AfD Gründervater vom Thron gestoßen

Geglückter Königsmord

AfD Gründervater vom Thron gestoßen

Bernd Lucke ist als AfD-Chef abgewählt worden, der rechte Flügel um Frauke Petry hat das Steuer übernommen. »Rückt die Partei nun weiter nach rechts?«, lautet eine oft geteilte Vermutung in diesen Tagen. Es sei die Gegenfrage erlaubt: Ließ sich die AfD jemals an einer anderen Stelle verorten? »Unsere Gesetze erlauben Abschiebung nur bei schwerer Kriminalität. Das ist falsche Rücksichtnahme. Auch Kleinkriminelle haben bei uns nichts zu suchen«, sagte der gescheiterte Hamburger Professor Lucke im Jahr 2014. Dieses Zitat ist nur eine bürgerliche Chiffre für die altbekannte NPD-Parole: »Kriminelle Ausländer raus!« Lucke verwehrte sich stets dagegen, Vorurteile gegenüber Migranten oder Flüchtlingen zu schüren und behauptete im gleichen Atemzug, Sinti als auch Roma seien »nicht gut integrationsfähig«.

Wenn das kein Rassismus ist, was dann? Im Gegensatz zu Petry verstand es Lucke, seinem mit der neuen AfD-Chefin oft deckungsgleichen Weltbild einen akzeptierten Anstrich zu verpassen. Seit Thilo Sarrazin wissen wir: Rassismus ist bis tief hinein ins Bürgertum salonfähig, nur der sprachliche Code ist ein anderer. Unter Petry wird die Tonalität radikaler, letztlich muss dies der AfD nicht schaden. Längst ist selbst die SPD in der Asylpolitik nach rechts gerückt. Für kleinbürgerliche Unterstützer der Pegida-Bewegung ist das ein Signal, dass ihre Forderungen berechtigt sein könnten. Für die rechtspopulistische AfD entsteht somit ein idealer Nährboden. neues deutschland

Eine Partei zu gründen, ist nicht schwer, sie zu etablieren umso mehr. Bernd Lucke hat am Wochenende nichts anderes erlebt als vor mehr als zehn Jahren der Hamburger Rechtspopulist Ronald Schill oder zuletzt die Piraten: Im Rausch der ersten Erfolge hat auch die Alternative für Deutschland begonnen, sich zu überschätzen, sie hat Menschen angezogen, die in anderen Parteien aus guten Gründen nie reüssiert hätten, und sich in Personaldebatten verhakt, die auch den wohlwollendsten Wähler verschrecken. Von Rudi Wais Badische Neueste Nachrichten

Keine Alternative mehr

Etwas Gutes hat der Essener Parteitag der AfD ja: Jetzt wissen alle, woran sie sind. Die AfD rückt noch weiter nach rechts; sie ist islamfeindlich, nationalistisch, schürt den Fremdenhass und lehnt den Euro ab. Sie will ein anderes Deutschland, ein anderes Europa. Mitglieder, die noch mit etwas Vernunft gesegnet sind, die sich als Anhänger der Realpolitik sehen, werden die Partei nun verlassen. Die AfD ist keine Alternative mehr für Deutschland.

Bernd Lucke hat den rechten Flügel und dessen Frontfrau Frauke Petry unterschätzt. Weil er es versäumte, die nationalkonservativen Kräfte frühzeitig zu bändigen, muss er nun seinen Hut nehmen und sich von seiner Nachfolgerin als „Galionsfigur der Gründerzeit“ (bedeutet: Du bist von gestern) demütigen lassen.

Lucke wird nun wahrscheinlich eine neue Partei gründen – damit kennt er sich ja aus. Wäre er so konsequent, wie er das in seinen frühen Reden von anderen Politikern immer gefordert hat, müsste er nun auch seinen Sitz im Europaparlament abgeben; für die AfD neuer Couleur kann er dort jedenfalls nicht mehr sprechen.

Klarheit schafft Verständnis, das ist das einzige positive Signal von Essen. Die AfD wird sich weiter radikalisieren. Die AfD ist unwählbar! Von Martin Korte Westfalenpost

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