Wohnungsmangel endlich beenden

Raus aus der Komfortzone

Wohnungsmangel endlich beenden

Teurer, kleiner, umkämpfter: Auf diese Formel lässt sich die Lage am Wohnungsmarkt in Deutschland nicht verknappen. Es gibt vielmehr gegenläufige Entwicklungen zwischen einzelnen Regionen oder Stadt und Land. OWL ist dabei wie so oft ein Abbild der Republik. Glücklicherweise – zumindest bislang – ohne ganz große Auswüchse bei Wohnungsnot und Mietenexplosion oder Leerstand und Landflucht. Hierin liegt auch eine Chance, Wohnen als eine der wichtigsten Fragen unserer Zeit, regional lösen zu können. Fakt ist, dass für viele Mieter und Häuslebauer die Grenze der finanziellen Belastbarkeit erreicht ist. Deshalb braucht es einen Mix von gezieltem Neubau, Schutz vor starken Mietsteigerungen und Entlastungen beim Immobilienerwerb.¹

Jeder redet über die Wohnungsknappheit in deutschen Städten. Seit Jahren. Und es hat sich schon einiges getan. Etwa die Grundgesetzänderung, die eine Verstetigung der Bundesmittel für den sozialen Wohnungsbau ermöglicht. Doch das reicht längst nicht aus. Wenn die Bürgermeister besonders belasteter Großstädte die Beseitigung des Mangels wirklich ernst nehmen, müssen sie sich ehrlich machen und das ihren Wählern auch so erklären: Es wird ohne neues Bauland – ja, auch auf mancher Grünfläche oder in mancher Kleingartenkolonie – nicht mehr gehen.

Es wird auch nicht ohne Verdichtung gehen, ohne den Ausbau von Dachgeschossen etwa. Auflagen und Industrienormen gehören überprüft, sodass Bauen wieder günstiger wird. Dieses Mammutproblem der heutigen Zeit, das reichlich sozialen Sprengstoff birgt, lässt sich nur mit einem klugen Instrumentenmix in den Griff bekommen. Eine gezielte Förderung ist wichtig, nicht etwa ein Baukindergeld nach dem Gießkannenprinzip. Bund, Länder und Kommunen müssen an einem Strang ziehen. Doch leider lässt der Bundesinnenminister, auf dessen Visitenkarte auch die Zuständigkeit für Bauen und Heimat steht, bisher nicht ausreichend Leidenschaft bei dem Thema erkennen, um alle mit an Bord zu holen.²

Die Maßnahmen der Regierung gegen den wachsenden Wohnungsmangel sind zu zögerlich und zu zaghaft. Die Dramatik der Lage erfordert entschlossenes Handeln für mehr sozialen Wohnungsbau und ein Ende des Mietenwahnsinns.

Es sind vor allem die Menschen mit geringen Einkommen, die besonders unter den hohen Mieten leiden. Wer kein hohes Einkommen hat, zieht bei der Wohnungssuche den Kürzeren oder wird gezwungen, sein Zuhause zu verlassen. Bundesweit fehlen fünf Millionen Sozialwohnungen, die Obdachlosigkeit steigt.

Längst ist der Mietenwahnsinn bei der Mehrheit der Bevölkerung angekommen. Während die Menschen einen immer größeren Teil ihres Einkommens für die Miete ausgeben müssen, verdienen sich die Immobilienkonzerne auf Kosten der Mieterinnen und Mieter dumm und dämlich.

Wir müssen diesen Trend umkehren. Wir brauchen mehr Wohnungsbau in öffentlicher Hand und sinkende Mieten. Wenn wir dahin kommen, dass in allen deutschen Großstädten wie in Wien 60 Prozent der Wohnungen in öffentlicher oder genossenschaftlicher Hand sind, dann können wir auch Mieten wie in Wien durchsetzen. Sieben statt zehn und mehr Euro pro Quadratmeter sind auch in gefragten Großstädten realistisch. Die Kostenmiete muss zum Richtwert für die Mietpreise werden. Die Bedürfnisse der Menschen müssen im Mittelpunkt stehen und nicht der Renditehunger der Miethaie.³

¹Westfalen-Blatt ²Rheinische Post ³Partei Die Linke im Bundestag

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