Völkermord anerkennen impliziert auch Völkermord zukünftig verhindern!

„Bundesregierung übernimmt Sprachregelung der Türkei.“

Der Deutsche Bundestag möchte den 1915 an den Armeniern begangenen Völkermord durch das Osmanische Reich offiziell als solchen verurteilen. Der AfD-Europaabgeordnete Marcus Pretzell hat indessen mit scharfen Worten das „unwürdige Theater um die Anerkennung des Völkermords an den Armeniern“ in Deutschland kritisiert.

Völkermord anerkennen impliziert auch Völkermord zukünftig verhindern!

Vor allem das „aggressive Auftreten“ der türkischen Lobbyverbände, die die Anerkennung des Genozids verhindern wollen, bezeichnete Pretzell als „schockierend“. „Erdogan mißbraucht Migrantenverbände als seine Fußtruppen in Europa“, kritisiert der Europaabgeordnete und fährt fort: „Der politische Druck, der von Ankara auf die gewählten Abgeordneten des Deutschen Bundestages ausgeübt wird, ist inakzeptabel!“ Doch mit einer reinen Anerkennung des Völkermordes sei es noch lange nicht getan, so der AfD-Politiker.

Marcus Pretzell weiter: „Die Anerkennung des historischen Genozids an den Armeniern bleibt ein reines Lippenbekenntnis, solange man sich gleichzeitig weigert, daraus Lehren für die Gegenwart zu ziehen. Im Krieg in Syrien werden seit 2011 wieder Christen – darunter vor allem syrische Armenier – gezielt angegriffen, getötet und vertrieben. Die armenische Diaspora in Syrien sind Nachkommen jener Armenier, die den türkischen Mörderbanden vor hundert Jahren entkommen konnten.
Ankara unterstützt heute die sogenannten ,Rebellen´ in Syrien, darunter genau jene Terroristen, die wieder Armenier angreifen, ermorden und vertreiben. Die Geschichte scheint sich zu wiederholen.

Die Anerkennung des Völkermords von 1915 bleibt daher stumpfe Symbolpolitik, wenn wir bei den heutigen Ereignissen nur tatenlos zusehen. Die Bundesregierung sollte daher politische Konsequenzen aus der anti-armenischen Politik der Türkei ziehen:

– Keine Verhandlungen mehr mit der türkischen Erdogan-Regierung, keine Abkommen mit Ankara.
– Keine Visafreiheit für die Türkei. Stattdessen Verschärfung des Visaregimes.
– Sofortiger Stopp der gerade erst wieder verlängerten Sanktionen gegen Syrien, die auch die syrischen Streitkräfte im Kampf gegen den Terrorismus behindern.

Wer es mit dem Gedenken an den Völkermord von 1915 ernst meint, darf beim schleichenden Völkermord von heute nicht wegsehen. Das wäre zynisch.“ Dipl.-Ing. Kerstin Garbracht
Pressesprecher Marcus Pretzell, MdEP, AfD

Anerkennung des Völkermords an den Armeniern ist Voraussetzung für Versöhnung

„Wenn der Bundestag in dieser Woche die Vertreibung und Ermordung von 1,5 Millionen Armeniern durch das Osmanische Reich vor 101 Jahren mit übergroßer Mehrheit klar und unmissverständlich als Völkermord anerkennt, dann ist das ein großer Erfolg, ein Sieg der Aufklärung und der Gerechtigkeit“, erklärt Sevim Dagdelen, Sprecherin für Internationale Beziehungen der Fraktion DIE LINKE und Mitglied im Auswärtigen Ausschuss. Dagdelen weiter:

„Die Bundesregierung darf den neuerlichen Drohungen aus Ankara nicht nachgeben und muss die Leugnung des Völkermords durch die türkische Führung deutlich zurückweisen. DIE LINKE hat sich immer gegen die falsche Rücksichtnahme gerade von Union und SPD auf die fortgesetzte Völkermordleugnung durch staatliche Stellen in der Türkei gewandt. Es ist ein Skandal, dass die große Koalition im Bundestag bisher nicht bereit war, eine Anerkennung des Völkermords auszusprechen, auch um die enge Militärpartnerschaft mit der Türkei im Rahmen der NATO nicht zu gefährden.

Die Resolution ist auch ein Sieg über 101 Jahre Völkermordleugnung in Deutschland und vor allem Leugnung der deutschen Mitschuld am Völkermord an den Armeniern. DIE LINKE hatte lange eingefordert, endlich auch diese Verantwortung des Deutschen Reiches zu benennen. Auch in diesem Sinne ist die Abstimmung ‪am 2. Juni 2016 eine historische Abstimmung, denn sie bricht mit der deutschen Staatsräson einer Leugnung der Mitschuld des Deutschen Reiches am Völkermord an den Armeniern.

Nur eine aufrichtige Anerkennung und Aufklärung kann den Weg zur Versöhnung und einer gemeinsamen Zukunft bahnen. Die Zivilgesellschaft in der Türkei ist hier weiter als die Regierung in Ankara.“ Partei Die Linke im Bundestag

Äußerungen von Integrationsbeauftragte Özoguz inakzeptabel

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland kritisiert in deutlichen Worten die Haltung von Aydan Özoguz, Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, im Umgang mit der Anerkennung des Völkermords an Aramäern, Armeniern und Pontos-Griechen im Osmanischen Reich.

„Ohne vernünftige Aufarbeitung“ werden die geschichtlichen Ereignisse in der damaligen Türkei beurteilt, so Özoguz, die sich deutlich von der anstehenden Völkermord-Resolution kommenden Donnerstag im Deutschen Bundestag distanziert.
Dazu erklärt der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir:
„Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Özoguz hat in der Debatte jegliche Glaubwürdigkeit verloren. Weshalb Sie trotz massiver Vorbehalte und offensichtlicher Infragestellung der historischen Faktizität des Völkermords sowie einer wohlgemerkt nicht namentlichen Abstimmung, noch ihre ´Zustimmung´ medial offenlegen muss, ist und bleibt unerklärlich. Die Weigerung der Bundesregierung, die nahezu vollständige Vernichtung der christlichen Minderheiten auf dem Gebiet der heutigen Türkei angemessen als Genozid zu bezeichnen, ist schlimm genug. Die Begründung dafür, diese Bewertung Wissenschaftlern zu überlassen – wie von Integrationsbeauftragte Özoguz erneut herangezogen – ist empörend, entspricht sie doch exakt der offiziellen Sprachregelung der Türkei.“

Seit Jahrzehnten entziehen sich türkische Regierungen ihrer Verantwortung, den Völkermord anzuerkennen und zwar mit der fadenscheinigen Begründung, die Ereignisse müssten erst von Wissenschaftlern gründlich untersucht und dann angemessen bewertet werden, so Daniyel Demir weiter.

Der Bundesverband der Aramäer zeigt sich enttäuscht darüber, dass diese Bundesregierung hinter den Bewertungen früherer Bundesregierungen zurückfällt. Zwar haben es Bundesregierungen auch in der Vergangenheit bislang vermieden die Ereignisse direkt als Völkermord zu bezeichnen, aber niemals mit einer von der türkischen Regierung übernommen Begründung.

„Wir fragen die Bundesregierung, welche wissenschaftlichen Bewertungen denn noch ausstehend sind? Es gibt seit Jahrzehnten keinen ernstzunehmenden Wissenschaftler außerhalb der Türkei, der die Geschehnisse nicht als Genozid bezeichnen würde. Und diejenigen, die es in der Türkei wagen den Begriff zu verwenden, werden verhaftet, verschleppt oder getötet. Stellen sie sich vor, eine Bundesregierung hätte in Zusammenhang mit dem Holocaust den Vorschlag unterbreitet, die

Bewertung dieser Geschehnisse solle der Wissenschaft überlassen werden. Stellen sie sich vor, die USA hätten den Überlebenden des Holocaust mitgeteilt, die Frage der Anerkennung des Holocaust hänge von der Zustimmung der Deutschen ab. Meines Erachtens wäre solch eine Haltung undenkbar und das völlig zu Recht.“, erklärt der Bundesvorsitzende Daniyel Demir.

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland fordert die Bundesregierung auf, die Leugnung des Völkermords an den Armeniern, Aramäern und Pontos-Griechen nicht länger zu unterstützen und die Dinge endlich beim Namen zu nennen. Mit der Unterstützung der türkischen Haltung nehme die Bundesregierung in unangemessener Weise Partei für die türkische Seite. Diese Haltung diene weder einer sachlichen Aufarbeitung der Geschehnisse, noch dem Versöhnungsprozess zwischen den Nachfahren der Opfer und Täter. Sie diene ausschließlich der Unterstützung der türkischen Position und schade den Opfern. Die Haltung der jetzigen Bundesregierung könne sich auch dazu eignen, die Überlebenden und Nachfahren der Opfer daran zu erinnern, dass sich schon einmal eine deutsche Regierung in dieser Frage auf die Seite der Türkei gestellt hat, nämlich als Reichskanzler Bethmann Hollwegs entschied: „Unser einziges Ziel ist, die Türkei bis zum Ende des Krieges an unserer Seite zu halten, gleichgültig ob darüber Armenier zugrunde gehen oder nicht”.

In den Jahren 1915 bis 1923 sind im Osmanischen Reich neben 1,5 Millionen Armeniern bis zu 500 Tausend Aramäer und 350.000 Pontos-Griechen durch Massaker, Massenmord und Deportation, verübt durch das osmanische Militär und kurdische Hilfstruppen, umgekommen. Das entsprach etwa zwei Dritteln der Mitglieder der damals auf dem Gebiet der heutigen Türkei lebenden Aramäer. Weitere 200 – 300 Tausend wurden aus ihrer angestammten Heimat vertrieben oder als Kinder verschleppt und zwangsislamisiert.

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland e.V. setzt sich für die Rechte und Interessen der Aramäer in Deutschland und den Heimatländer ein. Die Aramäer sind ein semitisches Volk, das im Südosten der Türkei sowie in den Ländern des Nahen Ostens beheimatet ist. In Deutschland leben etwa 120.000 Aramäer, in der EU insgesamt bis zu 350.000. Die christlichen Aramäer sind hauptsächlich Angehörige der syrischen Kirchen, darunter syrisch-orthodox, syrisch-katholisch, syrisch-maronitisch, syrisch-chaldäisch, „arabisch“-orthodox, apostolische Kirche des Ostens und Weitere. Bundesverband der Aramäer

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