Bundesjustizministerin fordert schnelleres Sperren gehackter Konten

"Sicherheitsgurte" und "Streifenpolizisten" für das Internet

Bundesjustizministerin fordert schnelleres Sperren gehackter Konten

Die Republik ist aufgeschreckt: Wieder einmal machen Hacker Schlagzeilen mit der Veröffentlichung von privaten Daten. Diesmal sind über tausend Prominente betroffen, darunter viele Politiker. Entsprechend wird der Ruf nach mehr Sicherheit im IT-Bereich als Reaktion auf den Datenklau lauter. Neben den Betreibern der Sozialen Netzwerke werden auch der Gesetzgeber und das zuständige Bundesamt aufgefordert zu handeln. Denn: Auch wenn es dieses Mal überwiegend Personen des öffentlichen Lebens sind, deren Daten gehackt wurden, scheint grundsätzlich niemand vor den Attacken der Hacker gefeit.¹

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) hat Internetanbieter wie soziale Netzwerke dazu aufgefordert, geknackte Nutzerkonten schneller zu sperren. „Die Plattformen müssen die Accounts, über die Hacks verbreitet werden, sofort sperren“, sagte Barley der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. „Wenn Accounts von Hackern gekapert werden, müssen ihre Inhaber sie schnellstens zurückerlangen können“, sagte Barley und brachte neue Vorschriften ins Gespräch. Hier prüfe man, wie die Plattformen stärker in die Pflicht genommen werden könnten, so die Ministerin. Zudem forderte sie mehr Transparenz im Netz. „Wir brauchen zudem ein europaweit gültiges IT-Sicherheits-Gütesiegel, damit Nutzer vertrauenswürdige Angebote direkt erkennen können“, sagte Barley.

Grünen-Digitalisierungsminister fordert „Sicherheitsgurte“ und „Streifenpolizisten“ für das Internet

Schleswig-Holsteins Minister für Digitalisierung, Jan Albrecht (Grüne), fordert angesichts des umfangreichen Datendiebstahls bei Politikern und Prominenten „Sicherheitsgurte“ und „Streifenpolizisten“ für das Internet. „Die Informationssicherheit muss klar geregelt, eingerichtet und der Verstoß dagegen sanktioniert werden. Der Sicherheitsgurt im Auto war auch einst umstritten“, sagte er. Es sei schlecht, dass die Politik bei solchen Skandalen komplett abhängig davon sei, wie schnell und effektiv Twitter und Facebook mit Sperrungen von Accounts und Löschungen sensibler Daten reagierten. Nötig sei ein beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und den Ermittlungsbehörden angesiedeltes eigenes Ermittlungs- und Analysepersonal mit direkten Durchgriffsmöglichkeiten bei Anbietern wie Twitter.

Außerdem müssten auch technisch nicht versierte Nutzer in die Lage versetzt werden, Mindeststandards einzuziehen. Die Politik müsse das durchsetzen. „Jeder muss fit gemacht werden, in dieser Welt geschützt zu bestehen. Dazu gehört auch, dass es eine Art Konfliktmanager und Streifenpolizisten im sozialen Netz gibt.“ In der Anonymität benähmen sich viele Menschen anders als „draußen“. Da urinierten sie dem Nachbarn auch nicht in den Vorgarten. Jetzt zeige sich das große Versäumnis der Bundesregierung, dass sie kein eigenes Digitalisierungsministerium gebildet habe. „Die Bundesregierung müsste vorangehen, sie läuft aber nur hinterher.“²

¹phoenix-Kommunikation ²Rheinische Post

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