Das Drama um die Selbsttests

Teststrategie: mehr Corona-Tests - mehr Freiheiten?

Das Drama um die Selbsttests

Endlich hat das zuständige Bundesamt auch in Deutschland Corona-Schnelltest zum Selbermachen zugelassen. Drei aus einer langen Reihe von Produkten haben die Gnade der Beamten des Bundesgesundheitsministers gefunden. Immerhin, könnte man sagen. Oder auch: Warum erst jetzt? Und warum nicht noch andere?

Wieder muss sich die Bundesregierung fragen lassen, ob ihre Bürokratie den Ernst der Lage erkannt hat. Natürlich muss ein Medizinprodukt bestimmte Standards erfüllen. Aber die Risiken, die von nicht zu 100 Prozent wirksamen Selbsttests ausgehen, sind im Vergleich zum zunehmend existenzgefährdenden Lockdown wirklich zu vernachlässigen. Die Alternative sind nicht perfekte Tests, sondern gar keine.

Es fehlt an einer Strategie, wie man Selbsttests nutzen kann, um neben Schulen und Kitas auch andere gesellschaftliche Bereiche zu öffnen. Nicht überall ist medizinisch geschultes Personal zur Hand, um die Schnelltests abzunehmen, die eben nicht jeder selbst anwenden darf. Darum braucht es sehr schnell Regeln, wie mit positiven Selbsttests umzugehen ist und für welche Sektoren ein negativer Test verlangt wird.

Die Berliner sind leider auch ein Verlierer der Zulassung. Die Test-Kitts, die Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci millionenfach anschaffte in der Hoffnung, sie als Selbsttests breit einsetzen zu dürfen, wurden noch nicht für den Laien-Einsatz erlaubt. Die Tests können immerhin geschulte Pädagogen in den Schulen und Kitas anwenden. Aber es rächt sich, auf nur ein Pferd gesetzt zu haben. Jetzt muss sich Berlin mit allen anderen Ländern um die wenigen zugelassenen Selbsttests balgen.¹

Ein schneller, negativer Corona-Test vor den Toren der Stadt und dann rein ins City-Vergnügen: entspannt bummeln, shoppen, im Café sitzen. Für viele Menschen ein Traum – für viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister im Land ein Muss. Denn nur mit einer umfassenden Schnelltest-Strategie und der Öffnung von Handel, Gastronomie und Kultur könnten Innenstädte gerettet werden. Testen gegen den Lockdown, solange der Impfstoff knapp ist? Auch deshalb verspricht die Bundesregierung ab März Millionen von kostenlosen Tests für Bürgerinnen und Bürger. Doch Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) bremst: Die Tests reichten nicht für alle, die Kosten seien sehr hoch. Agiert der grüne Minister bei der neuen, nationalen Teststrategie zu zögerlich? Oder weckt der Bund mit der Ankündigung von Gratistests und Öffnungsperspektiven Hoffnungen, die er am Ende nicht einlösen kann? ²

¹Joachim Fahrun – Berliner Morgenpost ²SWR – Südwestrundfunk

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