Christian Lindner verschafft der FDP ein Comeback

Die FDP ist wieder da

Schwur ist ein starkes Wort. Wenn es fällt, hat sich einer entschieden. Auf Leben und Tod. FDP-Chef Christian Lindner erzählt beim Parteitag, was er sich 2013 geschworen hat: „Das letzte Bild der Geschichte der FDP wird nicht der Jubel der Grünen über unser Ausscheiden sein.“ Diese Reaktion des politischen Konkurrenten im Moment ihrer größten Niederlage steckt den Liberalen noch in den Knochen.

Christian Lindner verschafft der FDP ein Comeback

Um so lauter fällt ihr Applaus für Lindner aus, der damit die viel beschworene Seele der Partei trifft. Er hat die FDP systematisch wieder aufgebaut. Und es war wahrlich ein weiter Weg vom „Alles vorbei“-Gefühl zum „Alles ist möglich“ der Liberalen. 3500 neue Mitglieder allein seit Jahresbeginn: Die Stimmung im Wahljahr ist ideal, die Umfragewerte sind es noch nicht. Die FDP kam durch Häutungen zurück zur Wählbarkeit. Das eröffnet CDU wie SPD neue Optionen. Sie sollten sich darauf einstellen, dass die FDP so günstig wie früher vorerst nicht zu haben sein wird, dann doch lieber in die Opposition geht. Aber auch da hat man die FDP vier Jahre schmerzlich vermisst. Gregor Mayntz – Rheinische Post

Das Jahr 2017 entscheidet über die Zukunft der FDP: Wird es den Freien Demokraten im Herbst gelingen, in den Deutschen Bundestag zurückzukehren? Im Mai ist erst einmal oberstes Ziel, sich bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen eine gute Ausgangsposition zu verschaffen. Der 68. Bundesparteitag der FDP in Berlin steht ganz im Zeichen des Superwahljahres. Am Freitag steht der Vorstand um Christian Lindner zur Wahl, am Samstag wird über das Programm diskutiert, das die Rückkehr auf die große politische Bühne bringen, und die FDP als Partei der „vernünftigen Mitte“ positionieren soll.

Im größten Bundesland Nordrhein-Westfalen wollen die Freien Demokraten am 14. Mai zunächst drittstärkste Kraft werden. Ihr Spitzenkandidat Christian Lindner hat allerdings bereits angekündigt, seine Zukunft im Bund zu sehen. Ein Ministeramt in NRW hat der Spitzenkandidat des größten Bundeslandes kategorisch ausgeschlossen. Nun gilt es erst einmal, die Delegierten auf dem Bundesparteitag zu überzeugen.

phoenix berichtet ausführlich vom FDP-Bundesparteitag aus dem Berliner Kongresszentrum „Station“. Durch die Sendung führt Moderator Michael Kolz. Reporterin Inge Swolek berichtet live aus der „Station“ Berlin. phoenix-Kommunikation

Christian Lindner hat das geschafft, was die Wenigsten 2013 für möglich hielten. Er hat die FDP nach der großen Wahlschlappe bis heute im Bewusstsein der Wähler gehalten. Große Hilfe hat er dabei von Vize Wolfgang Kubicki erhalten, dem schillernden Fraktionsvorsitzenden aus Kiel, dem nur wenige die zuverlässige Kärrnerarbeit zugetraut hätten.

Lindner hat in den letzten vier Jahren der Versuchung widerstanden, mit der AfD um Wähler zu konkurrieren. Während er vor allem als Wirtschaftsliberaler auftritt, Freiheit als Eigenverantwortung und Chancengleichheit als Bildungszugang definiert, bedient sein Vize Kubicki den sozialliberalen Flügel mit der Betonung der Freiheits- und Bürgerrechte. In Rheinland-Pfalz regiert die FDP munter und durchaus erfolgreich in einer Ampel mit SPD und Grünen, im Bund steht sie der Union näher. Mit Lindner und Kubicki hat die FDP die demografische Gefahrenzone verlassen und gute Aussichten für die Landtagswahlen in Kiel und Düsseldorf.

Für die Bundestagswahl aber kann sie sich ihrer Sache noch nicht ganz sicher sein, denn zurzeit blickt alles auf das Duell Merkel-Schulz, die kleinen Parteien rücken in den Hintergrund. Die FDP kann jedoch mit einiger Berechtigung auf das Wunder hoffen, in den Bundestag zurückzukehren. Schwäbische Zeitung

Motiviert, kampfeslustig, auf dem Weg nach oben: So sieht sich die FDP offenbar selbst. Das gute Ergebnis Christian Lindners beim Parteitag scheint das zu bestätigen. Doch betrachtet man die Liberalen genauer, muss man feststellen: Sie bieten vor allem Wahlkampf – und wenig Neues. Vier Jahre war die FDP in der Außerparlamentarischen Opposition, aber sie hat sich in dieser Zeit weder inhaltlich noch personell erneuert. Getragen wird die neue Euphorie vor allem von Lindner selbst – einer Art Martin Schulz der Liberalen. Sicher: Lindner ist ein versierter und zäher Wahlkämpfer. Aber im Kern hat er nur wenig zu bieten: viel pointierte Kritik an Linken wie Konservativen, etwas Digitalisierung – nicht gerade das drängendste Problem -, den alten Wahlkampfschlager Steuersenkungen und eine irritierende Prise Nationalismus, wenn es um das Singen der Nationalhymne geht. Zudem steht Lindner vor einem Dilemma: Nach der Wahl wird er wohl entweder mit SPD und Grünen koalieren und dabei einige Zugeständnisse machen müssen – oder er geht in die Opposition. Und das ist auch das Problem der FDP. Nach der verpassten Erneuerung fehlt es ihr an einem klaren Ziel und inhaltlicher Substanz. Im Wahlkampf aber werden ein charismatischer Anführer und das Schimpfen auf die Anderen alleine nicht ausreichen. Rhein-Neckar-Zeitung

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