Ausgang der US-Wahl

Biden holt den Sieg

Ausgang der US-Wahl

Kein neu gewählter Präsident kann Wunder wirken. Doch der 77-jährige Biden hat immerhin seine erste wichtige Mission schon messerscharf im Blick. Er muss Land und Leute zur Besinnung bringen, eine neue Normalität entstehen lassen, die Stimmung insgesamt kooperativer machen. Damit hilft Biden den aufgepeitschten USA – und der ganzen Welt.¹

Man hat das weltweite Aufatmen fast hören können. Joe Biden hat die Präsidentschaftswahlen in der USA_am Ende eindeutiger gewonnen, als zunächst erkennbar war. Die Tage des Voldemort im Weißen Haus sind glücklicherweise gezählt. Daran werden auch die Rechtsstreitigkeiten um die Briefwählerstimmen nichts mehr ändern, die Donald Trump schon vom Zaum gebrochen hat und denen er aller Wahrscheinlichkeit nach weitere folgen lassen wird. Die Ungeheuerlichkeit, das Grundprinzip der Demokratie nicht anzuerkennen, das sich in der Formel „One man, one vote“ verdichtet, ist in den vergangenen Tagen vielfach beschrieben worden. Dass Trump am 20. Januar das Weiße Haus räumen muss, wird aber auch kein durch und durch konservativ besetzter Supreme Court mehr ändern. Trumps unsägliches Verhalten ist gleichwohl kein Beleg dafür, dass ihm nun jeglicher Realitätssinn abhandengekommen wäre. Nach der verlorenen Wahl hat er noch einiges mehr zu verlieren – Strafprozesse und Steuerverfahren. Außerdem kennt der Mann nichts anderes als Kämpfen bis zum Letzten und schmutzige Deals.

Alle Hoffnungen ruhen nun auf Joe Biden und der neuen Lichtgestalt Kamala Harris, der ersten farbigen Vizepräsidentin. Zeit zum Feiern bleibt den beiden nicht. Hypothek Nr. 1: Die Eindämmung der Corona-Pandemie und den Einbruch der amerikanischen Wirtschaft aufzuhalten, sind schon jetzt eine Riesen-Herausforderung. Wie sie in dem politischen Vakuum bis zur Amtseinführung am 20. Januar zu beherrschen wären, entzieht sich jeder Fantasie. Hypothek Nr. 2: An Bidens Selbstverständnis, die amerikanische Gesellschaft mit sich selbst aussöhnen zu wollen, ist nicht zu zweifeln. Ob ihm das gelingen kann, ist aber noch nicht auszumachen. Das hängt im Wesentlichen davon ab, wie sich die Republikaner sortieren, wenn Trump nur noch ein Untoter in der medialen Parallelwelt sein wird. Der Ausgang des bevorstehenden Richtungsstreits in der „Grand Old Party“ wird auch nur zum Teil davon abhängen, wie die endgültigen Mehrheitsverhältnisse im Senat aussehen werden. Trump hat den Republikanern mit seinem Testosteron-Gehabe und seinen Hass-Botschaften viel zu erfolgreich neue Wählerschichten unter Latinos, Schwarzen und anderen Minderheiten erschlossen, die der Starker-Mann-Attitüde erliegen. Schließlich hat diese Polarisierung beiden Kandidaten soviele Wählerstimmen für ihre Parteien wie nie zuvor beschert. Daraus nährt sich die These, dass der Trumpismus mit der Niederlage Donald Trumps noch lange nicht erledigt ist.²

¹Mitteldeutsche Zeitung ²Allgemeine Zeitung Mainz

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