Selbstgeisselung: SPD missachten Stimmung im Land

Weil: Finde Verhalten von Seehofer und Söder "widerlich"

Selbstgeisselung: SPD missachten Stimmung im Land

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat das Verhalten der CSU im Unionsstreit scharf kritisiert. „Seehofer und Söder haben hemmungslos das Geschäft der AfD betrieben. Ich finde das widerlich“, sagte er dem Berliner „Tagesspiegel am Sonntag“. Er sei „stocksauer“ auf die CSU, die das Ansehen der Bundesregierung nachhaltig beschädigt habe, sagte Weil.

Die SPD hingegen habe sich in der Zeit des Unionsstreits „maximal verantwortungsbewusst“ verhalten, „bis an die Schmerzgrenze und darüber hinaus“. Weil warnte aber auch: Das könne die Union der deutschen Sozialdemokratie nicht noch einmal zumuten. Der Tagesspiegel

Debatte über Benachteiligung

Wenn jemand sich über ein grundsätzliches Problem empört, und man will ihm den Wind aus den Segeln nehmen, fragt man gern nach einem ganz konkreten Beispiel. Oft erwischt das den Beschwerdeführer auf dem falschen Fuß. Diese Taktik wirkt gegenüber den Tausenden, die derzeit unter dem Hashtag #MeTwo Benachteiligung, Diskriminierung oder auch Alltagsrassismus in Deutschland kritisieren, nun gar nicht. Denn an konkreten Erfahrungen mangelt es ihnen nicht. Kleine Geschichten über Zurücksetzung, Entmutigung, unfaire Behandlung fluten geradezu das Internet.

Diese Menge kann überraschen, aber sie müsste es nicht. Erst im vergangenen Sommer hieß es in einer Erhebung für die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, dass fast jeder Dritte in Deutschland in den beiden Jahren zuvor mindestens einmal Diskriminierung erfahren habe – etwa aufgrund von Herkunft, Geschlecht, Religion oder Behinderung. Frauen, Homosexuelle und Muslime seien besonders betroffen gewesen. Mit 41 Prozent spielten demnach die meisten Fälle im Arbeitsleben. Eine beim Institut zur Zukunft der Arbeit erschienene Studie aus dem Jahr 2012 hatte ergeben, dass allein die Angabe eines türkischen Namens ausreiche, um die Chance auf ein Vorstellungsgespräch um 14 Prozent zu senken – in kleineren Unternehmen sogar um 24 Prozent. Die Reaktion auf #MeTwo sollte also nicht mehr lauten: »Stell dich nicht so an!«, sondern vielmehr: »Erzähl weiter!« Und eine Konsequenz sollte die Frage sein, was man gemeinsam besser machen kann.

So betreffen nicht wenige der Schilderungen die Schullaufbahn von Ausländerkindern – wie man früher sagte. Da muss man von Lehrern, Nachbarn, Behördenvertretern lesen, die talentierte Schüler eben nicht ermutigt, sondern ausgebremst haben. Ob das Ganze aufgrund von Gedankenlosigkeit oder Überheblichkeit, Dummheit oder Gemeinheit geschah, kann man nur vermuten. Die Erinnerungen stammen nicht selten von heute beruflich dennoch sehr erfolgreichen Menschen. Und sie handeln davon, wie sie als Kinder unterschätzt wurden, weil man ihnen und ihren Eltern nichts zutraute. Nun ist es keine neue Erkenntnis, dass unser Schulsystem einen Mangel an sozialer Durchlässigkeit aufweist. Aber dieses Wissen ist abstrakt, und die #MeTwo-Schilderungen sind konkret. Und sie zwingen den Leser, die Perspektive zu wechseln: Wenn er auf Aussehen oder Herkunft reduziert worden wäre – was hätte er empfunden? #MeTwo meint auch: Sag mir, was du fühlst! Wer all das liest, hat eine Ahnung, warum die Vielfalt der Gesellschaft in vielen Branchen nicht angemessen durch Menschen abgebildet wird, deren Eltern nicht aus Deutschland stammen. Reden wir drüber – nicht nur im Netz! Westfalen-Blatt

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