Angeschlagen: Seehofer verpasst einen würdigen Abgang

Mia san Mia

Markus Söder hat den Machtkampf mit Horst Seehofer gewonnen. Er wird bald der nächste Ministerpräsident von Bayern sein. Und Seehofer kann sich nur an der Macht halten, weil er sie mit dem 18 Jahre jüngeren Söder teilt. Söder Regierungschef, Seehofer Parteichef. Eine Doppelspitze, die wenig Harmonie verspricht.

Angeschlagen: Seehofer verpasst einen würdigen Abgang

Eine Fortsetzung der erbitterten Auseinandersetzung aber würde den Erfolg der CSU bei der Landtagswahl in einem Jahr gefährden. Und nichts fürchtet die Regionalpartei so sehr wie den Verlust der absoluten Mehrheit in Bayern. Deswegen wollen sich jetzt alle zusammenreißen und die Lehre aus dem missratenen Bundestagswahlkampf ziehen. Monatelang stritt sich Seehofer mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Flüchtlingspolitik. Erst nach der Wahl fanden sie eine gemeinsame, für beide tragfähige Linie – als die Union so viele Wähler wie noch nie verloren hatte. Seehofer hat sich immer gern als bayerischer Löwe bezeichnet. Nun ist der Löwe angeschlagen. Es sieht nach dem Anfang vom Ende der Ära Seehofer aus. Rheinische Post

Lage in der CSU

Macht ist immer gefährlich. Besonders dann, wenn man ihr zu sehr vertraut. Horst Seehofer unterlag trotz jahrzehntelanger politischer Erfahrung in den höchsten Ämtern dieser Fehleinschätzung. Als er im April verkündete, wieder als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2018 antreten zu wollen, vermittelte er die Botschaft: Ohne mich geht es nicht. Zu diesem Zeitpunkt schien der leidige Streit mit Kanzlerin Merkel über eine Obergrenze ausgestanden, die Umfragewerte waren hervorragend, ein Wahlerfolg schien ausgemacht. Das war ein Trugschluss. Seehofer hätte damals einen würdevollen Abgang und eine geordnete Übergabe der Macht noch organisieren können, ja, vielleicht sogar seinen Intimfeind Söder übergehen können. Doch das Festklammern an der Macht nach der Wahlniederlage und das Gezerre um seine Posten haben ihn den würdevollen Abgang gekostet.

Dass er nun noch Parteichef bleiben möchte, ist persönlich nachzuvollziehen, macht es aber für die CSU nicht leichter. Zumal Seehofer dann ausgerechnet für Söder Wahlkampf machen muss. Den Mann, den er jahrelang sowohl öffentlich als auch hinterrücks mit allen Mitteln bekämpft hat. Seehofers Schwäche ist die Stärke des Neuen an der Spitze des Freistaats. Der ehrgeizige Finanzminister Söder ist bislang nicht für seine diplomatische Art bekannt. Er hat aber klug taktiert, ist nicht zu früh nach vorne geprescht, hat im entscheidenden Moment zugeschlagen. Es ist nun an ihm, die zerrissene Partei zu einen, sich Seehofers bundespolitische Erfahrung zunutze zu machen und die Querschüsse einzustellen. Denn wenn sich die Partei weiter so benimmt, dann werden sich womöglich noch mehr Wähler für eine Alternative entscheiden. Liegt diese rechts von der CSU, wäre das nicht nur für Bayern ein Fiasko. Kerstin Münstermann – Westfalenpost

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Der brillanteste und schärfste Kritiker, den die CSU je hatte, war vermutlich der Zeitungsredakteur Herbert Riehl-Heyse, eine Ikone der schreibenden Zunft, geboren in Altötting (!), leider allzu früh verstorben: „CSU – Die Partei, die das schöne Bayern erfunden hat“, so der Titel eines seiner Werke. Und wem das „mia san mia“ des ruhmreichen FC Bayern griffiger erscheint – für die CSU gilt es allzumal. Selbstredend gilt für die CSU auch: Nichts ist fataler als Misserfolg. Gerade die Politik kennt keine Gnade. Da gilt das darwinistische – manche sagen animalische – Prinzip: Wenn das Rudel merkt, dass der alte Alphawolf müde wird und ihm der rechte Biss nicht mehr zugetraut wird, dann muss ein neuer junger Alphawolf her. Der führt dann notfalls alleine, wenn partout keine Alphawölfin zur Verfügung steht.

Und so wird Markus Söder nun bayerischer Ministerpräsident, und die Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, einst hoch, mutmaßlich zu hoch gehandelt, bleibt eine freundliche Politikerin. Das ist für sie wahrscheinlich weniger schlimm als für hartgesottene Feministinnen. Die CSU will sich angesichts bevorstehender GroKo-Verhandlungen nicht durch Selbstquälerei lähmen und vor allem die Macht in Bayern verteidigen. Da wird der Groll Seehofers gegen Söder unwichtig – wenn es diesen Groll überhaupt wirklich gibt. Dass er bloß ein PR-Gag ist, wäre den beiden Bazis zuzutrauen. Söder muss nun liefern. Bei Schmutzeleien sollte er auf die Finger bekommen. Eine CSU-Alleinregierung muss wahrhaftig nicht sein, aber der Freistaat muss verlässlich regiert werden. Denn Bayern ist, da würden auch ärgste CSU-Gegner nicht widersprechen, für die Republik systemrelevant. Reinhard Breidenbach – Allgemeine Zeitung Mainz

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