Hofreiter fordert weitere Konsequenzen in Abgasaffäre

Affen- und Menschenversuche mit Diesel-Abgaben

Hofreiter fordert weitere Konsequenzen in Abgasaffäre

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) verurteilt die Affen- und Menschenversuche mit Diesel-Abgaben „aufs Schärfste“. Dies erklärt Geschäftsführer Jürgen Resch gegenüber der „Rheinischen Post“. Noch schlimmer allerdings seien „die schon lange erfolgte Schädigung vieler Hunderttausend Menschen, die in unseren Städten dem weitgehend ungefilterten Dieselabgasgift ausgesetzt sind. Das ist der viel schlimmere Menschenversuch „, sagte Resch. In Aachen hätten 25 gesunde Menschen für vier Stunden die Belastung durch Diesel erlitten, sagte er. „Aber Hunderttausende Asthmatiker oder Lungenkranke leiden seit Jahren unter zu hohen Stickstoffdioxiden.“

Resch fordert die künftige Bundesregierung auf, aktiv zu werden: „Die Koalitionsgespräche bieten die einmalige Möglichkeit, diesen Betrug an neun Millionen Besitzern von Euro 5 und Euro 6 Diesel-Pkw zu beenden. Die Hersteller müssen diese Fahrzeuge auf eigene Kosten technisch so nachrüsten, dass die Fahrzeuge die Luft nicht weiter vergiften und die Grenzwerte auf der Straße auch im Winter einhalten.“ Rheinische Post

Angesichts des Skandals um Abgastests mit Affen und Menschen hat Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter die Automobilindustrie zu weiteren Konsequenzen aufgefordert. Hofreiter sagte der „Saarbrücker Zeitung“, die entstandene Vertrauenskrise sei nicht damit ausgestanden, „dass VW den Generalbevollmächtigten Steg mal schnell in Urlaub schickt“.

Hofreiter betonte weiter: „Die Firmen müssen ernsthaft aufräumen, um Vertrauen wieder zu gewinnen.“ Es sei unerträglich, „dass schäbige Machenschaften der Autokonzerne immer nur scheibchenweise an die Öffentlichkeit gelangen“. Sollten Konzernbosse von den Tests gewusst haben, sei das ein weiteres Zeichen dafür, „dass der Chefetage ein moralischer Kompass fehlt“. Wenn nicht, dann hätten sie ihre Konzerne nicht im Griff. „Beide Erklärungen finde ich sehr beunruhigend“, so Hofreiter. Saarbrücker Zeitung

Bei der Volkswagen AG scheint es guter Brauch zu sein, einen Manager zu opfern, um viele Manager zu schützen. Nun also Thomas Steg. Der Cheflobbyist des Automobilkonzerns hält den Kopf hin für die Abgastests an Affen. Da gerät beinahe in Vergessenheit, dass Volkswagens US-Umweltbeauftragter Oliver Schmidt vor acht Wochen für seine Beteiligung am Abgasskandal von einem Richter in Detroit zu sieben Jahren Gefängnishaft verurteilt wurde. Die Kündigung aus Wolfsburg folgte kurz vor Weihnachten. Was schadet dem Ruf des Autokonzerns mehr: die Software-Manipulation an Dieselmotoren oder die Tests an Affen und menschlichen Versuchsobjekten? Je mehr über die Vorgänge bekannt wird, desto gewisser kann man sein, dass die »Affenschande« ein noch größeres Ausmaß hat als der Dieselbetrug. Wenn die VW-Spitze glaubt, dass sich die Empörung schnell legt und keine Folgen für die Absatzzahlen hat, könnte sie sich täuschen. Manche Leute wollen kein Pkw-Modell fahren, für dessen Abgaswerte Affen gequält werden – oder sich menschliche Probanden, freiwillig und gegen Geld, irgendwelchen Giften aussetzen.

Es könnte sich als Irrglaube erweisen, zu meinen, dass Verbraucher Tierversuche einfach hinnehmen, nur weil so etwas in der Pharma- und Kosmetikbranche üblich ist. Vor dem Hintergrund der Historie des Unternehmens muss man sich fragen: Löst in Wolfsburg niemand Alarm aus, wenn Begriffe wie »Tierversuch« und »Gas« in einem Zusammenhang mit VW fallen? Wie geschichtsvergessen muss man sein, wenn man doch dort am Mittellandkanal genau weiß, dass am 26. Mai 1938 ein gewisser Adolf Hitler den Grundstein des VW-Stammwerks gelegt hatte. International spielt der Skandal auf dieser Ebene. Die Experimente sind Teil der Doku-Serie »Dirty Money« des TV-Internetportals Netflix. Darin wird der Abgastest an Affen mit dem Holocaust verglichen.

Tests an Affen lösen bei Menschen eine größere Empörung aus als Tests an Ratten. Das gilt ganz offensichtlich auch für Politiker. Denn am 8. September 2016 merkte im Diesel-Untersuchungsausschuss des Bundestags niemand auf, als der Toxikologe Helmut Greim von »Tierversuchen« sprach. Man hatte wohl Ratten vor Augen. Für die Grünen saß deren Verkehrsexperte Volker Krischer im Ausschuss. Auch er reagierte nicht weiter auf Greims Aussagen. Insofern sollten die Grünen ihre Empörung in diesem Fall überdenken. Kurz vor seiner Freistellung gab Thomas Steg zu Protokoll, dass VW prüfen lasse, was nach den Versuchen mit den Affen geschehen sei und wie es ihnen heute gehe. Das würde man wirklich gerne wissen. Westfalen-Blatt

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