Waffen und die USA

Im Land der Waffen

Die amerikanische Politik wird auch den Schock von Las Vegas aussitzen und dann weitermachen wie bisher. Die Zeichen stehen sogar auf einer weiteren Lockerung der Waffengesetze.

Waffen und die USA

Nein, es wird sich auch diesmal nichts ändern – eher im Gegenteil: Wahrscheinlich wird alles noch schlimmer. Gemeint ist die Sonderstellung der Vereinigten Staaten, wenn es um Schusswaffen in privaten Händen geht. Nirgendwo sind die Bürger besser bewaffnet. Und nirgendwo in den entwickelten Ländern gibt es mehr Tote durch Schusswaffen – fast 34.000 waren es im Jahr 2013. Massaker wie jenes am Sonntag in Las Vegas bilden nur die Spitze des Eisbergs, die auch international Aufsehen erregt.

Die Korrelation zwischen der Verbreitung von Schusswaffen und ihrer tödlichen Verwendung ist offensichtlich. Beispiele aus den USA – auf regionaler Ebene – sowie aus anderen Ländern belegen, dass die Verschärfung der Waffengesetze und Rückkaufaktionen durch den Staat die Todesrate durch Schusswaffen senken können. Dennoch wird das politische Amerika auch den Schock von Las Vegas aussitzen und dann weitermachen, als wäre nichts gewesen.

Zwar gibt es auch diesmal Politiker, Prominente und Aktivisten, die strengere Waffengesetze fordern. Manche Vorschläge, etwa ein Verbot von Sturmgewehren, genießen sogar breite Unterstützung in der Bevölkerung. Doch an der Umsetzung ist schon Präsident Barack Obama trotz leidenschaftlicher Kampagne gescheitert. Zu groß ist der Einfluss der Waffenlobby auf die öffentliche Debatte und den Kongress; sie hält vor allem die Republikanische Partei seit Jahren in politischer Geiselhaft.

Dahinter steckt eine Minderheit, die ihre Waffen als Fetisch für Freiheit und Selbstbestimmung hochhält und Washington stets verdächtigt, ihr beides nehmen zu wollen. Darüber hinaus sind Waffen seit den Anfängen der Republik tief in der Tradition und Kultur verwurzelt. Die meisten Amerikaner verstehen den Zweiten Verfassungszusatz als individuelles Recht auf Bewaffnung – obwohl man darüber streiten könnte. Doch schon der Versuch, am Dogma zu rütteln, wäre auch für die meisten Demokraten politischer Selbstmord.

Aus der Sicht der Waffenlobby bedeutet das Massaker von Las Vegas nur eine vorübergehende atmosphärische Störung. Pläne für die weitere Lockerung der Waffengesetze liegen bereits in der Schublade. Dass die Republikaner derzeit alle politischen Institutionen in Washington kontrollieren, verschafft ihnen eine historische Gelegenheit. In der Zwischenzeit klingeln bereits die Kassen der Waffenhändler – wie meistens nach einem Massaker, wenn Amerikas Waffenfreunde öffentlichen Gegenwind spüren und sich um ihre Freiheit sorgen. Floo Weißmann – Tiroler Tageszeitung

Horror ohne Grenzen

Ein anderer Ort, die gleiche Geschichte. Wieder kommen Dutzende Menschen bei einem Massaker ums Leben. Diesmal in Las Vegas bei einem Country-Festival. Mit mindestens 59 Toten und mehr als 500 Verletzten geht das Massaker als die Schießerei mit den meisten Opfern in die Geschichte der USA ein. An den laxen Waffengesetzen wird sich leider nichts ändern. Denn Trump findet sich im Einklang mit der überwältigenden Zahl seiner Wähler, für die der zweite Verfassungszusatz heilig ist. Wer sich davon überzeugen möchte, braucht in den USA nur einen Waffenladen zu besuchen. Massaker heizen den Verkauf von Schießeisen an und treiben den Aktienkurs der Hersteller nach oben.

Ein republikanisch dominierter Kongress, der es nicht einmal nach einem Blutbad an Grundschülern schaffte, Personenüberprüfungen vor dem Verkauf von Waffen durchzusetzen, wird auch diesmal nichts tun. Die Abgeordneten spiegeln die Obsessionen eines Teils der amerikanischen Gesellschaft wider. In den USA gibt es mehr Waffen in Privatbesitz als Einwohner. Genauso wenig werden der Präsident und seine Partei das andere ungelöste Problem angehen: fehlende Hilfe für Millionen Menschen mit mentalen Erkrankungen. Fast immer ist es die Kombination aus psychischen Problemen und Waffenbesitz, die zu Katastrophen führt. Wer das nicht sehen will, kann nur das Böse beschwören und Gebete anbieten. Die Scheinheiligkeit muss für Angehörige und Opfer wie Hohn klingen. Diese Schießerei wird nicht die letzte bleiben. Solange sich die Einstellung der Amerikaner nicht grundsätzlich ändert, sind dem Horror keine Grenzen gesetzt. Thomas Spang – Weser-Kurier

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