G36: Deutsche Wertarbeit ist Schrott

Flinten-Uschi“: Klarer Schnitt bei G 36 - Tarnen und Täuschen

G36: Deutsche Wertarbeit ist Schrott

Noch steht nicht fest, wie die abkürzungsverliebte Bundeswehr den Nachfolger für das G 36-Sturmgewehr nennen wird. Es könnte auf vdL-1 hinauslaufen. Jedenfalls ist es das erste brandneue Großprojekt, das Ursula von der Leyen selbst auf den Weg bringt. Das dürfte die Verbreitung ihres Rufes als „Flinten-Uschi“, wie sie in Soldatenkreisen gelegentlich genannt wird, deutlich beschleunigen. Das G 36 ist nicht irgendeine Waffe. Auf ihr Gewehr müssen sich die Soldaten absolut verlassen können.

Stundenlange Gefechte mit Dauerfeuer gehörten nicht zu den wahrscheinlichen Szenarien, als das Gewehr vor über 20 Jahren konzipiert wurde. Doch in Afghanistan kam es genau dazu. Wiederholt wurden Bundeswehrsoldaten dabei am Hindukusch verletzt und getötet. Ob die Experten Mitte Oktober einen Zusammenhang mit der schwindenden Treffgenauigkeit herstellen können, erscheint eher fraglich. Mit ihrem klaren Schnitt hat sich von der Leyen jedenfalls vorsichtshalber auch von dieser Vergangenheit getrennt. Rheinische Post

Tarnen und Täuschen Ursula von der Leyen mustert alle G36 aus. Na endlich, möchte man sagen. Doch auf den zweiten Blick wird deutlich: Die Verteidigungsministerin verkauft routinierten Dienst als entschlossenen Schritt. Denn die krumme Knarre aus Schwarzwälder Produktion landet nicht im Schrottcontainer, weil sie im heißen Klima deutscher Auslandsexpeditionen nicht trifft, wie sie soll, sondern weil ohnehin alle 20 bis 25 Jahre neue Gewehre gekauft werden müssen – Abnutzung und technischer Fortschritt erfordern das. Die Peinlichkeit der mangelnden Treffsicherheit ist ganz nebenbei elegant beerdigt. Auch die vollmundig angekündigte große Ausschreibung klingt nach mehr, als sie ist.

Denn die Trennung von der in die Kritik geratenen Waffenschmiede Heckler & Koch, die die Vorwürfe weiterhin bestreitet, ist damit keineswegs sicher. Kritiker bemängeln, schon die Ausschreibung für das Pannengewehr G36 sei seinerzeit gezielt auf die Fähigkeiten dieses Anbieters zugeschnitten gewesen – und Geschichte wiederholt sich ja bekanntlich ab und an. Die schlechteste Karte haben die Soldaten gezogen, die im Einsatz den Kopf hinhalten müssen. Etlichen von ihnen statt der fehlenden Sturmgewehre nun – für einen ganz anderen Zweck gebaute – Maschinengewehre in die Hand zu drücken, macht ihr Leben keineswegs sicherer. Doch das Ministerium übt sich auch hier im Tarnen und Täuschen: Es nennt die Notlösung „optimierten Waffenmix“. Südwest Presse

Jan van Aken: Aufklärung statt neuer Sturmgewehre

„Bevor Verteidigungsministerin von der Leyen für Hunderte Millionen Euro neue Sturmgewehre kauft, muss sie erst einmal mit der Vetternwirtschaft in ihrem Haus aufräumen. Sonst sorgt die Heckler & Koch-Seilschaft im BMVg dafür, dass diesem Unternehmen der nächste Auftrag zugeschanzt wird“, kommentiert Jan van Aken, außenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE, die Entscheidung des BMVg, das Sturmgewehr G36 auszumustern und die Beschaffung Zehntausender Sturmgewehre neu auszuschreiben. Van Aken weiter:

„Eine europaweite Ausschreibung nützt gar nichts, wenn dann wie beim G36 die Beschaffungskriterien passgenau auf Heckler & Koch zugeschnitten werden. Bevor die Kommissionen Nachtwei und Müller ihre Abschlussberichte nicht vorgelegt haben und Konsequenzen gezogen wurden, wird jede Beschaffung im gleichen Fiasko enden.“ DIE LINKE

DasParlament

Ihre Meinung ist wichtig!

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.