Grünen-Fraktionschef Hofreiter: Wir wollen regieren

Vor Bundesdelegiertenkonferenz "Geschlossenheit" betont - "Wir sind so gut aufgestellt wie nie"

Grünen-Fraktionschef Hofreiter: Wir wollen regieren

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hat vor Beginn der Bundesdelegiertenkonferenz in Bielefeld den Regierungsanspruch seiner Partei unterstrichen. „Angesichts der zermürbenden Großen Koalition ist klar: Wir wollen regieren, weil es dringend nötig ist, dass wir regieren. Und das merken die Leute“, sagte Hofreiter der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Diese Zustimmung, die sich in gute Umfragewerten spiegele, gebe den Grünen „die nötige Kraft für die neue Rolle, die wir haben“. Der Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion betonte: „Wir sind aktuell die einzige demokratische Partei, die noch in der Lage ist, Orientierung zu geben.“

Hofreiter erklärte: „Vor uns liegt eine entscheidende Zeit.“ Es gehe um nicht weniger als um die Rettung der natürlichen Lebensgrundlagen, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt, um den Erhalt demokratischer Werte und um ein gefestigtes gemeinsames Europa. Die „Stärke“ der Grünen sei deren Geschlossenheit. „Wir sind so gut aufgestellt wie nie, die Zusammenarbeit zwischen Fraktion, Partei und den Ländern ist ausgezeichnet“, erklärte Hofreiter. Das Thema „bezahlbares Wohnen“ werde auf der Bundesdelegiertenkonferenz eine zentrale Rolle spielen. „Leider haben SPD und Union das total verschlafen“, kritisierte Hofreiter.¹

Kluge Entscheidung der Grünen gegen Özdemir

Die Grünen-Bundestagsfraktion hat eine kluge Entscheidung getroffen und Cem Özdemir nicht zum neuen Vorsitzenden gewählt. Mit Özdemir wäre die Unruhe zurückgekehrt, die schon seine Amtszeit an der Parteispitze gekennzeichnet hatte. Özdemir lieferte sich bittere Konflikte mit seiner Co-Parteivorsitzenden Simone Peter. Ihre Nachfolger, das erfolgreiche Duo Robert Habeck und Annalena Baerbock, wussten, wie sehr es der Partei an Geschlossenheit gemangelt hatte. Konsequent setzten sie seit Anfang 2018 darauf, den alten Graben zwischen „Realos“ und „Linken“ zu überwinden. Die Grünen sprachen fortan nur noch mit einer Stimme. Der Lohn dafür waren deutlich steigende Umfragewerte.

Habeck und Baerbock kommt zugute, dass die beiden Fraktionsvorsitzenden Anton Hofreiter und Katrin Göring-Eckardt ein blasses Bild abgeben. Göring-Eckardt hat schon vieles erreicht, nun möchte sie nur noch eines: Bundesministerin werden. Ihr Ehrgeiz, den Bundestag aufzumischen, hält sich dagegen in Grenzen. Und der nach innen integrativ wirkende Hofreiter konzentriert sich nach außen auf das, was er am besten kann: Agrarwende, Verkehrswende, Ökologie. Für die Grünen ist Hofreiter ungemein wichtig: Der promovierte Biologe verkörpert wie kein anderer die urgrünen Motive. Das große Herz für die Natur.

Wäre Özdemir der Sprung nach vorn geglückt, wäre das Gleichgewicht aus zwei starken und zwei schwächeren Führungsfiguren gestört worden. Der machthungrige Schwabe hätte Habeck eine Konkurrenz gemacht, die den Grünen nicht gutgetan hätte. Özdemir ist zwar der beste Redner, den die Grünen haben. Doch dieses Redetalent könnte die Fraktion auch noch besser nutzen, indem sie ihn häufiger ans Rednerpult ließe. Ansonsten gilt: Never change a winning team.²

¹Neue Osnabrücker Zeitung ²Birgit Marschall – Rheinische Post

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