Bütikofer rät Grünen von eigenem Kanzlerkandidaten ab

RTL/n-tv-Trendbarometer / FORSA-AKTUELL: 67 Prozent der Deutschen wollen, dass Merkel Kanzlerin bleibt - Falls sie früher gehen sollte, befürworten 56 Prozent Neuwahlen

Bütikofer rät Grünen von eigenem Kanzlerkandidaten ab

Der frühere Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer hat seiner Partei trotz der hohen Umfragewerte von einem eigenen Kanzlerkandidaten bei der nächsten Bundestagswahl abgeraten. „In Bayern haben wir im Landtagswahlkampf bewiesen, dass es nicht darauf ankommt, ob man einen Ministerpräsidenten-Kandidaten hat, um die Alternative zur CSU zu sein“, sagte Bütikofer der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. „Wir streben Grüne-Mehrheitsfähigkeit wie in Baden-Württemberg an. Und in Baden-Württemberg sagte Kretschmann 2011: ,Das Amt muss zum Manne komme‘. Von mir aus auch zur Frau“, sagte Bütikofer.

Der Europa-Politiker fügte hinzu: „Wir werden kein Wiedergänger der Westerwelle-FDP sein, der mit der Umfragezahl 18 oder irgendeiner anderen Zahl auf der Schuhsohle angibt.“ Die Grünen wollten „ein Kraftzentrum“ in der parteipolitischen Landschaft werden und definierten sich schon lange nicht mehr als „Bindestrichpartei in Abhängigkeit von möglichen Koalitionspartnern“. Bütikofer: „Vor 20 Jahren waren wir das Beiboot, inzwischen fahren wir nach eigenem Fahrplan. Ob wir tatsächlich ein Dickschiff werden können, müssen wir sehen.“ Für den Fall eines Bruchs der großen Koalition sprach sich Bütikofer gegen eine grüne Regierungsbeteiligung ohne vorherige Neuwahl aus. „Die Berliner Regierungspolitik besteht schon viel zu lange im Wesentlichen aus schlecht orientiertem Durchwurschteln. Das sollte man nicht auch noch über das Ende der Regierungszeit Merkel verlängern.“¹

Sympathiezuwachs für Merkel, Stimmungsdelle für AKK

Angela Merkel soll Bundeskanzlerin bleiben. Im aktuellen RTL/n-tv-Trendbarometer äußern zwei Drittel der Wahlberechtigten (67%) den Wunsch, dass sie bis zum Ende der Legislaturperiode im Herbst 2021 regiert. Nur 29 Prozent der Befragten wollen, dass die Regierungschefin vorzeitig geht. Damit ist der Wunsch der Bundesbürger, Merkel als Kanzlerin zu behalten, seit dem Februar 2018 um 12 Prozentpunkte gestiegen. Nach dem damaligen Ende der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU, CSU und SPD wollten „nur“ 55 Prozent der Deutschen, dass Merkel bis 2021 im Amt bleibt. Die größte Zustimmung erhält Merkel bei den Anhängern von CDU und Grünen (je 80%) sowie der SPD (78%). Auch die Anhänger von Linken und FDP stehen mehrheitlich hinter Merkel (je 73%). 68 Prozent der CSU-Anhänger wollen ebenfalls, dass sie die Regierungsgeschäfte bis zum Schluss führt. Lediglich die Anhänger der AfD sind mehrheitlich (75%) für eine vorzeitige Ablösung.

Sollte Merkel das Kanzleramt früher aufgeben, wären 39 Prozent der Wahlberechtigten für Annegret Kramp-Karrenbauer, 28 Prozent für Friedrich Merz und 33 Prozent für keinen von beiden als Nachfolger aus den CDU-Reihen. Dass „AKK“ und nicht Merz die Merkel-Nachfolge antritt wollen vor allem die Anhänger der Linkspartei (60%) und der Grünen (56%) sowie der CDU (52%), der SPD (49%) und der CSU (44%). Merz hat seine stärkste Unterstützung bei den Anhängern der AfD (53%).

Beim Kanzlerduell mit den derzeit denkbaren SPD-Kontrahenten Andrea Nahles und Olaf Scholz hat Annegret Kramp-Karrenbauer in dieser Woche 2 Prozentpunkte verloren. Nahles kann um 2 (auf 14%), Scholz um einen Prozentpunkt (auf 22%) zulegen. Trotz ihres Sympathierückgangs hat „AKK“ immer noch einen deutlichen Vorsprung – sie liegt 28 Prozentpunkte vor Nahles und 16 Prozentpunkte vor Scholz.

Wenn Angela Merkel vor Ablauf der Amtszeit zurücktreten sollte, wären 56 Prozent der Deutschen für Neuwahlen. 17 Prozent wären für eine „Jamaika“-Koalition (Union, FDP und Grüne), 12 Prozent würden eine Fortsetzung der „Großen Koalition“ bevorzugen und 8 Prozent plädieren für eine Minderheitsregierung aus CDU, CSU und Grünen.

forsa-Chef Prof. Manfred Güllner gegenüber der Mediengruppe RTL: „Anders als 1998, als viele sich wünschten, Kohl wäre nicht mehr Kanzler, ist 2019 von einer ähnlichen ‚Merkel-Dämmerung‘ nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil: Angesichts der krisenhaften Entwicklungen in der Welt sieht heute die Mehrheit der Bundesbürger keine Alternative zu Merkel. Merkel wird zudem nach dem Verzicht auf den CDU-Vorsitz als eher über den Parteien stehende ‚Präsidentenkanzlerin‘ wahrgenommen.“²

¹Rheinische Post ²RTL/n-tv-Trendbarometer – Mediengruppe RTL Deutschland

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