Plagiatsvorwürfe gegen Ministerin von der Leyen

Führende Unionspolitiker springen von der Leyen zur Seite

Plagiatsvorwürfe gegen Ministerin von der Leyen

Die verteidigungspolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Agnieszka Brugger, hat Aufklärung über die Plagiatsvorwürfe gegen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gefordert. „Schon wieder steht der Verdacht im Raum, dass eine Ministerin bei ihrer Doktorarbeit getäuscht hat“, sagte sie der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“ (Montag-Ausgabe) angesichts der jüngsten Medienberichte. „Dieser schwerwiegende Vorwurf muss sofort aufgeklärt werden. Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit.“ Mitteldeutsche Zeitung

Führende Unionspolitiker sind Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zur Seite gesprungen, die sich Plagiatsvorwürfen ausgesetzt sieht. „Für sie gilt die Unschuldsvermutung, bis das Gegenteil bewiesen ist“, sagte der Chef des Parlamentskreises Mittelstand in der Unionsfraktion, Christian von Stetten (CDU), der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Montagausgabe). „Das ist kein Bereich, in dem man jemand politisch ein Bein stellt“, sagte von Stetten. Unionsfraktionsvize Thomas Strobl sagte der Zeitung: „Die Menschen interessiert, wie wir aktuelle Probleme lösen und Herausforderungen angehen. Im Moment steht anderes im Mittelpunkt als irgendwelche Plagiatsvorwürfe.“ Rheinische Post

Aufklären statt vorverurteilen

Politiker leben gefährlich. Besonders jene, die sich mit einem Doktortitel schmücken. Vor vier Jahren musste der damalige Verteidigungsminister und CSU-Hoffnungsträger, Karl-Theoder zu Guttenberg, wegen stichhaltiger Plagiatsvorwürfe das Feld räumen. Später erwischte es die Merkel-Vertraute Annette Schavan sowie FDP-Promi Silvana Koch-Mehrin. Und nun also soll auch Ursula von der Leyen mit ihrer Dissertation die Fachwelt hinters Licht geführt haben. Passt ja nahtlos, werden manche sagen.

Doch Vorsicht. Erstens haben auch Politiker bis zum Beweis des Gegenteils ein Recht auf die Unschuldsvermutung. Und zweitens hat es schon einen merkwürdigen Beigeschmack, wenn sich scheinbar immer mehr selbst ernannte Experten im Netz zu Richtern aufschwingen, um Personen des öffentlichen Lebens ins Zwielicht zu rücken. Dass sie auch schief liegen können, zeigt der Fall Steinmeier. Dem heutigen Außenminister hatten anonyme Häscher auf der Internetplattform Vroniplag vor zwei Jahren ebenfalls Täuschungsabsichten bei dessen Doktorarbeit unterstellt. Doch die zuständige Uni Gießen kam nach sorgfältiger Untersuchung zu einem gegenteiligen Befund.

Nach allem, was man bislang weiß, hat von der Leyen erst einmal richtig gehandelt. Als die Verteidigungsministerin von dem Vorwurf erfuhr, bat sie ihre damalige Hochschule umgehend, die Doktorarbeit zu überprüfen. Transparenz und Aufklärung sind das beste Mittel, um dem zweifellos schwerwiegenden Verdacht zu begegnen. Unabhängig vom Ausgang des Falls muss jedoch über eine generelle Verbesserung der Standards bei der Beurteilung von Promotionen nachgedacht werden. Denn wenn es wirklich stimmt, dass von der Leyen in ihrer Arbeit zum Beispiel auf Quellen verwiesen hat, in denen der zitierte Inhalt gar nicht zu finden ist, dann stellt das auch den wissenschaftlichen Gutachtern der Hochschule ein schlechtes Zeugnis aus. Lausitzer Rundschau

DasParlament

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