Hofreiter: Verkehrsminister versagt bei Abgasskandal

Grüne fordern: Hendricks muss Dobrindt ablösen

Hofreiter: Verkehrsminister versagt bei Abgasskandal

„Obwohl der Abgasskandal schon vor mehr als einem halben Jahr öffentlich wurde, ist der Verkehrsminister nicht in der Lage, Prüfergebnisse und Konsequenzen zu benennen“, sagte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter den Tageszeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND).

„Umweltministerin muss Verantwortung für den Gesundheitsschutz übernehmen“

Hofreiter forderte: „Umweltministerin Barbara Hendricks muss Dobrindt diese Zuständigkeit wegnehmen. Als Umweltministerin ist sie in der Verantwortung für den Gesundheitsschutz der Menschen vor Umweltgefahren – und erhöhte Stickoxidwerte sind eine große Gefahr, vor allem auch für Kinder und ältere Menschen.“ Die am morgigen Donnerstag tagende Umweltministerkonferenz von Bund und Ländern solle fordern, dass die Aufklärung des Abgasskandals in die Hände der Umweltministerin übergeht, so Hofreiter. Hofreiter sieht die deutsche Autoindustrie in einer Glaubwürdigkeitskrise: „Was die Luftreinhaltung betrifft, ist mein Vertrauen in die deutschen Autohersteller derzeit sehr gering“, sagte er dem RND.

Die Abgasaffäre böte aber auch eine Chance: „Es ist der letzte Weckruf für die deutsche Autoindustrie, aus der Sackgasse Dieseltechnologie und Verbrennungsmotoren zu kommen und stattdessen emissionsfreie Autos in den Blick zu nehmen“, sagte Hofreiter. „Sonst droht ihr das Schicksal der Energiekonzerne RWE und Eon, die aus Ignoranz neue Technologien verschlafen haben und heute ums Überleben kämpfen.“ Redaktionsnetzwerk Deutschland

Automobilzulieferer schweigen sich zum Abgasskandal aus

Den Automobilzulieferern fällt es schwer, Klartext über den Abgasskandal und die Kollateralschäden für ihre Branche zu sprechen. Im aktuellen Pressestellentest des prmagazins geben nur zwei der größten Zulieferer im deutschsprachigen Raum zufriedenstellende Auskünfte dazu, die anderen hatten teils erhebliche Lieferprobleme.

Auf dem ersten Platz landet ZF Friedrichshafen. Sprecher Jochen Mayer liefert zwar nicht so aussagekräftige Antworten wie Continental-Pressechef Hannes Boekhoff (Platz 2), macht aber beim Reaktionstempo Boden gut. Dafür gibt es die zweitbeste Gesamtnote: „Sehr gut“. Auch Continental erzielt die Note „Sehr gut“. Umfang und Qualität der Auskunft lassen kaum etwas zu wünschen übrig. Boekhoff geht auf alle Fragen ein und gibt hintergründige und klar formulierte Antworten.

Die Konkurrenz folgt weit abgeschlagen. Mahle bekommt immerhin noch die Gesamtnote „Verbesserungswürdig“. Pressesprecherin Andrea Arnold ist zwar gut erreichbar, beantwortet aber nur die Hälfte der gestellten Fragen und das nur sehr oberflächlich. Für die Reaktion von Bosch gibt es nur noch die Gesamtnote „Reformbedürftig“: Anstelle von Antworten schickt Pressesprecher Florian Flaig einen Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten, der nur eine der gestellten Fragen beantwortet.

Gleich drei Zulieferer erhalten im Pressestellentest die Gesamtnote „Katastrophal“: Benteler, Schaeffler und Magna. Sie liefern gar keine Auskünfte. Madeleine Stüblreiter, Manager Corporate Communications bei Benteler, sagt immerhin noch ab. Von Schaeffler und Magna kommt gar keine Reaktion. Magna ist weder telefonisch noch per Mail noch per Kontaktformular zu erreichen – und landet so mit nur 28,5 von 200 möglichen Punkten auf dem letzten Platz.

Die Zulieferer schneiden damit unterm Strich ähnlich schlecht ab wie die Importeure, die im März zu den Folgen des Abgasskandals befragt worden waren. Die deutschen Autobauer parierten im Pressestellentest der Februar-Ausgabe hingegen überwiegend souverän. prmagazin.de

Die Vorwürfe ausräumen – Leitartikel zu angeblich irreführenden Abgasangaben bei Daimler

Die deutsche Industrie ist weltweit präsent. Produkte „Made in Germany“ genießen einen hervorragenden Ruf. Höhere Preise werden häufig aufgrund eines höherwertigen Produktversprechens akzeptiert. Das gilt für normale Gebrauchsgüter wie für Großinvestitionen. Deutsche Ingenieurskunst ist die Grundlage für den Wohlstand in der rohstoffarmen Bundesrepublik, und umso fahrlässiger ist es, mit diesem Ruf zu spielen.

Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass eine solche Qualitätsgarantie einigen Konzernen nicht wirklich ein Anliegen ist. Der daraus folgende internationale Imageverlust könnte für das Land der Denker und Tüftler üble Folgen haben. Jetzt werden Behauptungen publik, dass wahrscheinlich Manipulationssoftware bei Diesel-Motoren als Motorenschutz eingesetzt wurde. Ausnahmeregelungen sollen dabei ad absurdum geführt worden sein. Um Motorenschäden zu verhindern, soll die Software bei Temperaturen unter zehn Grad Celsius die Abgasnachbehandlungen gedrosselt oder ganz abgestellt haben. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Zehn Grad sind über Monate im mitteleuropäischen Deutschland die Regel oder sogar das Maximum – nicht die Ausnahme.

Daimler sollte die Vorwürfe schnell ausräumen. Der Aufsichtsratsvorsitzende sieht das Unternehmen als Spitze der Reputation der Automobilbauer. Dann muss es für solche einen kraftstrotzenden Konzern, der am Mittwoch das beste Jahr seiner Konzerngeschichte gefeiert hat, doch ein Leichtes sein, die Dinge klar zu stellen.

Es ist im Interesse von Daimler wie der Bundesrepublik nur zu hoffen, dass die Vorwürfe der Deutschen Umwelthilfe nicht der Realität entsprechen. Nach dem Dieselgate von Volkswagen, der Pannenserie rund um den Berliner Hauptstadtflughafen oder der Kostenexplosion beim Bau der Hamburger Philharmonie kann sich Deutschland nicht schon wieder Meldungen leisten, über die weltweit nur mit dem Kopf geschüttelt wird. Von möglichen Klagewellen in den USA soll erst gar nicht gesprochen werden. Schwäbische Zeitung

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