Ende der Ein-Kind-Politik in China

Fragliche Kehrtwende

Ende der Ein-Kind-Politik in China

Im Land des Lächelns war manchen Frauen lange Zeit gar nicht zum Lächeln zumute. Die jahrzehntelange Ein-Kind-Politik wurde rigoros durchgesetzt – Strafen und Zwangsabtreibungen inklusive. Millionen Kinder leben illegal, weil ihre Eltern gegen die offizielle Politik verstoßen haben. Dass die kommunistische Führung nun eine Kehrtwende macht, hat weniger mit einer menschlicheren Familienpolitik zu tun. Das Land braucht dringend Nachwuchs.

Doch ob sich der Plan erfüllen lässt, ist fraglich. Bereits vor der Ein-Kind-Politik gebaren Frauen weniger Kinder. Der steigende Wohlstand spielt eine Rolle, sagen Demografie-Experten. In den Köpfen der Chinesen ist das eine Kind – Jungen bevorzugt – normal. Das zeigen schon die Lockerungen seit 2013. Nur etwa jedes zehnte berechtigte Paar meldete sich, um überhaupt ein zweites Kind bekommen zu dürfen. Katja Dörn Thüringische Landeszeitung

Chinas geplante Kinder

Chinas Abkehr von der seit 1979 geltenden Ein-Kind-Politik kommt nicht ganz überraschend. Schon vor zwei Jahren waren die Bestimmungen erstmals offiziell gelockert worden, und angesichts vieler Ausnahmen war zuletzt nach Schätzungen von Experten ohnehin nur noch rund ein Drittel der chinesischen Paare vom staatlichen Geburtenverbot betroffen. Dessen negative Folgen sind inzwischen unübersehbar geworden: Die chinesische Gesellschaft vergreist, mit dramatischen Folgen für die soziale Absicherung ganzer Generationen. Weil dem 1,3-Milliarden-Volk der Nachwuchs ausgeht, sollen künftig zwei Kinder erlaubt sein.

Die anfangs mit teils brachialer Gewalt bis hin zu Sterilisierungen und Spätabtreibungen durchgesetzte Geburtenkontrolle sollte China nach dem Willen seiner politischen Chefplaner vor der Verarmung bewahren und seinen ökonomischen Aufstieg sichern. Dafür tickt jetzt eine demografische Bombe. Das Recht auf Fortpflanzung in Fünf-Jahres-Pläne zu pressen, kollidiert nicht nur mit unserer Vorstellung von Menschenrechten. Es funktioniert auch nicht. Von Matthias Beermann Rheinische Post

Die jahrzehntelange Ein-Kind-Politik in China war mörderisch: Massenweise wurden trotz offiziellen Verbots weibliche Föten abgetrieben, weil zum Familienglück in China männlicher Nachwuchs gehört. Dass sie nun abgeschafft ist, ist freilich kein Bekenntnis zu Menschenrechten, sondern Ausfluss ökonomischer Rationalität. Denn die Ein-Kind-Politik hat zwar wie gewünscht die Geburtenzahlen in China drastisch gedrückt, aber der Erfolg war so durchschlagend, dass das Riesenland heute vor einem noch riesigeren Problem steht: Die Gesellschaft altert dramatisch. Eine vernünftige Altersversorgung aber haben vor allem ärmere Bevölkerungsschichten nie aufbauen können.

Und zur Pflege der greisen Eltern fehlen nun in der nachfolgenden Generation – so zynisch schlägt die mädchenfeindliche Geburtenpolitik zurück – die Schwiegertöchter, die dafür traditionell zuständig sind. Außerdem fürchtet die Staatsführung Unruhe im Land, weil immer mehr Männer keine Frau mehr finden. Jüngst diskutierter Vorschlag: Sie sollten sich doch zu zweit eine Frau teilen. Wie wenig die neue Politik mit Humanität zu tun hat, zeigt sich daran, dass der Staat noch immer massiv in die Familienplanung eingreift. Schluss ist nun nicht bei einem Kind, sondern „erst“ bei zweien. Freiheit sieht anders aus. Sigrun Müller-Gerbes Neue Westfälische

China beendet Ein-Kind-Politik | DW Nachrichten

https://youtu.be/v3maC54jpgw

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