Sozialverband fordert Konsequenzen aus Rentenlücke zwischen Männern und Frauen

VdK-Präsidentin Bentele drängt auf Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit für alle

Sozialverband fordert Konsequenzen aus Rentenlücke zwischen Männern und Frauen

Mehr als jeder fünfte Rentner könnte künftig ins Armutsrisiko rutschen: Das klingt dramatisch. Wenn eine solche Botschaft auch noch mit dem Siegel der doch so seriösen Bertelsmann-Stiftung verbreitet wird, erhält sie zusätzliches Gewicht. Werden wir also alle im Alter am Hungertuch nagen? Nun mal langsam. Gerade einmal jeder 33. Rentner bezieht nach Zahlen des Arbeitgeberverbands tatsächlich Leistungen aus der Grundsicherung.

Selbst bei einem Anstieg dieser Quote und wären die allermeisten Rentner auch in Zukunft anständig versorgt. Wer die Rentner der Zukunft gut abgesichert wissen will, der muss die Arbeitnehmer von heute stärken. Je weniger Menschen ohne Schul- oder Berufsabschluss bleiben, desto weniger Niedriglohnempfänger wird es geben. Mit zehn Euro Stundenlohn kann sich nun einmal selbst der Fleißigste keine gute Rente sichern. Es ist im Übrigen Sache der Gewerkschaften, auch in diesem Sektor für eine bessere Bezahlung zu streiten. Menschen, die im Alter wirklich arm sind, benötigen die Fürsorge des Staates. Für staatliche Panik-Programme aber besteht kein Anlass.¹

Angesichts der deutlichen Lücke zwischen den Renten von Männern und Frauen fordert der Sozialverband VdK Deutschland eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie ein Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit für alle Beschäftigten. VdK-Präsidentin Verena Bentele reagierte damit in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ auf eine Untersuchung der Universität Mannheim und der niederländischen Tilburg University. Danach erhalten Frauen im Durchschnitt 26 Prozent weniger gesetzliche Rente als Männer.

Die VdK-Präsidentin betonte, Familienarbeit sei auch heutzutage noch in erster Linie Frauenarbeit. Viele Mütter wollten gerne mehr arbeiten, um auch im Alter gut abgesichert zu sein. „Doch alle, die aktuell auf der Suche nach einem Kitaplatz sind, wissen, wie schwierig das Unterfangen ist. Letztendlich landen deswegen vor allem Frauen häufig in der Teilzeitfalle.“ Bentele forderte vor diesem Hintergrund, die Ganztagesbetreuung in Kitas schnellstmöglich auszubauen. „Zudem braucht es flexiblere Arbeitszeitmodelle als bisher und ein Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit für alle. Es kann nicht sein, dass dieses Recht abhängig ist von der Größe des jeweiligen Unternehmens. Hier besteht dringend Handlungsbedarf.“

Hintergrund: Kleine Unternehmen mit bis zu 45 Beschäftigten sind von der sogenannten Brückenteilzeitregelung ausgenommen. Um diese Arbeitgeber nicht zu überfordern, gibt es für deren Beschäftigte keinen Rechtsanspruch auf befristete Teilzeit. Für Unternehmen von 46 bis zu 200 Mitarbeitern gilt eine Zumutbarkeitsgrenze: Hier muss pro 15 Beschäftigten nur jeweils einem Antrag auf befristete Teilzeit entsprochen werden.²

¹Westfalen-Blatt ²Neue Osnabrücker Zeitung

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