Hype um Grünen-Chef Robert Habeck

Hype um Grünen-Chef Robert Habeck

„Selbstkritik hat in der Politik keinen Platz.“ Es sei aber dennoch wichtig, sich und sein Tun immer wieder zu hinterfragen. Über das Aufstehen – auch nach Niederlagen – sagte der Schriftsteller und Politiker: „Angesichts zunehmender Komplexität und Geschwindigkeit von Veränderungen in meiner politischen Arbeit, kann ich mir den Luxus, mich lange über etwas zu ärgern, nicht mehr leisten. Trotzdem brauche ich eine gewisse Zeit, um Dinge, die nicht gut gelaufen sind, ganz aus dem Kopf zu kriegen.“

„Eine Regierung, die Gesetze zurücknimmt, weil die Wirklichkeit, bzw. Umstände und Bedingungen dafür noch nicht so weit sind, kann eigentlich gleich einpacken“, so Habeck wütend.

Auf die Frage, ob das Land nach Merkel im Sinne der Emanzipation wieder eine Kanzlerin bräuchte, sagte er: „Es wäre schlecht um den Feminismus bestellt, wenn nur Frauen ihn verkörpern würden. Aber es wäre schon ein Rückschritt, wenn das, was Gerhard Schröder, Joschka Fischer oder Otto Schily – diese rot-grüne Männerriege – dargestellt haben, wieder der Ton der Politik werden würde.“

Der Kanzler-Frage selbst ging er aus dem Weg. Es brauche wieder eine aktive Regierung. Die Frage, wer was wird, lenke nur ab und werde der Ernsthaftigkeit nicht gerecht. Darauf angesprochen, wo er sich in fünf Jahren sehe, antwortete der derzeitige Star der Grünen: „Ich habe Bock auf das, was ich gerade mache. Wenn es schiefgeht, was ich nicht hoffe, müssen es eben andere weiter machen.“¹

Offenbar mögen sie ihn alle, diesen smarten Robert Habeck. Ja, man hat fast schon den Eindruck, die Menschen in Deutschland haben sich in ihn verliebt. Robert Habeck, der Superstar der Grünen mit den lässigen Haaren und den lockeren Jeans, ist Kult. Es stimmt: Habeck ist sympathisch, er hat Empathie, spricht eine unverbrauchte Sprache, kommt locker daher und ist Mensch statt eine politische Maschine. Man möchte ihn einfach nur drücken wie einen Teddybären. Grundsätzlich spricht nichts gegen einen beliebten Spitzenpolitiker, der menschlich und charismatisch daherkommt. Aber was läuft eigentlich falsch in Deutschland, wenn der Mann, den viele schon als neuen Kanzler sehen, mehr als Popstar denn als Politiker wahrgenommen wird?

Was ist los in diesem Land, wenn ein Spitzenpolitiker mehr darüber spricht, wie lange er morgens für seine Frisur braucht, bei welchem Film er anfängt zu weinen, und er massenhaft Selfies von sich und seinen Fans machen lassen muss und möchte, statt über Politik zu sprechen? Und warum drückt bei einer Veranstaltung im Herforder Lutherhaus der dortige Landrat Jürgen Müller (SPD) dem Grünen-Chef sein Smartphone in die Hand, damit er ein Foto von sich mit Robert Habeck bekommt? Man kann ihm den Hype nicht alleine vorwerfen, sondern muss hinterfragen, warum Privatpersonen, politische Gegner und auch Journalisten sich offenbar mehr für die Person Habecks zu interessieren scheinen, statt für seine Politik.

Beispiel Enteignung: Um die Wohnungsnot bekämpfen zu wollen, hatte der Grünen-Chef die Enteignung großer Wohnungsunternehmen als »notfalls« denkbar bezeichnet. Mittlerweile wird Habeck selbst wissen, dass dieser Vorschlag nicht wirklich ernst zu nehmen ist, weil er Milliardenkosten verursacht, mit dem Grundgesetz nur schwer vereinbar sein wird und am Ende sogar das Gegenteil bewirkt, nämlich den Wohnungsbau hemmt, statt ihn anzukurbeln. Aber es hat ja der nette Habeck gesagt, Deutschlands Kuschelbär… Anders lässt es sich nicht erklären, warum kein Aufschrei durch das Land geht, wenn der Grünen-Chef solche Vorschläge macht. Nichts anderes beim Thema Diesel-Verbot.

Wenn es nach den Grünen ginge, gäbe es so schnell wie möglich gar keine alten und neueren Diesel-Fahrzeuge mehr auf unseren Straßen. Und dennoch jubeln die Menschen Robert Habeck zu, und dennoch befinden sich die Grünen in einem Höhenflug. Und vorneweg ihr Shooting-Star. Er redet eben so, dass sich möglichst viele Menschen bei ihm zu Hause fühlen können. Aber ernsthaft hinterfragt wird das, was er sagt, nicht oder viel zu wenig. Offenbar wollen die Menschen ihren Teddybären lieber drücken und kuscheln, statt sich mit ihm politisch auseinanderzusetzen.²

¹Gruner + Jahr GmbH BRIGITTE ²Westfalen-Blatt

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