Schulz politisiert Mindestlohn und Lohnfindung

Faire Löhne größte Herausforderung auf dem Arbeitsmarkt

Der designierte Kanzlerkandidat Martin Schulz versucht, die Beliebtheit der SPD zu steigern – mit einer Forderung nach höheren Löhnen. „Er weiß nicht, was Sache ist“, verweist Nicola Beer auf das Grundgesetz, laut dem in der Bundesrepublik Tarifautonomie herrscht. Die FDP-Generalsekreärin moniert: „Schulz sollte seine Kandidatur-Kampagne nicht mit populistischen Forderungen zulasten Dritter in Gang setzen.“

Schulz politisiert Mindestlohn und Lohnfindung

Zur Forderung des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz nach höheren Löhnen erklärt die FDP-Generalsekretärin Nicola Beer: „Wer an der bestehenden Mindestlohn-Kommission vorbei einen höheren Mindestlohn will, schadet nicht nur dem dort festgelegten Verfahren, sondern auch den Geringqualifizierten in Deutschland. Mit einem politisierten Mindestlohn ist außer Schulz niemandem gedient. Je höher der Mindestlohn, desto geringer sind die Chancen Geringqualifizierter auf dem Arbeitsmarkt. Dies gilt noch deutlicher für die vielen arbeitswilligen, aber schlecht ausgebildeten Zuwanderer. Schulz sollte seine Kandidatur-Kampagne nicht mit populistischen Forderungen zulasten Dritter in Gang setzen.

Das Gleiche gilt für seine Forderung nach höheren Löhnen in Deutschland und einem angeblichen erheblichen Nachholbedarf. Damit bescheinigt er den Gewerkschaften, in den vergangenen Tarifrunden versagt zu haben. Er weiß auch hier nicht, was Sache ist. In der für Deutschland zentralen Metall- und Elektroindustrie sind zum Beispiel von 2012 bis 2015 die Arbeitskosten um knapp drei Prozent pro Jahr gestiegen. Die steigenden Lohnkosten konnten aber nicht durch eine wachsende Produktivität ausgeglichen werden: Sie ist von 2012 bis 2015 um lediglich 0,5 Prozent gestiegen. Daraus ergibt sich eine Steigerung der Lohnstückkosten um 8,5 Prozent für den gesamten Zeitraum bzw. 2,8 Prozent pro Jahr. Diese Entwicklung belastet die internationale Wettbewerbsfähigkeit dieser Branche ganz erheblich. Wo hier großer Nachholbedarf sein soll, weiß nur Schulz. Das kommt davon, wenn man zu lange im Brüsseler EU-Raumschiff unterwegs ist.“ FDP

Wählerumfrage Bundestagswahl 2017: Faire Löhne größte Herausforderung auf dem Arbeitsmarkt

– 95,5 Prozent nennen Lohngerechtigkeit als wichtigstes arbeitspolitisches Thema 2017- Geringes Vertrauen in Politik und Parteien – Martin Schulz wird mehr Kompetenz in Arbeitsmarktthemen zugesprochen als Kanzlerin Angela Merkel

Es grummelt unter deutschen Wählern: 95,5 Prozent der Befragten einer Wählerumfrage der Jobseite Indeed bezeichnen faire Löhne als wichtigste arbeitsmarktpolitische Herausforderung 2017. Gleichzeitig sagt die überwiegende Mehrheit, dass Reiche zu viel verdienen und die Löhne in Deutschland nicht gerecht sind. „Das sind im Wahljahr 2017 brisante Werte, die die Parteien aufhorchen lassen sollten. Insbesondere da der Trend bei den Reallöhnen in Deutschland seit dem ersten Quartal 2014 nach oben zeigt. Das scheint von den Deutschen aber noch nicht wahrgenommen zu werden“, sagt Frank Hensgens, Geschäftsführer von Indeed Deutschland.

Als weitere große Herausforderungen für den Arbeitsmarkt nennen die Befragten die Integration von Flüchtlingen sowie die Entwicklung der Weltwirtschaft. Beide Themen sind aufgrund der politischen Entwicklungen hochaktuell. Experten sehen gerade die protektionistischen Ansätze der neuen US-Regierung und den Brexit als mögliche Herausforderungen auch für den deutschen Arbeitsmarkt – die Wähler haben diese Gefahr offenbar ebenfalls erkannt.

Automatisierung und Digitalisierung liegen nur auf den hinteren Rängen. „Dies könnte daran liegen, dass andere Themen durch die mediale Präsenz derzeit stärker in den Köpfen der Menschen sind. Zudem befassen sich die Deutschen ungern mit der Zukunft der Arbeit, wie eine Umfrage zur Digitalisierung von Indeed im letzten Jahr zeigte. Nur rund ein Viertel der Befragten konnte mit dem Schlagwort „Industrie 4.0″ etwas anfangen, lediglich zehn Prozent sahen ihren Arbeitsplatz durch die Digitalisierung gefährdet“, sagt Hensgens.

Wähler sehen geringe Arbeitsmarktkompetenzen bei Politik – Martin Schulz mit besten Umfragewerten

Das Duell Schulz gegen Merkel wird wahrscheinlich einer der prägendsten Aspekte des Bundestagswahlkampfs. Das Duell, wem mehr Kompetenz für Arbeitsmarktthemen zugetraut wird, entschied sich in der vorliegenden Umfrage knapp für den Herausforderer. 60,5 Prozent der Befragten schreiben Martin Schulz (SPD) mehr Kompetenz zu als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, 58,2 Prozent). Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles liegt auf Platz sechs weit zurück. „Unsere Umfrage lief genau in der Woche, in der Schulz als designierter Kanzlerkandidat verkündet wurde. Das könnte ihm in dieser Befragung geholfen haben. In zukünftigen Befragungen werden wir sehen, ob Schulz seinen Sonnenplatz verteidigen kann“, sagt Hensgens.

Die Kompetenzwerte von Schulz, Merkel und Nahles sind allerdings alle im Kontext zu sehen: Vier von fünf Wählern sind der Meinung, dass die Politik die echten Sorgen und Wünsche von Angestellten und Arbeitern überhaupt nicht kennt. Und das, obwohl 70 Prozent der Befragten Arbeitsmarktthemen als wichtig oder sehr wichtig für die eigene Wahlentscheidung im Herbst ansehen.

Zur Befragung

Im Auftrag von Indeed hat das Marktforschungsinstitut respondi 1.007 Wahlberechtigte zwischen 18 und 69 in einem Onlinepanel befragt. Die Befragung fand vom 24. bis 27. Januar statt.

Ergebnisse im Detail

Glauben Sie, dass Politiker die echten Sorgen und Wünsche von Angestellten und Arbeitern kennen?

  • 10,6% Ja
  • 82,8% Nein
  • 6,6% Weiß nicht

Wie wichtig sind Aussagen zu Arbeitsmarktthemen für Ihre Wahlentscheidung?

  • 23,9 % Sehr wichtig
  • 46,1% Wichtig
  • 20,6% Unentschieden
  • 5,5% Weniger wichtig
  • 4,0% Unwichtig

Was sind Ihrer Ansicht nach große Herausforderungen für den
Arbeitsmarkt in Deutschland im aktuellen Jahr 2017? (beurteilt als große oder sehr große Herausforderung)

  1. Lohngerechtigkeit (95,5%)
  2.  Integration von Flüchtlingen (93,2%)
  3. Integration älterer Arbeitnehmer in den Arbeitsmarkt (90,5%)
  4. Entwicklung der Weltwirtschaft (86%)
  5. Jugendarbeitslosigkeit (83,5%)
  6. Mangel an qualifizierten Fachkräften (82,9%)
  7. Unterbeschäftigung (80,3%)
  8. Arbeitslosigkeit (74,7%)
  9. Automatisierung/Digitalisierung (74,6%)
  10. Auslagerung von Jobs ins Ausland (71,2%)
  11. Weniger Nachfrage nach meinen Qualifikationen/meinem Beruf (52,7%)

Stimmen sie den nachfolgenden Aussagen eher zu oder eher nicht zu

– „Mein eigener Lohn ist angemessen in der Höhe.“

  • 42,4% Stimme voll und ganz zu und stimme zu
  • 57,6% Stimme eher nicht oder überhaupt nicht zu

– „Die Löhne in Deutschland sind allgemein angemessen / in der richtigen Höhe.

  • 28% Stimme voll und ganz zu und stimme zu
  • 72% Stimme eher nicht oder überhaupt nicht zu

– „Die Löhne in Deutschland müssen erhöht werden.“

  • 82,7% Stimme voll und ganz zu und stimme zu
  • 17,3% Stimme eher nicht oder überhaupt nicht zu

– „Die Reichen verdienen zu viel und die Normalverdiener zu wenig.“

  • 93,1% Stimme voll und ganz zu und stimme zu
    ,9% Stimme eher nicht oder überhaupt nicht zu

– „Der Mindestlohn war eine richtige Entscheidung.“

  • 82,2% Stimme voll und ganz zu und stimme zu
  • 17,8% Stimme eher nicht oder überhaupt nicht zu

Welcher Partei trauen Sie die meiste Kompetenz in der Arbeitsmarktpolitik zu?

  • 29,1% Keiner 21,1%
  • CDU/CSU 17,9%
  • SPD 7,1%
  • AFD 6,5%
  • Die Linke 4,1%
  • FDP 1,6%
  • Grüne 1,2%
  • Andere
  • 11,6% Weiß nicht

Welchem dieser Politiker trauen Sie Kompetenzen in der Arbeitsmarktpolitik zu? (Aussage: Kompetenz oder sehr hohe Kompetenz)

  • 60,5% Martin Schulz (SPD)
  • 58,2% Angela Merkel (CDU)
  • 52,9% Horst Seehofer (CSU)
  • 45,5% Sigmar Gabriel (SPD)
  • 39% Cem Özdemir (Grüne)
  • 38,7% Andrea Nahles (SPD)Ina Steinbach – Indeed Deutschland GmbH
DasParlament

Ihre Meinung ist wichtig!

Persönliche Angaben freiwillig! Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.