Fukushima mahnt: Risiko-Reaktoren abschalten

Energiewende kommt nur schleppend voran

Fukushima mahnt: Risiko-Reaktoren abschalten

Deutschland hat eilig Konsequenzen aus diesem Unglück gezogen – und wird dafür von einigen Nationen bewundert, von anderen belächelt, von weiteren bemitleidet. Im eigenen Land ist der Begriff Energiewende mittlerweile negativ besetzt. Die Wende kam zu schnell, die Kosten treffen gefühlt vor allem die Verbraucher, die Energiekonzerne haben nicht schnell genug reagiert und müssen nun die Folgen tragen.

Energiewende: Keine Alternative

Zahlreiche Probleme, zum Beispiel die Routen der Stromtrassen, sind noch nicht geklärt. Wind und Sonne liefern zwar sauberen Strom, aber eben nicht verlässlich und nicht genug. Und zu allem Übel spüren wir in diesen Tagen wieder, wie wenig wirkungsvoll ein nationaler Alleingang ist: Die Störfälle in den grenznahen Anlagen in Belgien und Frankreich häufen sich; und auch in Osteuropa stehen Atomkraftwerke, die das Adjektiv modern nicht verdienen. Trotzdem: Merkels Entscheidung vor fünf Jahren war mutig und richtig. Wir brauchen Geduld, wir sind ein Vorbild. Und die Alternative ist eine tödliche Risikotechnologie, die wir nicht bändigen können. Martin Korte Westfalenpost

Vage Hoffnung

Die Energiepolitik der französischen Regierung ähnelt dem Gänseblümchenspiel. Der Unterschied: Das Abzupfen der Blütenblätter birgt ein um Welten geringeres Risiko, als die Frage: Schalten wir das älteste der 58 Atomkraftwerke ab oder nicht? Die Ankündigungen aus Paris lassen selbst nach jüngsten Enthüllungen um den schweren Störfall vor zwei Jahren noch reichlich zeitlichen Spielraum. Vieles spricht dafür, dass er ausgeschöpft wird. Bisher schreibt ein Gesetz dem französischen Staatskonzern EDF vor, dass eine seiner Atomanlagen abgeschaltet wird, wenn der neue Druckwasserreaktor an der Kanalküste in Betrieb geht. Seit 2007 wird dort gebaut. Jetzt soll die Kernspaltung 2018 starten. Bis 2020 kann dies jedoch auch dauern, hieß es schon. Zudem wechselt der Betreiber heuer die Brennelemente in Fessenheim. Kosten: 67 Millionen Euro.

Die gleiche Summe hat die EDF im Vorjahr in die Sicherheit des Alt-Kraftwerks investiert. Dass die EDF die Schwere des Störfalls vertuscht hat, wird in Paris ohnehin kein Umdenken erzeugen. Gleiches gilt für Proteste der Regierung in Berlin oder der deutschen Atomkraftgegner. Auch 16 Störfälle in den vergangenen sechs Jahren konnten dem Dinosaurier am Rhein nichts anhaben. Bleibt die große Hoffnung, dass bis zum endgültigen Aus nichts Schlimmes passiert. Gemessen an den gewaltigen Folgen eines schweren Unfalls hätte der Mängel-Meiler längst vom Netz gehen müssen. Südwest Presse

Energiewende kommt nur schleppend voran

Unmittelbar nach dem GAU in Fukushima am 11. März 2011 erließ die damalige Bundesregierung ein Atom-Moratorium und änderte im darauffolgenden Juni das Atomgesetz. Acht AKW gingen danach sofort vom Netz, die neun übrigen sollen schrittweise bis 2022 abgeschaltet werden. Die damalige schwarz-gelbe Koalition bestätigte und beschleunigte damit den Atomausstieg der rot-grünen Regierung von Gerhard Schröder aus dem Jahr 2000.

Doch die damals proklamierte Energiewende, die den Atomausstieg flankieren sollte, lässt auf sich warten. Statt zu beschleunigen wirft die Bundesregierung dem Ausbau Erneuerbarer Energien Knüppel zwischen die Beine: 2012 wurden die Rahmenbedingungen für Solarstrom deutlich verschlechtert, 2014 für die Bioenergie und 2016 soll es nun der Windenergie an den Kragen gehen.

Erneuerbare Energiequellen könnten die Atomkraft, die immer noch 15 Prozent des Stromverbrauchs deckt, bis 2022 mehr als ersetzen und somit darüber hinaus auch aktiv zum Klimaschutz beitragen. Jedoch sehen die Pläne der Bundesregierung lediglich einen Ausbau der Erneuerbaren Energien in Höhe von 9 Prozentpunkten bis 2022 vor, womit nicht einmal der Atomausstieg CO2-neutral ausgeglichen werden könnte.

BEE-Geschäftsführer Hermann Falk: „Der Atomausstieg ist erst zur Hälfte geschafft. Nur dank der Erneuerbaren Energien konnte der Wegfall der Atomkraftwerke klimaneutral gelingen. Die EEG-Novelle darf dies auf halber Strecke nun nicht abwürgen. Weltweit gesehen ist die Energiewende mittlerweile ein internationaler Wachstumsmarkt. Deutschland hat viele Nachahmer gefunden und wurde von Ländern wie Japan, China und den USA z.B. beim Ausbau der Solarenergie weit überholt. Die Investitionen in saubere Energien haben sich in den vergangenen zwölf Jahren weltweit verfünffacht und 2015 ein Rekordniveau von 329 Milliarden Dollar erreicht. Deutschland hat hier technologisch immer noch eine Führungsrolle, die von der Bundesregierung nicht weiter auf Spiel gesetzt werden sollte.“

Laut Bloomberg New Energy Finance müssten bis 2040 insgesamt 5,2 Billionen US-Dollar weltweit in Erneuerbare Energien investiert werden, um das alte Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Notwendig ist nach Ansicht der Finanzexperten vor allem eins: verlässliche politische Rahmenbedingungen. Bundesverband Erneuerbare Energie e.V.

DasParlament

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