Klimaschutz gelingt nur, wenn wir die Menschen mitnehmen

IPCC-Bericht zeigt: Staatengemeinschaft muss Pariser Klimaschutzabkommen konsequent umsetzen

Klimaschutz gelingt nur, wenn wir die Menschen mitnehmen

Der Weltklimarat hat am heutigen Montag, 8. Oktober 2018, einen Sonderbericht über die Folgen einer globalen Erwärmung um 1,5 Grad Celsius vorgelegt. Dazu erklärt die Beauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Klimaschutz, Anja Weisgerber:

„Der Sonderbericht des Weltklimaberichts zeigt, dass wir den Weg der Treibhausgasreduktion konsequent weitergehen müssen –  national wie international. Deshalb ist es wichtig, dass die Staatengemeinschaft bei der anstehenden Weltklimakonferenz in Kattowitz weiter intensiv an der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens arbeitet. Wir müssen mit gutem Bespiel vorangehen, aber wir brauchen auch die anderen Staaten der Welt.

Auch auf nationaler Ebene werden wir weiterhin intensiv an der Erreichung unserer Klimaziele arbeiten. Dabei müssen alle Sektoren – Energie, Industrie, Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft – ihren Beitrag leisten, um die im Klimaschutzplan 2050 festgelegten Ziele für ihren Sektor zu erreichen. Auf der Basis von Maßnahmenplänen der einzelnen Ressorts wird der Gesetzgeber dann im Laufe des nächsten Jahres ein Gesetz zur Erreichung der Klimaziele erarbeiten. Dabei setzen wir verstärkt auf Anreizsysteme in allen Bereichen anstatt auf Verbote, denn Klimaschutz gelingt nur, wenn wir die Menschen mitnehmen.

Es besteht kein Zweifel, dass die Kohle zur Erreichung unserer nationalen Klimaziele einen nennenswerten Beitrag leisten muss. Aber wir müssen dabei den Menschen in den betroffenen Gebieten neue Perspektiven aufzeigen. In der Industrienation Deutschland muss es gelingen, dass wir durch die Entwicklung von Umweltinnovationen weitere Arbeitsplätze schaffen und damit Ökonomie und Ökologie in Einklang bringen. Die im Sommer eingesetzte Strukturwandelkommission wird in den nächsten Monaten einen Plan zur schrittweisen Reduzierung der Kohleverstromung inklusive eines Abschlussdatums erarbeiten. Dabei steht es für uns im Vordergrund, den Strukturwandel zu gestalten und die betroffenen Regionen dabei zu unterstützen.“

Die Staatengemeinschaft hatte sich 2015 auf der Weltklimakonferenz in Paris auf ein völkerrechtlich verbindliches Klimaabkommen geeinigt, das das Ziel hat, die Erderwärmung auf 2 Grad Celsius, wenn möglich auf 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. In diesem Zusammenhang wurde der Weltklimarat (IPCC) aufgefordert, einen Sonderbericht über die Folgen einer globalen Erwärmung um 1,5 Grad Celsius gegenüber vorindustriellem Niveau und die damit verbundenen globalen Treibhausgaspfade vorzulegen. Der Bericht legt dar, dass die Risiken auf unser Ökosystem, die Nahrungs- und Wasserversorgung oder die menschliche Gesundheit bei einer Erwärmung um 1,5 Grad Celsius zwar bereits vorhanden sind, bei einer Erderwärmung um zwei Grad Celsius jedoch viel weitreichender sind.¹

Am Abend des 9. Dezember 2011 trat die 21-jährige Studentin Anjali Appadurai auf dem UN-Klimagipfel in Durban in Südafrika an das Mikrofon und sprach zu den Delegierten. Die Verhandlungen stockten wieder einmal, eine Einigung am letzten Tag schien fraglich, denn wie so oft stritt man sich ums Geld. Was die junge Frau als Vertreterin der Weltjugend dann sagte, veränderte nicht den Lauf der Welt, aber es drückte aus, was ihre Generation fühlte: Nicht angehört zu werden. Anjali Appadurai sagte: „Ihr habt uns einen Sitzplatz in dieser Halle zugestanden, aber unsere Interessen liegen nicht auf dem Tisch. Mein ganzes Leben verhandelt ihr schon. In dieser Zeit habt ihr Ziele verfehlt und Versprechen gebrochen. Radikal sind nicht wir. Radikal seid ihr, die ihr uns um unsere Zukunft betrügt.“

Gestern beschrieb ein Bericht des Weltklimarats IPCC, was die Generation von Anjali Appadurai erwartet, wenn sie in einer wärmeren Welt aufwächst. In einem Klimasystem, das aus den Fugen geraten ist, egal ob der Anstieg der Temperatur 1,5 Grad oder zwei Grad beträgt. Eine Welt, in der es kleine Inselstaaten, die heute nur knapp über dem Meeresspiegel liegen, nicht mehr geben wird. Eine Welt, die möglicherweise keine Warmwasserkorallen mehr kennt, dafür aber Menschenkarawanen, die vor ihrer Umwelt flüchten. Eine Welt, in der Verhandlungen zu spät kommen. Das Beängstigende an diesem Bericht sind nicht die Szenarien, was passieren könnte, wenn die Erderwärmung auf über 1,5 Grad steigt. Erschreckend ist, dass Klimaforscher weltweit in all den zurückliegenden Jahren immer präziser herausgearbeitet haben, welche Rolle der Mensch bei der globalen Erwärmung spielt – und die Menschheit weitermacht wie bisher. Seit 1995 gibt es diese Klimakonferenzen.

Doch bis heute klafft diese Lücke zwischen Wissen und Handeln: Statt den Empfehlungen der Wissenschaft zu folgen, beschreitet die Staatengemeinschaft weiter einen Weg des Wirtschaftens, der die Erde immer weiter aufheizt. Der Bericht des Klimarats, und das ist die gute Nachricht, zeigt eine Lösung auf, auch wenn diese nur mit immensen Anstrengungen zu erreichen ist. Energiesysteme weltweit müssen rasch umgebaut werden – weg von fossilen Energien, hin zu den erneuerbaren Energien wie Sonne, Wind oder Biomasse. Gebäude weltweit müssen energetisch saniert werden. Städte müssen sich neu erfinden, ihren Energieverbrauch eindämmen und alternative Konzepte entwickeln, um Menschen und Waren durch die Straßen zu transportieren. Mit neuen Baustoffen werden diese Städte errichtet, denn bei der Herstellung von Zement entstehen klimaschädliche Emissionen. Diese Vision von der großen Transformation ist nicht neu.

Neu ist: Wir haben kaum noch Zeit, um den Sinkflug bei den Emissionen einzuleiten. Auf dem Weg in eine neue Zeit können diese Aufgaben nur gemeinsam gemeistert werden. Das Ansinnen des Energiekonzerns RWE, den Hambacher Forst zu roden, um die Braunkohle und den klimaschädlichsten Energieträger weiter zu verbrennen, mag legal sein. Doch ist es angesichts des neuen Klimareports legitim, Konzerninteressen auf Kosten des Allgemeinwohls durchzusetzen? Kasse zu machen zulasten kommender Generationen, die alles ausbaden müssen, weil die Politik Jahr für Jahr aufschob, was nun unumgänglich ist: der Ausstieg aus der Kohleverstromung? „Get it done“, sagte Anjali Appadurai am Ende ihrer Rede zu den Klimapolitikern. Tut es! Endlich.²

¹CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag ²Jürgen Polzin – Berliner Morgenpost

DasParlament

Eine Antwort auf "Klimaschutz gelingt nur, wenn wir die Menschen mitnehmen"

  1. Buerger   Dienstag, 9. Oktober 2018, 13:42 um 13:42

    Solange die Lobbyisten der ganzen Energie- und Industrieunternehmen sich die Türklinken bei der Politik gegenseitig in die Hand geben ändert sich nix, die sind die nur am max. Profit interessiert .
    Und unsere armseligen, nicht wissenden , die Hand aufhaltenden Volkszertreter spielen da munter mit in dem großen Weltvernichtungs-Spiel und verkaufen uns das als Zukunftsstrategie und verlangen dann von uns auch noch Steuergeld möglichst getarnt für sog. Umweltschutzmaßnahmen.
    Ich habe jeden morgen einen Würgereiz im Hals ( wenn ich an unsere Umweltpolitiker denke) und das kommt nicht von den Dieselabgasen.

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