VRR rechnet mit „Jahrzehnt der Baustellen“

VRR-Chef droht notfalls mit Kündigung von Verkehrsverträgen

VRR rechnet mit „Jahrzehnt der Baustellen“

Der Chef des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR), Ronald Lünser, bereitet die Fahrgäste auf eine jahrelange Bauphase im Schienennetz vor. Der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ sagte er: „Es war bitter nötig, dass wieder Milliarden in die Schiene in NRW fließen.“ Das System sei am Limit. „Nun ist ein Jahrzehnt der Baustellen angebrochen – mit Großprojekten wie dem Umbau des Knotens Köln, dem RRX-Ausbau und der Betuwe-Linie.“ Hinzu kämen kleinere Projekte, und in Summe seien es dann knapp 1000. „Dass grundsätzlich investiert und gebaut wird freut mich zwar, aber wir werden Bauzustände haben, in denen über Wochen auf mancher Linie gar nichts fährt“, sagte Lünser.

Mit Blick auf das Baustellenmanagement der Deutschen Bahn sagte der VRR-Chef: „Früher war ich ein dogmatischer Anhänger von ,Bauen unterm rollenden Rad’ - also längere Baustellenphasen, in denen Schienen offengehalten wurden, um den der Betrieb aufrechtzuerhalten. In der heutigen, extrem angespannten  Situation fährt man mit der radikaleren ,Augen zu und durch‘-Methode besser.“ Wenn man einen ordentlichen Ersatzverkehr hinbekomme, sei die kurzzeitige Vollsperrung das kleinere Übel.¹

VRR-Stationsbericht / Nückel: DB erweist sich als schlechter Immobilienbesitzer

Zum Stationsbericht des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr erklärt der FDP-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Landtag NRW, Thomas Nückel:

„Wieder einmal bekommt die Bahn schlechte Zeugnisse ausgestellt. Die DB erweist sich als schlechter bis schlampiger Immobilienbesitzer. Der Zustand vieler Bahnhöfe und Haltepunkte ist desaströs. Dabei waren die Beobachter des VRR bei vielen Stationsbeurteilungen nach meiner Einschätzung noch geradezu gnädig in ihren Bewertungen. Sorgen macht mir vor allem der negative Trend. Immer mehr Stationen sind laut VRR in einem inakzeptablen Zustand. Hier ist ein Kehrtwende dringend notwendig. Denn die Zeichen des Verfalls der Bahneinrichtungen münden in zunehmenden Vandalismus. Ein Umsteuern der Bahn in ihrem Immobilienmanagement ist dringend erforderlich auch um eine Wertschätzung gegenüber der Bahnfahrern zum Ausdruck kommen zu lassen.“²

Nach der Abmahnung von drei Eisenbahnverkehrsunternehmen durch den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hat sich dessen Chef, Ronald Lünser, auch für drastischere Maßnahmen ausgesprochen. Der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ sagte der neue VRR-Chef auf die Frage, ob er bereit sei, einen Verkehrsvertrag zu kündigen: „Absolut. Aber das wäre die Ultima Ratio.“ Alternativ sei es möglich, wenn es auf einer bestimmten Linie nicht laufe, diese dem Unternehmen dauerhaft oder vorübergehend entziehen. „Das ist juristisch zwar kniffelig, aber machbar“, sagte der VRR-Chef.

Lünser hatte kurz nach seinem Amtsantritt im Januar die Unternehmen DB Regio, Nordwestbahn und Keolis abgemahnt, weil der VRR massive Qualitätseinbrüche im letzten Quartal 2018 festgestellt hatte. Die Abmahnung habe Erfolg gehabt. Bei DB Regio gebe es erhebliche Verbesserung bei der Fahrzeugbereitstellung, „auch wenn wir noch nicht beim Optimum sind“, sagte Lünser. Ersatzteile, die vorher für Bayern vorgesehen gewesen seien, kämen jetzt nach NRW. Die Probleme bei der Nordwestbahn und Keolis seien personalbedingt gewesen. „Das Management beider Unternehmen hat zu lange offensichtliche Engpässe ignoriert. Die Verantwortlichen haben versucht, diese durchzumogeln. Deshalb habe ich ihnen externe Berater ins Haus geschickt“, so Lünser.³

¹,³Rheinische Post ²FDP-Landtagsfraktion NRW

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