G-7-Gipfel: Außer Spesen nichts gewesen

Was vom G-7-Gipfel in Elmau bleibt

G-7-Gipfel: Außer Spesen nichts gewesen

Nur mal kurz die Welt retten – ist es das, was man von einem solchen Gipfel erwartet? So naiv wird niemand ernsthaft sein. Die Tage von Elmau waren der sehr ehrenwerte und ernsthaft betriebene Versuch von sieben der weltweit wichtigsten Führungspersönlichkeiten, sich ihrer selbst und der wechselseitigen Loyalität zu versichern und die großen Linien festzuhalten. Ob das Ritual so pompös ausfallen muss, darüber lässt sich trefflich streiten.

Dass es aber etwas anderes und besseres ist, miteinander zu reden und sich in die Augen zu schauen, als bloß zu telefonieren, daran kann es keinen Zweifel geben. Mit persönlichen Begegnungen solcher Art hat Helmut Kohl einst wichtige Voraussetzungen für die Einheit Deutschlands und Europas geschaffen. Zu wissen, wo man steht, hilft selbst dann, wenn das Fazit nicht immer schmeichelhaft ausfällt. Die Standpunkte lassen sich ganz knapp so zusammenfassen: Fall Griechenland – inständiges Hoffen auf ein Wunder. Fall Russland – gespielte Härte. Islamistischer Terror – Ratlosigkeit. Klima, Gesundheit, Hunger in der Welt, Flüchtlinge – vage formulierter guter Wille, der dringend forciert werden muss.

Welthandelsabkommen – fast wilde, befremdliche Entschlossenheit, zum Abschluss zu kommen. Unterm Strich: Realpolitik, teils akzeptabel, teils kritikwürdig, da ist noch Luft nach oben. Protestaktionen gegen den Gipfel und die Abwehr derselben bewegten sich im Rahmen der Gesetze und des gesunden Menschenverstandes. Dass dies besonderer Erwähnung bedarf, und dass sich Spitzentreffen dieser Art fast nur noch hinter festungsartigen Mauern abspielen können, ist eine Realität, an die wir uns gewöhnt haben, die aber gleichwohl ein bisschen traurig ist. Allgemeine Zeitung Mainz

Nun, das lässt sich nun wirklich nicht über den G-7-Gipfel im bayerischen Elmau sagen. Vor allem das Signal gegen die Erderwärmung, dass die sieben größten Industriestaaten mit dem Bekenntnis zum Ausstieg aus der Kohle setzten, ließ zum Abschluss aufhorchen. Und sogar Umweltverbände verbal Beifall klatschen. Aber: Zum einen ist das zunächst nichts als eine Absichtsklärung, zum anderen kann es nicht ernsthaft beruhigen, dass es jedem Land selbst überlassen bleibt, wie es das Klassenziel erreicht. Wenn etwa trotz Tschernobyl und Fukushima gleich mehrere G-7-Staaten weiter auf Kernkraft setzen, nimmt das der Ankündigung ein Stück ihres Charmes. Genauso wie die Frage zu stellen ist, was Insel-Lösungen in einer Welt nützen, in der etwa täglich riesige Waldgebiete vernichtet und die Flächen für Rinderzucht genutzt werden. Zwar sind die Industrieländer Hauptverursacher des Klimawandels, aber Wachstumsgiganten wie China haben mächtig aufgeholt.

Und sonst so?

Da muss sich erst die Praxistauglichkeit dessen erweisen, was in der Abschlusserklärung etwa in Bezug auf den Kampf gegen Armut, Hunger oder Epidemien steht. Da bleibt zu vieles im Vagen, zu unkonkret. Und auch dass Russland – im Vorjahr wegen der Ukraine-Krise aus dem erlauchten Kreis der G-Staaten ausgeschlossen – aus Elmau die Androhung verschärfter Sanktionen vernehmen muss, stimmt nicht wirklich froh. Sondern schürt die Furcht vor einem weiteren Auseinanderdriften der Lager, vor einem neuen Kalten Krieg.

Nicht zuletzt bleibt die Frage, ob es nicht genug Orte gibt, an denen die G-7-Verhandlungen mit allen nötigen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden können, ohne dass dafür Millionen Euro ausgegeben werden müssen. Denn eine herausgeputzte weiß-blaue Kulisse macht noch lange keine heile Welt. Leitartikel von Sibylle Göbel zum Abschluss des G-7-Gipfels Thüringische Landeszeitung

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