Berlin könnte Kriegsschulden wie normalen Kredit behandeln

Vertrauen nimmt ab - Griechische Drohung ist nur Ablenkung

Berlin könnte Kriegsschulden wie normalen Kredit behandeln

Tricksereien, Beleidigungen, Betrug und zuletzt auch Drohungen: Die schrillen Töne aus Griechenland reißen nicht ab. Nach der Drohung, Hunderttausende Flüchtlinge in andere EU-Länder ziehen zu lassen, droht Athen nun damit, deutsches Eigentum in dem Krisenstaat zu pfänden. Wieder einmal. Es geht um die Frage der Weltkriegs-Reparationen, die eigentlich schon längst geklärt ist.

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Bleibt Griechenland auf diesem konfrontativen Kurs, vergrätzt es die Geberländer immer mehr. Erst vor zwei Wochen hat der Bundestag mit großer Mehrheit für eine Verlängerung der Hellas-Hilfen gestimmt. Zweifler gab es viele, Nein-Stimmen nur wenige. Das könnte bei der nächsten Abstimmung jedoch ganz anders aussehen, schließlich verliert Griechenland von Tag zu Tag mehr Vertrauen.

Daran ist es aber auch selbst Schuld. Man wünscht sich, dass das Land die gleiche Energie, die es darin steckt, die Euro-Länder zu linken, in die notwendigen griechischen Reformen, das Eintreiben von Steuern und vernünftiges Wirtschaften steckt. Davon ist jedoch nicht viel zusehen. Somit wirkt die Drohung in Richtung Deutschland wie ein innenpolitisches Ablenkungsmanöver – das wiederum die griechischen Bürger linkt. Noch dem Motto: Wenn andere die Schuld haben, dass es Griechenland schlecht geht, rückt die Unfähigkeit von Parteien und Regierung in den Hintergrund. Der Krisenstaat muss vorsichtig sein, um die angeschlagene Beziehung zu Deutschland und den anderen Euro-Staaten nicht endgültig zu zerstören. Er sollte die Verhandlungen über Hilfszahlungen nicht mit der Forderung nach Reparationen verknüpfen. Glücklicherweise gibt es in Griechenland auch Stimmen, die das ebenfalls so sehen, etwa in den Reihen der Sozialdemokratie. Diese war in der vorhergehenden Regierung vertreten – und womöglich findet sie dort auch wieder einen Platz, wenn die Politik der schrillen Töne ins Leere läuft. – Thüringische Landeszeitung, Leitartikel von Matthias Benkenstein zur aktuellen Entwicklung in der griechischen Schuldenkrise

Zukunftsfonds statt Reparationen Zu den finanziellen Forderungen Griechenlands an Deutschland

70 Jahre nach Kriegsende erscheinen Forderungen nach Reparationen absurd. Irgendwann muss mal Schluss sein mit der Abrechnung, sonst würden wegen Napoleon noch heute in Europa Schuldtitel hin- und hergeschickt. Aber Vorsicht. Zeit allein ist kein Gegenargument im Fall Griechenland. Auch die Zwangsarbeiter werden erst seit dem Jahr 2000 entschädigt. Berlins lakonisches Nein zu den Forderungen aus Athen ist auf seine Art so schrill wie Tsipras‘ Reden. Mag Deutschland auch rechtlich die Argumente auf seiner Seite haben, eine moralische Pflicht bleibt doch. Erstens haben die Deutschen in Hellas gewütet wie kaum in einem anderen Land, zweitens ist Griechenland bei den bisherigen Entschädigungen sehr knapp weggekommen, auch dank deutscher Tricksereien, und drittens gibt es eine Besonderheit: den damaligen Zwangskredit von fast 500 Millionen Reichsmark.

Berlin muss nicht, aber es könnte diese Schulden wie einen ganz normalen Kredit behandeln, der noch zurückgezahlt werden muss. Selbst die Nazis hatten das offenbar vor. Allerdings sollte dieses Geld, mit Zinseszins bis zu zehn Milliarden Euro, nicht im griechischen Schuldenloch versickern. Ein gemeinsam verwalteter deutsch-griechischer Zukunftsfonds wäre die richtige Alternative. Zehn Milliarden für Bildungsprojekte, Infrastrukturmaßnahmen oder als Starthilfe für Firmen. Vielleicht konzentriert auf jene Dörfer und Regionen, in denen die Deutschen ihre schlimmsten Massaker veranstalteten. Das wäre auch 70 Jahre danach noch ein nach vorne gerichtetes Zeichen tätiger Wiedergutmachung. Leider wird eine solche Lösung wohl erst möglich sein, wenn Tsipras aufgehört hat, mit dem Thema böse Stimmung zu machen. – Lausitzer Rundschau

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