Flüchtlinge schneller in den Arbeitsmarkt integrieren

"Asylverfahren darf keinen Lebensstillstand bedeuten"

Flüchtlinge schneller in den Arbeitsmarkt integrieren

Eine aktuelle Kleine Anfrage der LINKEN (Drs.18/4643) ergab, dass im ersten Quartal 2015 die Anerkennungsquote bei inhaltlichen Entscheidungen der Behörden über Asylanträge bei 50,4 Prozent lag. Hinzu kommen mit noch einmal 10 Prozent an Anerkennungen durch die Gerichte. Dies bedeutet, dass die Mehrzahl der Schutzsuchenden längere Zeit oder dauerhaft in Deutschland bleiben werden. Auf diese Realität gilt es durch frühzeitige Integrationsangebote bereits während des Asylverfahrens einzugehen.

Ulla Jelpke: Lange Asylverfahren behindern Integration von Flüchtlingen

Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer in Asylverfahren lag im 1. Quartal 2015 bei 5,1 Monaten – das jedoch nur, weil in dieser Zahl die sogenannten priorisierten Verfahren, beispielsweise für Flüchtlinge aus dem zu sicheren Herkunftsstaaten erklärten Westbalkan, erfasst sind. Nicht priorisierte Normalverfahren, für Asylsuchende aus Afghanistan, Pakistan und vielen anderen Ländern, dauern dagegen im Durchschnitt immer noch deutlich über ein Jahr. DIE LINKE

Es geht nicht darum, Flüchtlinge gegeneinander auszuspielen und nach Kategorien zu unterteilen, sondern einzig und allein darum, den wirklich politisch Verfolgten den Schutz zu gewähren, den sie brauchen. Die Not und das Elend auf der Welt sind groß, die Hilfsbereitschaft und Solidarität der Deutschen ebenso – aber nur, wenn gewährleistet ist, dass dies nicht ausgenutzt wird. Der Blick ins Grundgesetz ist eindeutig: „Politisch Verfolgte genießen Asylrecht“, heißt es in Artikel 16a. Nicht-Verfolgte aber nicht. Badische Neueste Nachrichten

Die Arbeitgeber sowie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) drängen in der Diskussion um die Integration von Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt auf Gesetzesänderungen.

DIHK fordert schnellere Asylverfahren, Spracherwerb und die rasche Ermittlung der Qualifikationen

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Mittwoch): „Wir wollen, dass sich Menschen, die voraussichtlich längere Zeit bei uns bleiben, ihren Lebensunterhalt zügig eigenständig sichern und den Sozialleistungsbezug beenden können.“ Dazu wäre es nach den Worten von Kramer „sinnvoll, Asylsuchenden spätestens ab dem sechsten Monat eine Beschäftigungsaufnahme ohne Vorrangprüfung zu erlauben. Geduldete sollten ab Erteilung der Duldung ohne Vorrangprüfung erwerbstätig sein dürfen.“ Mit der Prüfung wird bis zum 15. Aufenthaltsmonat eines Flüchtlings geprüft, ob es nicht auch einen gleichqualifizierten deutschen Bewerber für eine zu besetzende Stelle gibt.

Kramer forderte zudem bessere Ausbildungsmöglichkeiten. Viele junge Menschen, die als minderjährige Flüchtlinge nach Deutschland kommen, seien besonders motiviert, eine Ausbildung zu absolvieren. Gerade für sie dürfe das Asylverfahren keinen Lebensstillstand bedeuten. „Hier sollte der Gesetzgeber nachbessern: Für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge brauchen wir einen humanitären Ausbildungsaufenthalt, der ihnen den Abschluss einer dualen Ausbildung rechtssicher ermöglicht.“ Zudem muss nach Ansicht des Arbeitgeberpräsidenten sichergestellt werden, dass jugendliche Asylbewerber und Geduldete, die bereits eine Ausbildung begonnen haben, diese auch abschließen können. Das sei im beiderseitigen Interesse der Auszubildenden und der Arbeitgeber.

Auch der DIHK hat sich dafür ausgesprochen, Flüchtlingen, die länger bleiben, den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern. „Viele Flüchtlinge bringen Qualifikationen mit, die in deutschen Unternehmen gefragt sind“, sagte Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Mittwoch). Richtig sei aber auch, dass ein großer Teil von ihnen sich wegen geringer Qualifikationen und mangelnder Deutschkenntnisse schwertue. Nötig sei daher eine Strategie aus drei Kernelementen, die schnellere Asylverfahren, schnelleren Spracherwerb und die rasche Ermittlung der Qualifikationen der Migranten beinhalte. „Das verschafft den Betrieben die nötige Klarheit“, sagte Dercks. Neue Osnabrücker Zeitung

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