Blutiger Palmsonntag für Christen in Ägypten / IS treibt Auslöschung

Ägypten: Viele Tote bei Explosion in Kirche

Die christlichen Feiertage sind ein begehrtes Ziel für islamistische Terroristen – besonders Weihnachten und Ostern. Sind sie doch das Herz des Christentums. An diesen Tagen gehen die meisten Gläubigen in die Kirche und sind am stärksten verwundbar. So hatten Kopten in Ägypten schon vor Wochen davor gewarnt, dass die Terrorgefahr für sie zum Ende der Fastenzeit steigt.

Blutiger Palmsonntag für Christen in Ägypten / IS treibt Auslöschung

Doch während in Kairo die koptische Kathedrale, die an Weihnachten einen Anschlag erlitt, seitdem verstärkt überwacht wird, geht es in anderen Landesteilen eher nachlässig zu. Verständlich, ja sogar unmöglich, da nicht alle Gottes-häuser im gesamten Nilland geschützt werden können. Es sind einfach zu viele. Dass allerdings die Kathedrale in Alexandria Ziel eines Angriffs wurde, als auch noch der koptische Papst, der sonst in Kairo weilt, zu Gast war, wirft schon erhebliche Fragen bezüglich der Effizienz und dem Willen der Sicherheitskräfte auf. Ägyptens Präsident Abdul Fattah al-Sisi ist vor fast drei Jahren angetreten mit dem Versprechen, seine Bürger schützen zu wollen – alle, wie er sagte, auch die Kopten. Dass er das nicht schafft, haben die Anschläge vom Sonntag erneut bewiesen. Birgit Svensson – Weser-Kurier

Drei Jahre litten die koptischen Christen in Ägypten zwar unter alltäglicher Diskriminierung. Ansonsten war es relativ ruhig. Doch seit dem vergangenen Dezember und erst recht seit diesem blutigen Palmsonntag sind Terror und Angst zurück. Dem Diktator Abdel Fattah al-Sisi kann man aus den Anschlägen direkt keinen Vorwurf machen. Allerdings muss sich der Westen fragen, ob es gut ist, angesichts der Unterdrückung der Meinungsfreiheit in Ägypten, unter der gerade Journalisten leiden, einfach die Augen zu schließen. Das tat der Westen schon jahrzehntelang bei Husni Mubarak, Diktator bis 2011 – und verspielte so einen Großteil seiner Glaubwürdigkeit. Mubarak ist dank Sisi seit kurzem wieder frei. Man kann es von Papst Franziskus nicht verlangen, aber vermutlich wird er trotz der Anschläge an seinen Ägypten-Reiseplänen festhalten. Ob dies auch die Touristen tun, ist fraglich. Allein aus Deutschland wurde 2017 vor den Anschlägen mindestens eine Million erwartet – 400.000 mehr als 2016. Die damit verbundenen Devisen bräuchte Ägypten dringend. Westfalen-Blatt

Zu Beginn der Karwoche fanden am heutigen Palmsonntag zwei Gottesdienste in den beiden nordägyptischen Städten Tanta und Alexandria ein jähes Ende. Sprengsätze rissen jüngsten Meldungen zufolge über 40 Menschen in den Tod. Die Anschläge reihen sich ein in eine Serie tödlicher Angriffe auf Christen in dem Land am Nil. Das überkonfessionelle christliche Hilfswerk Open Doors befürchtet, dass die Bluttaten vom Palmsonntag noch nicht das Ende der Gewalt gegen Christen sein werden. Am 20. Februar hatte der IS in einem Video alle ägyptischen Christen als „Ungläubige“ bezeichnet, die sterben müssten. „Kairo wird befreit werden“, hieß es dort unter anderem. Im Januar und Februar wurden auf dem Nordsinai sieben Christen kaltblütig in ihren Wohnungen ermordet.

Wegen der Zunahme der Gewalt und der Ankündigung weiterer Bluttaten auf dem Nordsinai flohen fast alle Christen aus der Stadt Al Arish. Open Doors bittet um Gebet für die Familien der Angehörigen. Nach Einschätzung von Open Doors sollen Anschläge wie am heutigen Palmsonntag die Christen in Angst und Schrecken versetzen und womöglich gewaltsame Gegenreaktionen provozieren. Doch trotz des großen Leids, das die ägyptischen Christen immer wieder erleben müssen, reagieren sie nicht mit Hass und Gewalt. Stattdessen setzten sie nach dem letzten Attentat auf eine Kairoer Kirche am 11. Dezember 2016 (29 Tote) ein besonders Zeichen: „Heute Nacht haben wir in unserer Kirche für die gebetet, die die Bombe in der Kirche versteckt haben. Wir Christen in Ägypten beten für unsere Verfolger, damit sie Jesus kennen lernen.“ Die Christen in Tanta und Alexandria stehen derzeit vor denselben Herausforderungen.

Dazu Markus Rode, Geschäftsführer von Open Doors Deutschland: „Wir sind zutiefst betroffen über das Leid der vielen Opfer der Anschläge. Es gibt kaum Worte die zu trösten vermögen außer der Gewissheit, dass die ermordeten Christen jetzt bei Jesus sind, den sie in ihrem Leben und ihren Gottesdiensten bezeugt haben. Bitte beten Sie mit uns für die Angehörigen der Opfer um Heilung der inneren und äußeren Wunden und um die Kraft, den irregeleiteten Tätern zu vergeben.“ Open Doors Deutschland e.V.

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