Blinder Macron: Gelbwesten kommen aus der unteren Mittelschicht, die Angst vorm sozialen Absturz hat

Die Politik der Massen

Blinder Macron: Gelbwesten kommen aus der unteren Mittelschicht, die Angst vorm sozialen Absturz hat

Es ist soweit: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, den bisher nichts und niemand von seinem Weg abzubringen schien, ist eingeknickt. In die Knie gezwungen von den „Gelbwesten“, einer wilden Protestbewegung, die vor allem eines eint: ihre Wut auf „die da oben“. Und ganz besonders auf Macron. Der ist daran nicht ganz unschuldig. So überzeugt war er davon, den richtigen Reformplan für sein Land im Kopf zu haben, dass er blind wurde für die Auswirkungen seiner Politik.

Macron wollte Frankreich im Eiltempo fit machen für die Zukunft, doch dabei übersah er, dass es die Gegenwart ist, die Millionen seiner Landsleute tiefe Sorgen bereitet. Viele Franzosen empfinden ihre Existenz als einen täglichen Kampf ums Überleben, und die soziale Schlagseite von Macrons Politik, die sie anprangern, ist real. Der junge Präsident macht eine Politik für das urbane Frankreich und für jene, die sich Umweltschutz auch leisten können. Sein Ziel bleibt zwar richtig: Frankreich braucht die Reformen, die er angestoßen hat. Aber es braucht auch einen Reformer, der die Menschen auf diesem harten Weg mitnimmt.¹

Der französische Soziologe Michel Wieviorka hält die protestierenden Gelbwesten für „weder revolutionär noch reaktionär“ und in keiner Weise politisch motiviert. „Es sind Menschen, die sich dagegen wehren, dass Macron sie die Zeche zahlen lässt für seinen Umbau der verkrusteten französischen Gesellschaft und Wirtschaft“, sagte Wieviorka der Tageszeitung „neues deutschland“. In den Protestierenden erkennt der Soziologe nicht die Ärmsten der Armen, sondern die untere Schichten der Mittelklasse. „Es sind Leute, die bisher mit ihrem Einkommen einigermaßen ausgekommen sind, die jetzt aber an der Schwelle zur Verarmung und zum sozialen Absturz stehen und die davor Angst haben.“

Dabei ist die Bewegung keinesfalls geeint, glaubt Wieviorka, der an der Pariser Hochschule für Sozialstudien zu (Jugend-)Gewalt, Terrorismus, Rassismus und Sozialen Bewegungen forscht und lehrt. Stattdessen sieht er die Möglichkeit, „dass sich die Bewegung aufsplittet in eine gemäßigte Minderheit, die Verhandlungsbereitschaft zeigt, und eine Mehrheit, die stur bleibt, die jedes Zugeständnis von Macron als unzureichend zurückweist und die sich immer mehr radikalisiert.“ Für Frankreich könnten sich die Massenprotesten „katastrophal“ auswirken: „Vor allem hat all das einen extrem negativen Einfluss auf Macrons Wirken für eine Reform des Europaprozesses, für konstruktive Beziehungen zu den USA, Russland und China, für den Kampf gegen den Terrorismus und die Lösung internationaler Konflikte. Wer im eigenen Land nicht für Ruhe, Ordnung und Harmonie sorgen kann, von dem nimmt doch niemand Ratschläge an.“²

Weidel: Wir können von den Gelbwesten lernen

Zu den Protesten der sogenannten Gelbwesten in Frankreich erklärt die AfD-Fraktionsvositzende Alice Weidel:

„Die Massenproteste in Frankreich sind das Ergebnis einer bürgerfeindlichen Politik. Einer Politik, die sich vor allem gegen die arbeitende Mittelschicht wendet.

Bislang beschränken sich die Proteste noch im Wesentlichen auf Frankreich, das Problem betrifft hingegen die gesamte EU.

Eine abgehobene politische Klasse von Eurokraten regiert von Ideologie getrieben über die Köpfe der Leistungsträger hinweg.

Diejenigen, die jeden Morgen aufstehen und ihr Leben lang arbeiten, müssen einen immer größeren Teil ihres Einkommens für Elfenbeinturmprojekte, wie eine völlig entgrenzte Massenzuwanderung, eine ausufernde EU-Bürokratie sowie eine ineffiziente und verkorkste Energiewende abgeben. Als Dank dafür bleibt ihnen am Ende eine Rente auf Sozialhilfeniveau in einem Land ohne Innere Sicherheit, ohne bezahlbaren Wohnraum und funktionierende Infrastruktur.

Verwunderlich ist es nicht, dass die Gelbwesten dagegen zu Hundertausenden in Frankreich auf die Straße gehen. Verwunderlich ist, dass sie es hier noch nicht tun.“³

Matthias Bermann – Rheinische Post ²neues deutschland ³AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag

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