Paranoid: CDU warnt vor Fake News als realer Gefahr für die Europawahl

EU-Politiker Caspary: "Gesellschaft hat noch kein Gefühl dafür, was wichtig ist und was künstlich aufgebauscht wird"

Paranoid: CDU warnt vor Fake News als realer Gefahr für die Europawahl

Vor dem Hintergrund neuer Manipulationsversuche mit Fake-Accounts bei Facebook, sehen die Christdemokraten im Europaparlament eine Bedrohung für die anstehenden Europawahlen. „Für die Europawahl 2019 sind Fake News eine große Herausforderung und eine reale Gefahr“, sagte der Vorsitzende der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament, Daniel Caspary, im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Das habe auch Konsequenzen für den Wahlkampf. „Für uns Abgeordnete bedeutet das noch mehr als vorher präsent zu sein, den Bürgerinnen und Bürgern Zusammenhänge transparent nahe zu bringen und Fake News klar als solche zu benennen“, sagte der CDU-Politiker.

„Eine Herausforderung für uns alle als Bürger und Wähler ist es, vorschnelle Behauptungen und vermeintliche Fakten aus sozialen Medien nicht gleich für bare Münze zu nehmen, sondern anhand verlässlicher Quellen zu prüfen“, sagte Caspary. Durch eine zunehmende Informationsblasenbildung in den sozialen Medien, sagte Caspary der NOZ weiter, „nehmen viele Bürgerinnen und Bürger Realitäten nur teilweise wahr, und wir haben als Gesellschaft noch kein Gefühl dafür entwickelt, was wichtig ist und auch wirklich zutrifft und was lediglich künstlich aufgebauscht wird.“ Neue Osnabrücker Zeitung

Alles Lüge: Auch Zuhörer haben ihren Anteil

Rhetorik-Profi warnt vor Bestätigungsfehlern und rät besonders bei jenen Informationen zur Vorsicht, die die eigene Meinung bestärken

US-Präsident Donald Trump, die Diesel-Affäre, die Flüchtlingsdebatte, angebliche Fake-News: Dass Falschmeldungen auch in 2018 Hochkonjunktur haben, liegt nicht nur an den Absendern – sondern ebenso an den Empfängern. Darauf weist der Rhetorik-Profi Jürgen Rixgens aus München hin, der weltweit Manager und Vorstände zum Thema Sprache und Wirkung schult. „Wir hören, was wir wollen. Eine Nachricht, selbst eine falsche, wirkt wahr, wenn sie widerspiegelt, woran wir glauben“, erklärt Rixgens. Filterblasen in sozialen Medien und allgemeine Unwissenheit verstärken die Effekte.

Nachdem Lügen und Falschaussagen in Politik und Wirtschaft an der Tagesordnung sind und weitestgehend ungeahndet bleiben, wünscht sich Rixgens einen reflektierten Umgang mit dem gesprochenen und geschriebenen Wort. „Die langfristigen Auswirkungen auf Debatte und Gesellschaft sind verheerend. Die Wirkung, die von offensichtlichen und dennoch akzeptierten Falschmeldungen ausgeht: Viele sagen sich, den Umgang mit der Wahrheit nehmen all die anderen auch nicht so genau. Warum sollte ich das tun? Irgendwie ist doch der Ehrliche immer nur der Dumme. Und wer lügt, wird Präsident“, erklärt Rixgens.

Im Umkehrschluss bedeute dies für die Debatte und das eigene Handeln: Wer Erfolg haben will, dürfe es mit der Wahrheit nicht immer so genau nehmen. Nach seinen Beobachtungen ist dem Publikum im Alltag immer öfter die Fähigkeit abhandengekommen, zu differenzieren. Die Empfänger lassen zu, dass in diesem Ausmaß gelogen wird. „Das beginnt bereits mit dem Unterschied zwischen Fakten und Meinungen. Fakten sind nachprüfbar und objektiv – und können deshalb als wahr oder falsch bezeichnet werden. Meinungen dagegen sind Interpretationen und die sind per se subjektiv.“

Zudem spielt der Zuhörer ebenfalls eine Rolle, wenn er dem Bestätigungsfehler aufsitzt. „Wir hören, was wir hören wollen. In puncto Wahrheit und Lüge sollten sich Empfänger wappnen, um angemessen mit der Wahrheit umzugehen.

Lügen-Detektor: 5 einfache rhetorische Tipps für Empfänger:

1. Wichtig ist, kritisch zu prüfen und zu hinterfragen, was wir hören
und lesen.
2. Vorsicht bei Nachrichten, die die eigene Meinung bestärken: Wir 
glauben zu gern, was unseren Vorstellungen und unserer Glaubenswelt 
entspricht.
3. Quellenprüfung: Woher genau stammt diese Nachricht? Welche 
Interessen stecken dahinter?
4. Qui bono: Also wem nutzt diese Information und wer hat etwas 
davon?
5. Handelt es sich um eine Meinung oder um Fakten?

Über Jürgen Rixgens

Jürgen Rixgens ist Gründer und Inhaber der Münchner Firma Rixcom GmbH, einer Akademie für angewandte Rhetorik. Mit Erfahrung als Dozent in der Erwachsenenbildung, TV-Sportjournalist, PR-Berater, Moderator, Regisseur und Produzent von Lehrfilmen und als Unternehmenssprecher eines internationalen Unternehmens, arbeitet er seit mehr als 15 Jahren weltweit vor allem als Rhetor und Kommunikationstrainer. Für Unternehmen wie SAP, Roland Berger oder Telekom ist er regelmäßig in Ländern wie Deutschland, England, USA, und Asien unterwegs. Sein Fokus richtet sich dort auf Kommunikationstrainings und Coachings von Spitzenmanagern in Vorbereitung auf Pressekonferenzen, TV- und Konferenzauftritte sowie schwierige Kunden- und Mitarbeitergespräche. Er setzt auf die Kultur des guten Arguments und rhetorische Techniken, die wirken, damit seine Kunden authentisch ankommen und erreichen, was sie wollen. SCRIVO Public Relations

DasParlament

Eine Antwort auf "Paranoid: CDU warnt vor Fake News als realer Gefahr für die Europawahl"

  1. Buerger   Donnerstag, 2. August 2018, 8:04 um 8:04

    Wenn ich die Sendung “ Tagesschau vor 20 Jahren“ sehe und eine aktuelle “ Tagesschau “ werde ich das Gefühl nicht los von unseren Politikern schon 20 Jahre oder mehr belogen worden zu sein ( die Themen gleichen sich fast 1:1 und keine Lösungen).
    Darüber sollten die Politiker, insbesondere die Europäischen, nachdenken und ihre Schlüsse ziehen.

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