Bundeswehr Flinte G36 nicht in Bausch und Bogen verdammen

Nachtwei-Kommission nimmt Gefechte unter die Lupe

Bundeswehr Flinte G36 nicht in Bausch und Bogen verdammen

Einen Bonus für die deutsche Rüstungsindustrie kann sich die Bundeswehr nach den Worten von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nicht leisten. „Das hieße ja, mehr zahlen für schlechtere Qualität“, sagte sie der in Essen erscheinenden Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ, Samstagausgabe). Die Bundeswehr forderte Topqualität und halte sich die Option offen, global einzukaufen. „Die Bundeswehr kauft gerne deutsche Produkte, aber sie müssen einem Preis-Leistungs-Vergleich standhalten“, sagte die Ministerin.

G36 Heckler & Koch

Zugleich rechtfertigte sie, dass der Waffenhersteller Heckler & Koch nicht an der Prüfung des Gewehrs G36 beteiligt worden sei. „Es stand der Vorwurf im Raum, dass Kritik aus der Truppe am Gewehr nicht ernsthaft verfolgt würde“, sagte sie. Deswegen habe sie bewusst auf eine breite Untersuchung mit neutralem Sachverstand gesetzt. Sie bitte aber darum, „das Gewehr jetzt nicht in Bausch und Bogen zu verdammen“. Es sei in Zeiten des kalten Kriegs entwickelt und vor fast 20 Jahren beschaffen worden. „An Einsätze in feuchten und heißen Gefilden hat man damals nicht gedacht“, fügte die Ministerin hinzu. Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Externe Experten sollen Fragen rund um den Beschaffungsprozess klären

Für den 17. April wird der technische Abschlussbericht zum von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im Sommer 2014 beauftragten Gesamtgutachten von Bundesrechnungshof, Ernst-Mach-Institut der Fraunhofer Gesellschaft, Wehrtechnischer Dienststelle 91, Wehrwissenschaftlichem Institut für Werks- und Betriebsstoffe über die in den vergangenen Monaten stattgefundenen umfangreichen Untersuchungen zum G36 erwartet. Im Anschluss daran sollen zwei Expertenteams unter unabhängiger Führung die Auswirkungen der G36-Untersuchungen umfassend aufarbeiten.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat zwei Untersuchungsaufträge zur Aufarbeitung der offenen Fragen rund um die mehr als 20 Jahre umfassende Historie von Beschaffung und Nutzung des G36 in der Bundeswehr erteilt. Eine Kommission unter dem Vorsitz des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Winfried Nachtwei soll der schwierigen Frage nachgehen, ob durch mögliche Probleme des G36 bei besonderen Vorkommnissen in den Einsätzen in der Vergangenheit Soldatinnen und Soldaten in den Einsätzen zu Schaden gekommen sind. Parallel dazu soll ein Team von Sachverständigen unter Leitung des langjährigen Chefs der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, Klaus-Peter Müller, eine Organisationsstudie erstellen, die anhand des G36 der Frage nachgeht, ob es strukturelle Schwachstellen im Management der Großorganisation Bundeswehr gibt.

Nachtwei-Kommission nimmt Gefechte unter die Lupe

Die Kommission unter dem Vorsitz des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Winfried Nachtwei hat den Auftrag, sich der der schwierigen Frage zu nähern, ob durch mögliche Probleme des G36 in bestimmten Szenarien in der Vergangenheit Soldatinnen und Soldaten in den Einsätzen zu Schaden gekommen sind. Mitglied der Kommission soll der derzeitige Wehrbeauftragte Helmut Königshaus sein. Zuarbeiten sollen ein Experte für technische Fragen sowie ein Sachverständiger für taktisch operative Aspekte in Bezug auf konkrete Einsatzszenarien. Auftrag des Gremiums ist die alten Berichte im Lichte der neuen Erkenntnisse nochmals zu analysieren und gegebenenfalls Befragungen der damals Beteiligten durchzuführen. Derzeit werden alle verfügbaren Unterlagen zusammengestellt. Die Kommission soll direkt im Anschluss an die Finalisierung der technischen Untersuchungen zum G36 und der Amtübergabe an den neuen Wehrbeauftragten im Mai die Arbeit aufnehmen.

Klaus-Peter Müller beaufsichtigt Erstellung der Organisationsstudie

Die Leitung des Expertenteams zur Organisationsstudie soll Klaus-Peter Müller (Aufsichtsvorsitzender Commerzbank AG) übernehmen. Die Ergebnisse der Studie sollen insbesondere auch in die laufende Modernisierung des Beschaffungswesens einfließen. Die Methodik der Organisationsuntersuchung wird sich deshalb eng an die bewährte Herangehensweise des Rüstungsgutachtens vom vergangenen Sommer über die wichtigsten Großvorhaben anlehnen. Dabei soll vor allem die organisatorische Perspektive betrachtet werden. Um sowohl die Unabhängigkeit, als auch die rasche Arbeitsfähigkeit der Sachverständigengruppe zu gewährleisten, soll schnellstmöglich ein externer Dienstleister mit der notwendigen Organisations- bzw. Rüstungsexpertise beauftragt werden. Im Anschluss wird das Expertenteam alle verfügbaren Unterlagen dieses Beschaffungsprozesses sichten und Interviews mit den am Prozess Beteiligten führen. Ziel ist es, innerhalb von voraussichtlich drei Monaten einen umfassenden Bericht mit den Ergebnissen, und konkreten Empfehlungen für die zukünftige Organisation vorzulegen.

Klaus-Peter Müller verfügt über umfassende Managementerfahrung in einer Großorganisation. Als langjähriger Chef der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex genießt er hohe persönliche Integrität und Glaubwürdigkeit auf dem Gebiet guter Unternehmensführung. Als Aufsichtsratschef der Commerzbank AG ist Klaus-Peter Müller Experte darin, Prozesse des aktiven Managements kritisch zu hinterfragen. Er hat sich zudem viele Jahre für den Erfahrungsaustausch von Führungskräften zwischen Bundeswehr und Privatwirtschaft eingesetzt. Quelle: Bundeswehr

DasParlament

2 Antworten zu "Bundeswehr Flinte G36 nicht in Bausch und Bogen verdammen"

  1. Tom   Montag, 13. April 2015, 21:45 um 21:45

    Die von der Leyen tickt doch langsam nicht mehr richtig ! Auf der ganzen Welt lacht man über uns, diese Frau hat auf dem Posten absolut nichts zu suchen!!!

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  2. ex_pyx   Montag, 13. April 2015, 17:11 um 17:11

    Das Gewehr der Soldatin (?) ist übrigens ein wunderbares M16. Gewehr der amerikanischen Streitkräfte, hergestellt in des USA.

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