Schwesig begrüßt Kompromisslinie bei Digitalpakt

Lehrerverband fordert Einigung bei Digitalpakt Schule: "Letzte Chance"

Schwesig begrüßt Kompromisslinie bei Digitalpakt

Die Vorsitzende des Vermittlungsausschusses, Manuela Schwesig (SPD), hat die sich abzeichnende Kompromisslinie beim Digitalpakt begrüßt. „Wir haben mit dem, was die von uns eingesetzte Arbeitsgruppe vorbereitet hat, eine gute Grundlage für die Diskussion im Vermittlungsausschuss“, sagte Schwesig der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Die Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns zeigte sich zuversichtlich, „zu einer guten Einigung zu kommen“. Wichtig sei, dass man den Digitalpakt Schule auf den Weg bringe. „Es wird schon in wenigen Jahren keinen Beruf und kein Studium mehr geben, bei dem man ohne digitale Kenntnisse auskommt. Darauf müssen wir unsere Kinder vorbereiten“, sagte Schwesig. Deshalb brauche man jetzt schnell Investitionen in eine bessere digitale Ausstattung der Schulen. „Über dieses Ziel sind sich alle einig. Wir müssen heute den Weg dafür finden“, sagte sie mit Blick auf die Sitzung des Vermittlungsausschusses an diesem Mittwochabend in Berlin.

Der Chef des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hat an Bund und Länder appelliert, am Mittwoch im Vermittlungsausschuss eine Einigung beim Digitalpakt Schule zu erzielen. „Das ist die letzte Chance, zum nächsten Schuljahr die geplanten Investitionen auch tatsächlich für die Schulen zu tätigen“, sagte Meidinger. Er verwies darauf, dass Kommunen und Ländern den Bedarf der Schulen bereits abgefragt hätten. „Wenn der Startschuss für die Mittelvergabe fällt, könnten Länder und Kommunen endlich loslegen.“¹

Klare Mehrheit für Aus des #Bildungsföderalismus

Die Mehrheit der Deutschen spricht sich für eine tiefgreifende Reform des deutschen Bildungswesens aus. 58 Prozent der Bundesbürger halten den Föderalismus in der Bildung für nicht mehr zeitgemäß und wünschen sich, dass der Bund dafür künftig allein verantwortlich ist, also etwa für Schulformen, Fächerangebot, die Gestaltung von Lehrplänen oder die Finanzierung von Lehrmitteln. Am Status quo möchte dagegen nur jeder Sechste festhalten: 16 Prozent wollen, dass für Bildung weiterhin allein die Bundesländer verantwortlich sein sollen. Dass Bildung zu einer Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern wird, befürworten 22 Prozent.

Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. „In der Bildung leisten wir uns den Luxus einer rückständigen Kleinstaaterei. Wir sprechen eine Sprache, aber lernen in 16 Schulsystemen – das ist keine Bereicherung, sondern ein Bremsklotz“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Die festgefahrene Debatte um den Digitalpakt Schule zeigt, wie der Bildungsföderalismus wichtige Weichenstellungen für das digitale Zeitalter verhindert. Während Bund und Länder über Finanzierung und Zuständigkeit streiten, verlieren unsere Schulen bei der Digitalisierung international den Anschluss. Die Mittel und Methoden, mit denen an Schulen gelehrt und gelernt wird, sind heute nahezu dieselben wie vor fünfzig Jahren.“

Digitalpakt-Milliarden sollen so schnell wie möglich bei den Schulen ankommen
Der Digitalpakt Schule, bei dem der Bund für die kommenden Jahre fünf Milliarden Euro für die Digitalisierung der Schulen in Aussicht gestellt hat, sollte nach Ansicht der Mehrheit der Deutschen ohne weitere Verzögerung umgesetzt werden. Zwei von drei Bundesbürgern (67 Prozent) sind der Ansicht, das Milliardenpaket müsse so schnell wie möglich bei den Schulen ankommen.

Bürger wünschen digitalkompetente Lehrer, digitale Lerninhalte und digitale Technik
Schon heute sehen die allermeisten einen großen Nachholbedarf. 86 Prozent sagen, dass Deutschlands Schulen bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich hinterherhinken. Entsprechend groß ist der Wunsch nach Reformen. Nahezu alle Befragten (96 Prozent) meinen, Lehrer sollten verpflichtet werden, sich zu digitalen Themen und Methoden regelmäßig fortzubilden. Knapp neun von zehn (87 Prozent) sind der Ansicht, dass die Digitalisierung ein wichtiger Bestandteil in den Lehrplänen werden sollte. Und drei Viertel (75 Prozent) sagen, die technische Ausstattung der Schulen müsse verbessert werden. Die Waage halten sich die Deutschen, wenn es um die Frage geht, ob zuerst Schulgebäude saniert werden sollten, bevor in die Digitalisierung investiert wird. 48 Prozent sagen ja – und 50 Prozent nein.²

¹Rheinische Post ²Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM)

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