Mehr Netto fürs Brutto

Unions-Mittelstandspolitiker fordern Freibetrag für Betriebsrentner

Mehr Netto fürs Brutto

Die öffentliche Debatte wird dominiert von der Aufregung darüber, dass – abhängig vom jeweiligen Jahr des Renteneintritts – ein immer größerer Anteil der gesetzlichen Altersbezüge besteuert wird. Was dabei meist unterschlagen wird: Arbeitnehmer können heute von jedem Euro, den sie als Beitrag in die Rentenkasse einzahlen, fast 90 Cent von der Steuer absetzen und haben so mehr Netto vom Brutto. Sicherlich wird damit die Steuerlast ins Alter verschoben, gleichzeitig aber im Berufsleben finanziell die Möglichkeit eröffnet, für das Alter vorzusorgen. Manchem ist dies allerdings genauso wenig bewusst wie die Tatsache, dass auf die Rente überhaupt Steuern zu zahlen sind und Freibeträge geltend gemacht werden können. Auch hier ist eine Informationsoffensive notwendig.¹

Die Mittelstandspolitiker der Union haben die Bundesregierung aufgefordert, künftige Empfänger von Betriebsrenten und Lebensversicherungen von der doppelten Beitragslast für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) mindestens zum Teil zu befreien. „Bei der betrieblichen Altersvorsorge müssen wir endlich entlasten“, sagte der Chef der Mittelstandsvereinigung von CDU/CSU, Carsten Linnemann, der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ .

„Ohne Beitragsentlastung wird die betriebliche Altersvorsorge nicht mehr auf die Beine kommen. Die Akzeptanzprobleme führen dazu, dass gerade die Jüngeren vor einer Betriebsrente zurückschrecken“, sagte Linnemann. Auch der Chef des einflussreichen Parlamentskreises Mittelstand in der Unionsfraktion, Christian von Stetten, sagte der Zeitung: „Es war immer unsere Position, dass der doppelte Beitrag auf Betriebsrenten abgeschafft werden muss.“ Linnemann schlug eine Freibetragslösung vor, die etwa eine Milliarde Euro pro Jahr kosten würde. „Entweder halbieren wir die Beiträge in der Auszahlungsphase, oder wir wandeln die derzeitige Freigrenze von rund 152 Euro in einen Freibetrag um“, sagte Linnemann.

Bereits heute gibt es eine Freigrenze für niedrige Betriebsrenten von monatlich 152,25 Euro. Nur wer darüber liegt, muss den doppelten GKV-Beitrag bezahlen. Würde man diese Freigrenze in einen Freibetrag umwandeln, würden nicht nur die „ärmeren“ Betriebsrentner, sondern alle profitieren, weil sie den doppelten Beitrag nur für Beträge oberhalb des Freibetrags zahlen müssten.

Arbeitnehmer sollen fürs Alter sparen. Doch kommt es zur ersten Auszahlung einer Betriebsrente, erleben viele eine böse Überraschung: Die Rente fällt netto viel geringer aus als erwartet, weil von ihr der doppelte Krankenkassenbeitrag abgezogen wird. Betroffene empfinden das zu Recht als ungerecht, schließlich wird auch auf die gesetzliche Rente nur der halbe Beitragssatz fällig.

Dass der doppelte Beitrag auf Betriebsrenten in dieser Legislaturperiode abgeschafft wird, ist aber eher nicht zu erwarten. Spitzenpolitiker scheuen davor zurück, weil sie glauben, nur verlieren zu können: Der doppelte Beitrag kann realistischerweise nur für künftige Betriebsrentner gestrichen werden, alles andere wäre unvertretbar teuer. Dann aber sehen sich alle betrogen, die seit 2004 schon draufgezahlt haben.

Die Maßnahme ist trotzdem überfällig – aus einem einzigen Grund: Die betriebliche Altersvorsorge muss unbedingt attraktiver werden, damit sich mehr Jüngere für ihr Alter besser absichern. Solange alles bleibt wie es ist, dürfte das Interesse vieler Arbeitnehmer an der betrieblichen Altersversorgung gering bleiben.²

¹Mitteldeutsche Zeitung ²Birgit Marschall – Rheinische Post

DasParlament

Ihre Meinung ist wichtig!

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.