Ende der Iran-Sanktionen

Mächtige Gegner

Ende der Iran-Sanktionen

Wohin werden wirtschaftlicher Aufschwung und erstarkendes Selbstbewusstsein den von Mullahs regierten Staat nach dem Ende der Abschottung führen? Drohen neue Risiken durch einen weiteren Verfall des Ölpreises, wenn das Land den engen Markt mit seinem schwarzen Gold flutet? Wie viel von Irans neuen Milliarden wird in dunkle Kanäle zur Finanzierung von Krieg und Terror fließen? Die Antworten auf solche Fragen werden nicht lange auf sich warten lassen, und sie verdienen es, genau beobachtet zu werden.

An ihnen wird sich erweisen, ob die Hoffnung berechtigt ist, dass der Iran in die Weltgemeinschaft zurückkehrt. Vor allem an der Rolle, die das Mullah-Regime bei den internationalen Friedensbemühungen für Syrien übernimmt. Aktuell mag der Iran als schönes Beispiel dafür herhalten, dass sich langer Atem in der Diplomatie auszahlt. Die Lösung des Syrien-Konflikts aber kann kein Jahrzehnt lang dauern. Martin Bewerunge Rheinische Post

Iran muß Vertrauen aufbauen

So spartanisch gibt sich das Wiener Protokoll selten. Fast konnte man den Eindruck haben, die angereisten Chefdiplomaten wollten ihre Großtat möglich klein spielen. Spät in der Nacht verlasen die Außenminister von EU, USA und Iran ihre Kommuniqués und gingen dann rasch ihrer Wege. Denn die Beteiligten wissen, dass ihre Umwälzungen mächtige Gegner haben, in den USA, im Nahen Osten und nicht zuletzt im Iran selbst. Israel sieht sich von der persischen Atomkompetenz bedroht. Saudi-Arabien rebelliert gegen die wirtschaftliche Potenz und das Hegemoniestreben des Erzrivalen am Persischen Golf.

Doch auch die Sanktionsgewinner und Hardliner in Teheran treiben Sorgen um. Sie fürchten finanzielle Einbußen und eine Liberalisierung der Gesellschaft, die ihrem Machtanspruch gefährlich werden könnte. Sie ahnen, dass sich der Wind bald drehen könnte. 70 Prozent der 78 Millionen Iraner sind jünger als 30 Jahre und kennen Staatsgründer Ayatollah Khomeini nur noch vom Hörensagen. Trotzdem sind in dem ausgeblichenen Gottesstaat die Aussichten auf eine demokratische Öffnung besser als im Rest des Nahen Ostens. Irans Zivilgesellschaft ist entwickelter als alle arabischen Konkurrenten. Die Bevölkerung ist gebildet, belesen und diszipliniert. Irans junge Leute gehören zu den talentiertesten der Region. Sie wissen, was sie wollen. Und sie sind sicher, dass bald ihre Zeit kommen wird. Südwest Presse

Als vollwertiges Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft wird von der Regierung in Teheran jetzt erwartet, dass sie konstruktiv an der Lösung der vielen Konflikte im Nahen Osten mitarbeitet. Nach Jahren der Isolation dürfen von Iran keine Wunderdinge erwartet werden. Der Atom-Deal ist weiterhin höchst zerbrechlich. Um Obamas größten außenpolitischen Erfolg zu konsolidieren, müssen jetzt weitere Schritte zwischen Washington und Teheran folgen. So darf der Gesprächsfaden nicht abreißen. Dies gilt auch für Europa, das mehr tun muss, als mit dem Iran nur gute Geschäfte zu machen. Nach Jahren des tiefen Misstrauens muss Vertrauen aufgebaut werden. Dies ist die Aufgabe der Politik und nicht der Wirtschaft. Michael Wrase Badische Zeitung

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