Schwesigs Pflege-Darlehen erweist sich als Flop

Familienpflegezeit: Konflikte in Unternehmen sind vorprogrammiert

Schwesigs Pflege-Darlehen erweist sich als Flop

Das geht aus der Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor, die der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ vorliegt. Seit Anfang 2015 haben Pflegende die Möglichkeit, für bis zu sechs Monate aus dem Beruf auszusteigen (Pflegezeit) oder bis zu 24 Monate verkürzt zu arbeiten (Familienpflegezeit). Für beide Varianten können sie zur Unterstützung ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragen.

Während der kürzeren Pflegezeit beantragten 119 Personen und während der längeren Familienpflegezeit 123 Personen ein zinsloses Darlehen im Jahr 2015, so das Papier. Dies lasse jedoch keinen Rückschluss auf die Anzahl der tatsächlichen Freistellungen zu, schreibt das Ministerium. Schwesig schätzt ihre Zahl auf etwa 6000. „Der Erfolg lässt weiter auf sich warten. Die Inanspruchnahme bleibt weit unter den prognostizierten Zahlen“, kritisierte dagegen Grünen-Politikerin Elisabeth Scharfenberg. Rheinische Post

Schwesig zieht positive Bilanz zu Familienpflegezeit – Bislang 6000 Nutzer – Neues Pflegetelefon angekündigt

Das seit Jahresbeginn geltende Gesetz zur Familienpflegezeit hat sich nach Einschätzung von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) gut bewährt. Das gelte insbesondere für die bezahlte Auszeit von bis zu zehn Tagen, um im Notfall eine Pflege zum Beispiel für die Mutter zu organisieren, sagte Schwesig der „Saarbrücker Zeitung“ (Montag-Ausgabe). „Seit Jahresbeginn haben nach unseren Schätzungen rund 6000 Personen diese Möglichkeit genutzt“, so Schwesig. Dafür seien zwei Millionen Euro aufgewendet worden.

Auch von der Möglichkeit, für sechs Monate ganz aus dem Beruf auszusteigen oder bis zu 24 Monate verkürzt zu arbeiten, werde „in einem großem Umfang“ Gebrauch gemacht. Nach Schwesigs Angaben haben dafür bislang allerdings nur 313 Personen ein entsprechendes Darlehen in Anspruch genommen. „Aber das sagt gar nichts, denn die wenigsten beantragen ein Darlehen“, erläuterte die Ministerin.

Zur weiteren Verbesserung der Unterstützung pflegender Angehöriger kündigte die Ministerien ein neues Pflegetelefon an. „Angehörige, die selber pflegen, können sich ab 1. Januar telefonisch Rat holen, wenn sie in einer schwierigen Situation sind, wenn es wegen der Pflege Probleme in der Familie gibt, oder eine seelische Überlastung droht“, sagte die SPD-Politikerin. Unter der Nummer 030 20179131 könnten sich Interessenten dann von Montag bis Donnerstag zwischen Neun und 18 Uhr informieren. „Auf Wunsch vertraulich und anonym“, so Schwesig. Saarbrücker Zeitung

Familienpflegezeit: Konflikte in Unternehmen sind vorprogrammiert

ZQP-Umfrage zeigt: Vor allem kleinere Betriebe zweifeln an der Umsetzbarkeit der Gesetzesänderungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege

Das seit Jahresbeginn geltende Gesetz zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf soll günstige Rahmenbedingungen für pflegende Berufstätige schaffen. Die Mehrheit der deutschen Unternehmen sieht die neuen gesetzlichen Regelungen allerdings skeptisch, wie eine repräsentative Befragung der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) unter Personalentscheidern ergab. Vor allem an der Praktikabilität gibt es erhebliche Zweifel.

So schätzen 63 Prozent die Arbeitszeitreduzierung im Rahmen einer Familienpflegezeit in ihrem Unternehmen als schlecht umsetzbar ein. Auch bei der nun möglichen Freistellung zur Sterbebegleitung naher Angehöriger ist die Mehrheit der Befragten dieser Ansicht (53 Prozent). Selbst die Umsetzbarkeit einer maximal 10-tägigen Auszeit mit Zahlung eines „Pflegeunterstützungsgelds“ durch die Pflegekasse empfindet immerhin noch ein Drittel der Unternehmen als problematisch. Dabei wird deutlich: Je länger die mögliche Freistellung andauert, desto kritischer sehen die Unternehmen die geplanten Maßnahmen.

Besonders kleinere Unternehmen (16 bis 49 Mitarbeiter) fühlen sich der Untersuchung zufolge außer Stande, den vorübergehenden Ausfall eines Mitarbeiters zu kompensieren. „Für kleinere Betriebe bedarf es zusätzlicher Unterstützungen, ansonsten sind Konflikte vorprogrammiert. Aber letztlich muss auch für sie gelten: die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ist keine Bonusleistung, sondern angesichts der vielfältigen Veränderungen am Arbeitsmarkt eine Notwendigkeit“, sagt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP.

Trotz aller Bedenken gegenüber den neuen Regelungen halten es 76 Prozent der befragten Unternehmen für wichtig bzw. sehr wichtig ihre Mitarbeiter bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege gezielt zu unterstützen. Allerdings macht der Großteil der Unternehmen (72 Prozent) weder Angebote zur besseren Vereinbarkeit, noch planen sie solche in Zukunft. Bei den Unternehmen, die bereits solche Angebote vorhalten (20 Prozent), dominieren allgemeine Maßnahmen zur flexiblen Arbeitsgestaltung, wie freie Arbeitszeiteinteilung oder individuelle Absprachen. 39 Prozent der Unternehmen sehen dementsprechend keine Notwendigkeit für eine Unterscheidung zwischen personalpolitischen Maßnahmen für pflegende Familienangehörige und für Eltern minderjähriger Kinder.

„Die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege hat zwar in vielen Unternehmen an Bedeutung gewonnen, jedoch zeigt unsere Untersuchung, dass noch ein weiter Weg zu gehen ist. Führungskräfte müssen viel stärker als bisher für das Thema sensibilisiert werden. In einem Großteil der Unternehmen fehlt noch eine pflegesensible Kultur“, so Suhr. Pflegende Angehörige bräuchten aber Wertschätzung, Anerkennung und vor allem Verständnis für ihre Situation.

Dies bestätigt auch eine im Januar durchgeführte ZQP-Befragung in der erwerbstätigen Bevölkerung. Gefragt nach der Ursache, warum pflegende Angehörige nicht offen im Arbeitsumfeld mit ihrer Situation umgehen, nannte die überwiegende Mehrheit die Angst um den Arbeitsplatz oder vor beruflichen Nachteilen.

Hintergrundinformationen zur Studie

Die vorliegenden Studienergebnisse basieren auf einer anonymen Umfrage unter deutschen Unternehmen mit 16 oder mehr Mitarbeitern, in deren Rahmen bei 200 Entscheidern aus dem Bereich Personal Einstellungen zum Thema „Vereinbarkeit von Pflege und Beruf“ erfragt wurden. Die Befragung wurde in der Zeit vom 27. November bis 10. Dezember 2014 mittels computergestützter Telefoninterviews durchgeführt.

Die Vergleichswerte zu den Einstellungen der Erwerbstätigen stammen aus einer im Januar veröffentlichten, repräsentativen ZQP-Bevölkerungsumfrage zum gleichen Themenfeld (Presseinformation vom 5.1.2015). Torben Lenz

DasParlament

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