NRW-Ministerpräsident Laschet im Sturzflug

RTL/ntv-Trendbarometer / FORSA-AKTUELL: Grüne bleiben stärkste politische Kraft vor CDU/CSU - Derzeit vier Koalitionen regierungsfähig

NRW-Ministerpräsident Laschet im Sturzflug

Ob Annalena Baerbock, das neue grüne Gesicht, oder Armin Laschet und Olaf Scholz, die alten schwarzen und roten Hasen: Es täte unserer Demokratie gut, allen mit mehr Respekt zu begegnen. Wie anmaßend muss man sein, um den Söder-Bezwinger Laschet, der ein Bundesland mit fast 18 Millionen Bürgern mit Geschick führt, jede Fähigkeit abzusprechen, Kanzler zu werden? Scholz nicht ernstzunehmen, der als Bundesfinanzminister einen Haushalt von knapp 500 Milliarden Euro verantwortet? Oder Baerbock – wenngleich ohne Regierungserfahrung, aber parteiintern mit Souveränität und Durchsetzungsvermögen – in die politische Lehrmädchen-Ecke zu stellen?

Persönliche Niederlagen, persönliche Erfolge interessieren mehr als Programme. Aber es geht im Rennen um das Kanzleramt nicht um „Deutschland sucht den Superstar“. Es geht um Zukunftspläne, inhaltliche Berechenbarkeit, politische Stabilität und Zuverlässigkeit.¹

Grüne 28, CDU/CSU 22, SPD 13, FDP 12, Linke 7, AfD 11 Prozent

Unmittelbar nach der Nominierung von Annalena Baerbock und Armin Laschet zu Kanzlerkandidaten ihrer Parteien für die kommende Bundestagswahl zeigte das RTL/ntv-Trendbarometer starke Verluste der Union und starke Gewinne der Grünen. Auch eine Woche später hat sich das neue Kräfteverhältnis zwischen den Parteien nicht geändert: Die Grünen bleiben mit 28 Prozent weiterhin stärkste politische Kraft, sechs Prozentpunkte vor der CDU/CSU. Die Werte der Parteipräferenzen ändern sich nur minimal: Die Union kann einen Prozentpunkt zulegen, die sonstigen kleineren Parteien verlieren einen Prozentpunkt. Für alle übrigen Parteien ändert sich nichts. Die SPD behauptet mit 13 Prozent ihren dritten Platz im Parteiengefüge nur knapp: Die FDP liegt mit 12 Prozent und die AfD mit 11 Prozent nahezu gleichauf mit der Regierungspartei.

Wenn der Bundestag jetzt neu gewählt würde, könnten die Parteien mit folgendem Ergebnis rechnen: CDU/CSU 22 Prozent (Bundestagswahl 32,9%), SPD 13 Prozent (20,5%), FDP 12 Prozent (10,7%), Grüne 28 Prozent (8,9%), Linke 7 Prozent (9,2%), AfD 11 Prozent (12,6%). 7 Prozent würden sich für eine der sonstigen Parteien entscheiden (5,2%). Die Zahl der Nichtwähler und Unentschlossenen wäre mit 25 Prozent weiterhin etwas größer als der Anteil der Nichtwähler bei der Bundestagswahl 2017 (23,8%).

Regieren könnten Grün-Schwarz, Grün-Rot-Gelb, Grün-Rot-Rot und Schwarz-Rot-Gelb

Wenn jetzt gewählt würde, würden – entsprechend den Wahlabsichten der Bürger – 707 Abgeordnete in den neuen Bundestag einziehen. Im Vergleich zur letzten Bundestagswahl würden die Grünen 145 und die FDP 11 zusätzliche Sitze erobern. Alle anderen Parteien würden Mandate verlieren, am meisten die Union: minus 76. Die Sitzverteilung im neuen Bundestag: Grüne 212, Union 170, SPD 98, FDP 91, Linke 53 und AfD 83 Sitze.

Für eine regierungsfähige Mehrheit werden 354 Sitze benötigt. Demnach sind derzeit vier Koalitionsregierungen denkbar: Grüne und CDU/CSU (zusammen 382 Mandate), „Ampel“-Koalition aus Grünen, SPD und FDP (401 Mandate), ein grün-rot-rotes „Links-Bündnis“ (363 Mandate) sowie eine Koalition aus CDU/CSU, SPD und FDP (359 Mandate). Die derzeit regierende schwarz-rote Koalition käme nur noch auf zusammen 268 Mandate und könnte keine Regierung mehr bilden.

Viele Abwanderer von Union und SPD wollen grün wählen

Derzeit wenden sich viele Wähler, die 2017 noch Union oder SPD gewählt haben, von den Regierungsparteien ab. Nur 42 Prozent der SPD-Wähler von damals würden jetzt erneut sozialdemokratisch wählen. Der größte Teil der Abwanderer (28% der damaligen SPD-Wähler) würde jetzt grün wählen. 10 Prozent würden zur Union wechseln, 12 Prozent gar nicht wählen. 8 Prozent würden eine der anderen Parteien wählen.

Auch von den CDU-Wählern von 2017 würden nicht einmal die Hälfte (48%) heute wieder christdemokratisch wählen. Fünf Monate vor der nächsten Bundestagswahl würden 16 Prozent der CDU-Wähler von damals zu den Grünen wechseln. 8 Prozent würden FDP wählen, 18 Prozent würden derzeit gar nicht zur Wahl gehen. 10 Prozent würden eine der anderen Parteien wählen.

Die CSU kann deutlich mehr Wähler an sich binden als die größere Schwesterpartei. 61 von 100 CSU-Wählern von 2017 würden auch derzeit wieder christsozial wählen. 12 Prozent würden lieber grün, 6 Prozent lieber FDP wählen. 15 Prozent wollen momentan nicht wählen. 6 Prozent würden eine der anderen Parteien wählen.

Kanzlerfrage: Baerbock 32, Laschet 15, Scholz 13 Prozent

Auch die Kanzlerpräferenz der Bundesbürger ändert sich in der Woche nach der Kandidaten-Entscheidung nicht. Wenn die Deutschen ihre Kanzlerin oder ihren Kanzler selbst wählen könnten, würden sich unverändert 32 Prozent für Annalena Baerbock und 15 Prozent für Armin Laschet entscheiden. Olaf Scholz verliert zwei Prozentpunkte; für ihn würden sich momentan 13 Prozent der Bürger entscheiden.²

¹Stuttgarter Nachrichten ²RTL/ntv-Trendbarometer

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