Gasstreit: Russland fordert EU zu Verhandlungsinitiative auf

Zustand von Transit-Pipelines durch Ukraine Besorgnis erregend

Der Ukraine droht im Streit mit dem staatlichen russischen Erdgaskonzern Gazprom über Vorauszahlungen ein Lieferstopp. Gazprom hat am Dienstag gedroht, beim Ausbleiben von Vorauszahlungen innerhalb von zwei Tagen die Gaszufuhr in die Ukraine zu unterbrechen. Shmal betonte gegenüber der NOZ, er sei überzeugt davon, dass es nicht zu einem solchen Lieferstopp kommen werde.

Gazprom

Der Präsident des Verbandes der Öl- und Gasindustrie in Russland, Gennadi Shmal, hat EU-Energiekommissar Maros Sefcovic zu mehr Initiative im russisch-ukrainischen Gasstreit aufgefordert. Shmal sagte in einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Mittwoch): „Die Europäische Union und ihr neuer Energiekommissar sollten sich in dieser Angelegenheit stärker engagieren und mit Russland und der Ukraine zusammenarbeiten.“ Es reiche nicht, dass Sefcovic nur an Gesprächen zur Beilegung des Streits beteiligt sei, sagte Shmal. Vielmehr solle der EU-Kommissar eine Einigung initiieren. „Wir brauchen hier von der EU eine ganz klare Position„, betonte der Spitzenrepräsentant der russischen Öl- und Gasbranche.

Kreml wird Gaslieferungen nicht gegen EU ausspielen

Der Dachverband der russischen Öl- und Gasindustrie schließt aus, dass Russland durch einen Stopp oder eine Verringerung von Gaslieferungen Druck auf die EU ausüben wird. In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstag) sagte der Präsident des Verbandes, Gennadi Shmal, „Russland kann und wird Erdöl- oder Erdgaslieferungen nicht als Instrumentarium des politischen Kampfes einsetzen“. Diese Auffassung vertrete auch der Kreml, fügte der Spitzenvertreter der Branche ausdrücklich hinzu.

Dem Verband der Öl- und Gasproduzenten in Russland gehört unter anderem der staatliche Gasexporteur Gazprom an. Grund für das Tabu sei die große Bedeutung des Öl- und Gasexports für Russlands Staat und Wirtschaft, so Shmal. Er prognostizierte, dass die Ausfuhren auch in den kommenden 20 Jahren Grundlage des russischen Staatshaushalts bleiben würden.

Auch den Erdgastransport durch Pipelines in der kriegsgeschädigten Ukraine hält Shmal für unverzichtbar: „Wir kommen bei der Versorgung Europas nicht ohne die Ukraine aus“, sagte er. Die Ostsee-Pipeline Nord Stream und der geplante Bau einer Pipeline in die Türkei, von der aus das Gas auch nach Südeuropa fließen könne, änderten daran auf absehbare Zeit nichts.

Der Verbandschef äußerte sich besorgt über den Zustand des ukrainischen Pipeline-Systems. Dieses sei alt, verschlissen und erfordere hohe Investitionen. „Europa sollte als Initiator eines Programms auftreten, das den technischen Zustand und die mögliche Restlaufzeit der Transitleitungen untersucht“, sagte Shmal. Er riet der EU zudem, für ihre Energiesicherheit größere Erdgas-Speicherkapazitäten anzulegen. Westeuropa werde auch in den kommenden Jahrzehnten auf Gaslieferungen aus Russland angewiesen sein, da seine eigene Produktion sinke und Schiefergas aus den USA den Rückgang nicht ersetzen könne.

Neue Osnabrücker Zeitung

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