Athen: Wir wollen keine neuen Hilfskredite – Wir brauchen Zeit

Griechenland wird in sechs Monaten ein anderes Land sein

Athen: Wir wollen keine neuen Hilfskredite – Wir brauchen Zeit

Syriza in griechischer Wahlumfrage weit vorn – über 80 Prozent mit neuer Regierung zufrieden

Alexis Tsipras SYRIZA

Das griechische Linksbündnis SYRIZA kann laut einer neuen Umfrage mit 45,4 Prozent der Stimmen rechnen, wenn an diesem Sonntag gewählt würde. Das berichtet die in Berlin erscheinende Tageszeitung „neues deutschland“ unter Berufung auf das griechische Nachrichtenportal News247. Bei der Parlamentswahl vor drei Wochen hatte die Partei von Ministerpräsident Alexis Tsipras 36,3 Prozent erreicht. Die konservative Nea Dimokratia würde von 27,8 auf 18,4 Prozent zurückfallen. Alle anderen Parteien lägen weit abgeschlagen und müssten meist Einbußen hinnehmen. Die viele Jahrzehnte regierende oder mitregierende sozialdemokratische PASOK (2,8 Prozent; -1,9) fiele unter die in Griechenland geltende Drei-Prozent-Hürde. Damit wäre für SYRIZA eine absolute Mehrheit im Parlament möglich.

83,1 Prozent der Befragten finden die Startphase der neuen Regierung „positiv oder eher positiv“, 79,9 Prozent begrüßen das von Alexis Tsipras vorgestellte Regierungsprogramm. Die Arbeit von Finanzminister Yanis Varoufakis wird von 82 Prozent positiv bewertet. neues deutschland

Alexis Tsipras exklusiv im stern: „Wir brauchen Zeit, kein Geld“

„Wir wollen keine neuen Hilfskredite.“ Das sagte Griechenlands neuer Premierminister Alexis Tsipras dem stern. Er steht mitten in den Verhandlungen um die Zukunft seines Landes. Für ein exklusives Interview hat der stern ihn an zwei Tagen im Athener Parlament und in seinem Amtssitz, der Villa Maximos, begleitet. Am morgigen Montag geht es bei den Verhandlungen der Eurogruppe in Brüssel darum, wie es mit dem ewigen EU-Krisenland weitergeht. Tsipras, der 40-jährige Chef vom Chef vom „Bündnis der Radikalen Linken“ (Syriza), ist dialogbereit und optimistisch. „Ich bin für eine Lösung, bei der alle nur gewinnen. Ich will eine Win-Win-Lösung. Ich will Griechenland vor einer Tragödie retten und Europa vor der Spaltung bewahren.“

In der Nacht zum Samstag tagte er mit seinem Kabinett bis in die frühen Morgenstunden. Danach versicherte er: „Statt Geld brauchen wir Zeit, um unsere Reformpläne zu verwirklichen. Ich verspreche Ihnen: Dann wird Griechenland in sechs Monaten ein anderes Land sein.“ Ende Februar läuft das aktuelle Hilfsprogramm aus. Kommt es nicht zu einer Einigung mit den öffentlichen Gläubigern von EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds, stünde Griechenland vor dem finanziellen Zusammenbruch. Das Sozialsystem kann die Opfer der Krise kaum noch auffangen. 1,3 Millionen Menschen sind ohne Job, Hunderttausende haben keine Krankenversicherung mehr. In einem Programm, dass nach den Berechnungen der Wirtschaftsexperten von Syriza zwölf Milliarden Euro kosten soll, will Tsipras die schlimmsten Folgen der Krise sofort lindern. Doch für die Finanzierung ist er auf die Kompromissbereitschaft der übrigen Euro-Staaten angewiesen. Allen voran Deutschland.

Sein kurzes Treffen mit Angela Merkel vor vier Tagen beschrieb Tsipras so: „Ich habe sie als höfliche Frau erlebt. Sie ist nicht so streng, wie man es nach Veröffentlichungen in der Presse von ihr erwartet.“ Vor allem aber schätze er Kanzlerin Merkel als pragmatische Politikerin ein, die nicht daran interessiert sei, Europas Zukunft zu gefährden. „Ich gehe von schwierigen Verhandlungen am Montag aus. Dennoch bin ich voller Zuversicht“, sagte Tsipras mit Blick auf die wegweisende Eurogruppen-Sitzung am Montag im Fall Griechenland. „Ich schöpfe aus der Unterstützung des Volkes meine Kraft.“

Quellenangabe stern.

Laura-Lena Förster, Mirja Hammer, Niels Kruse
stern.de

DasParlament

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