstunde, das europarechtliche Minimum bei 0,1 Cent. Auch die Energiewirtschaft fordert eine Senkung. Engelke rief die Politik außerdem dazu auf, Industrieunternehmen nicht länger vom Netzentgelt zu befreien, das einen weiteren Bestandteil des Strompreises ausmacht.

Den Kunden rät der Fachmann, auf den einschlägigen Internetportalen die Preise der verschiedenen Anbieter miteinander zu vergleichen und gegebenenfalls zu wechseln.²

Für die steigenden Strompreise fand man bislang schnell den Schuldigen: Die EEG-Umlage, mit der Wind- und Solarstrom gefördert wird. Sie macht mit 6,79 Cent pro Kilowattstunde aktuell knapp 23 Prozent des durchschnittlichen Strompreises für Privathaushalte aus. Ohne Zweifel hat die Umlage großen Anteil an den Preissteigerungen der Vergangenheit. Doch als Sündenbock für künftige Aufschläge taugt sie nicht. 2019 wird sie Prognosen zufolge stabil bleiben, danach noch einmal kurz auf knapp sieben Cent steigen, um dann ab 2023 deutlich zu sinken.

Weil alte Wind- und Solarstromanlagen aus den Anfangsjahren aus der für sie geltenden, sehr hohen EEG-Vergütung herausfallen. Ein Problem sind aktuell vielmehr steigende Preise für Kohle und Gas, mit denen konventionelle Kraftwerke betrieben werden, sowie die Preisexplosion beim Handel mit CO2-Zertifikaten. Sie sollen in der nächsten Zeit sogar noch teurer werden. Am Ende bleibt in der Tat nur die Stromsteuer, um schnell für ein wenig Entlastung zu sorgen. Der Staat hat an ihr bestens verdient. Zeit, dass er seine Ansprüche auf ein in Europa übliches Maß zurückschraubt.³

¹Straubinger Tagblatt ²Neue Osnabrücker Zeitung ³Ralf Heidenreich – Allgemeine Zeitung Mainz

DasParlament

Ihre Meinung ist wichtig!

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.