Germanwatch: Einer der weltweit größten Versicherer und Investoren setzt die Politik unter Druck

Allianz gibt Umsetzung des Pariser Klimaabkommens Schub

Germanwatch: Einer der weltweit größten Versicherer und Investoren setzt die Politik unter Druck

Germanwatch begrüßt die gestern von der Allianz vorgestellten Pläne zum Ausstieg aus Kohlegeschäften. Nach Einschätzung der Umwelt- und Entwicklungsorganisation handelt es sich um eine stringente Kohleausstiegsstrategie und einen wichtigen und glaubwürdigen Beitrag zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens.

„2015 hat die Politik mit dem Pariser Abkommen ein Signal für Investoren gesetzt. Nun setzt die Allianz als einer der weltweit größten Investoren und Versicherer umgekehrt ein Signal für die Politik, eine zügige Energiewende umzusetzen. Die Allianz handelt sowohl wegen der immensen Risiken des Klimawandels als auch um Innovationschancen der Energiewende nicht zu verschlafen. Es verleiht der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens einen großen Schub, dass die Allianz auf das Geschäft mit Versicherungen von Kohlekraftwerken und -minen verzichtet“, kommentiert Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch. „Wir setzen darauf, dass die Allianz nun auch Frankreich und Deutschland aktiv ermutigt, ein Motor für die europäische Energiewende zu werden. Es liegt auch im Interesse der neu verkündeten Strategie, dass es von der Politik nun klare Signale für Unternehmen und Investoren in Europa gibt.“

Gestern hatte der Vorstandsvorsitzende der Allianz, Oliver Bäte, angekündigt, dass die Allianz ab sofort keine neuen Versicherungsverträge für Kohlekraftwerke oder -minen mehr abschließen werde. Zudem sollen in den nächsten Jahren Aktien von Unternehmen abgestoßen werden, die mehr als 25 Prozent Kohle in ihrem Energiemix haben. Das ist um 5 Prozent ambitionierter als beim Divestmentbeschluss von 2015. Alle fünf Jahre soll das Ziel weiter verschärft werden. Ab 2040 sollen weder Aktien von Unternehmen mit Kohle im Energiemix gehalten noch solche Konzerne versichert werden.

Es spricht für die Glaubwürdigkeit der Ankündigung, dass die Allianz Kriterien für eine wissenschaftsbasierte Umsetzung der selbst gesetzten Ziele akzeptiert. Vor diesem Hintergrund drängt Bals allerdings auf weitere Konkretisierungen. Der vom Konzern noch für dieses Jahr angekündigte Kohleausstiegsplan mit weiteren Details und Meilensteinen bietet dafür die Gelegenheit.

Christoph Bals: „Es wäre wichtig darzulegen, dass der Kohleausstieg für Schwellenländer bis 2040, für Industrieländer aber schon zwischen 2030 und 2035 stattfinden muss. Spätestens wenn im September der IPCC-Sonderbericht zur Notwendigkeit eines Erwärmungslimits von 1,5 Grad vorliegt, muss der Konzern über eine Nachbesserung der Ziele nachdenken.“ Außerdem bedeute eine Strategie, die die Klimaziele von Paris umsetzen will, mehr als eine Kohlestrategie. „Die Allianz sollte für die Unternehmen jeden Sektors, von denen sie Aktienpakete hält, einen genauso klaren Zeitplan auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität vorgeben“, verdeutlicht Bals notwendige nächste Schritte. Allianz Vorstand Günther Thallinger hatte in einem Interview die Bereitschaft angedeutet, demnächst solche Klimapläne von Unternehmen aller Industriesektoren einzufordern, an denen die Allianz beteiligt ist. Germanwatch e.V.

Kohleausstieg der Allianz: Nicht dem Markt überlassen

In Kreisen der Klimaschützer hat die Kohlebranche bekanntlich schon lange einen miserablen Ruf. Allmählich setzt sich diese Einsicht aber auch in der Finanzindustrie durch. Wenn die Allianz als Europas größter Versicherungskonzern in Zusammenhang mit Betreibern von Kohlekraftwerken und Minen nur noch von »Risiken« spricht, scheint es für diese Branche wirklich ernst zu werden. Zumal sich längst zahlreiche große Finanzfirmen und Investoren zum Divestment aus fossilen Energiefirmen bekennen. Wenn sich keine Kreditgeber und Versicherer mehr finden, wenn Investoren um ihre Renditen bangen, dann steht das gesamte Geschäftsfeld zur Disposition.

Natürlich sind Versicherer wie die Allianz nicht über Nacht zu verlässlichen Umweltschützern geworden. Sie machen momentan ja auch ganz gute Geschäfte mit den im Zuge des Klimawandels wachsenden Schadensregulierungen. Längst nicht überall hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass jetzt gehandelt werden muss, damit wenigstens das Zwei-Grad-Ziel noch zu schaffen ist und der Klimawandel auch für die Wirtschaft nicht zu katastrophal ausfällt.

Letztlich kann man es nicht dem Markt mit seinen ständigen und chaotischen Stimmungsschwankungen überlassen, ob es mit dem Klimaschutz doch noch was wird oder nicht. Das Divestment von Allianz & Co. ist gut – ein staatlich geregelter Kohleausstieg mit Umstiegshilfen für betroffene Regionen aber erheblich besser. neues deutschland,

DasParlament

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