Obamas Abschiedsbesuch in Berlin: Einstiger Hoffnungsträger kommt als Seelsorger

Obamas Abschiedsbesuch in Berlin: Einstiger Hoffnungsträger kommt als Seelsorger

Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama plädierten schon vor dem Besuch Obamas in Deutschland in einer gemeinsamen Erklärung für eine sozial verantwortliche Marktwirtschaft, weltweiten Freihandel und eine noch engere und breitere Zusammenarbeit Deutschlands und der USA. Der Doppelbeitrag wird exklusiv in der nächsten Ausgabe der WirtschaftsWoche am Freitag veröffentlicht.

„Eine Rückkehr in eine Welt vor der Globalisierung wird es nicht geben“, schreiben Merkel und Obama. Deutsche und Amerikaner müssten die Möglichkeit ergreifen, „die Globalisierung nach unseren Werten und Vorstellungen zu gestalten“, heißt es in dem Papier. „Wir sind unseren Unternehmen und unseren Bürgern – ja der gesamten Weltgemeinschaft – verpflichtet, unsere Zusammenarbeit zu verbreitern und zu vertiefen“, fordern die Kanzlerin und der US-Präsident.

Beide plädieren vehement für das Handelsabkommen TTIP: „Aus der gemeinsamen Überzeugung, dass Handel und Investitionen Lebensstandards anheben, setzen wir uns für das wichtige Projekt der Gründung einer Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft ein. Es steht außer Frage, dass sowohl deutsche als auch amerikanische Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Verbraucher und Landwirte von TTIP profitieren würden.“ Globale Märkte und Produktionsketten seien immer mehr miteinander verflochten: „Wir erleben, dass Entscheidungen in einem Land sehr greifbare Auswirkungen in anderen Ländern haben. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, brauchen wir Regeln, wie sie derzeit in TTIP verhandelt werden.“

Demokratie, Recht und Freiheit seien die Basis für Kreativität und Innovation und trieben die wirtschaftliche Entwicklung an. „Und unsere beiden Länder bekennen sich dazu, dass die Soziale Marktwirtschaft auch die Verantwortung für soziale Sicherheit, Aufstiegschancen und qualitative Bildung für alle umfasst, ebenso wie für eine moderne und leistungsfähige Infrastruktur,“ heißt es weiter in dem Papier, das die WirtschaftsWoche in Auszügen veröffentlicht. Kerstin Jaumann – WirtschaftsWoche

US-Präsident auf Abschiedstour

Im Jahr 2008 feierten ihn 200.000 Menschen an der Berliner Siegessäule wie einen Messias. Acht Jahre später blickt Deutschland mit einer Mischung aus Ernüchterung, Anerkennung und Zweifel auf Obama. Was bleibt von ihm? Die amerikanische Verfassung schafft per Definition Unvollendete. Nach acht Jahren ist Schluss. Zwangsläufig fällt auch die Bilanz des 44. Präsidenten durchwachsen aus. Wer seine Erfolge und Flops gegeneinander rechnet, wird vielleicht nachvollziehen: Obama hat Amerika und der Welt gutgetan. Innenpolitisch steht auf der Habenseite die Bekämpfung der schlimmsten Wirtschaftskrise seit 80 Jahren. Das Haushaltsdefizit wurde abgebaut, die Autoindustrie wieder flottgemacht, der Arbeitsmarkt um 15 Millionen Jobs bereichert. Nicht zu vergessen die historische Einführung eines allgemeinen Gesundheitsschutzes.

Nach außen bleiben der weitgehende Truppenabzug aus dem Irak und Afghanistan, die Liquidierung Bin Ladens, das Klima-Abkommen, die Einhegung des iranischen Atomprogramms und das Ende der Eiszeit mit Kuba in Erinnerung. Bei den Fehlern und Niederlagen wiegen die gescheiterte Einwanderungsreform, die ausgebliebene Verschärfung der Waffengesetze, der grassierende Rassismus und die noch breiter gewordenen politisch-weltanschaulichen Gräben schwer. Obama hat das Bild vom Weltpolizisten USA so nachhaltig verändert, das Deutschland und Europa gezwungen sind, mehr Verantwortung zu übernehmen. Es ist nicht ohne Ironie, dass sein Auftritt in Berlin ganz im Zeichen des großen Unbekannten Trump steht. Obama, der Hoffnungsträger von einst, kommt zum Abschied als Seelsorger. Fürchtet euch nicht. Westfalenpost

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