Europäische Flüchtlingspolitik ist unwürdig

Europa macht die Schlepper stark

Europäische Flüchtlingspolitik ist unwürdig

Das Geschäft der Schleuser ist ein schmutziges. Und wer im letzten, im vielleicht schlimmsten Fall an das Martyrium von 71 Menschen denkt, die auf eine bessere Zukunft hofften und in einem Lastwagen auf einem Autobahn-Parkstreifen in Österreich elendiglich ihr Leben ließen, der ruft den Krieg aus gegen Schlepperbanden und freut sich über jede Verhaftung. Der Zorn auf die Geschäftemacher darf aber nicht die Tatsachen vernebeln. Sie erfüllen mit ihrem Angebot eine Nachfrage.

Und die ist gewaltig, weil die Menschen raus wollen aus ihren Ländern und die Sicherheit Europas suchen. Sie haben in aller Regel gar keine andere Wahl, als sich Schleusern anzuvertrauen. Schuld daran ist Europa. Es ignoriert den Hilferuf, hat zwischen 2007 und 2013 lieber zwei Milliarden Euro für Nato-Stacheldrahtzäune und andere Abwehrsysteme ausgegeben. Es mutet selbst den kriegsgeplagten Syrern zu, illegal einzureisen, ihr Hab und Gut dafür zu opfern und ihr Leben zu riskieren. Der Kampf gegen Schlepper ist nicht von der Polizei zu gewinnen, sondern nur, wenn man ihnen die Arbeitsgrundlage entzieht.

Wer ist nun zynischer – die Schleuser oder die Entscheider in den europäischen Regierungen? Von Frank Preuß Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Ulla Jelpke: EU-Abschottungspolitik hat tödliche Folgen

„Erst die Verweigerung legaler Einreisemöglichkeiten durch die EU bringt Flüchtlinge dazu, sich in ihrer Not kriminellen Schleppern anzuvertrauen und für ihre Flucht teuer mit Geld oder ihrem Leben bezahlen zu müssen. Die EU-Abschottungspolitik manifestiert sich auch in den bestehenden und im Aufbau befindlichen Mauern, Zäunen und dem Stacheldraht an den EU-Grenzen. Sie ist der maßgebliche Grund für Tragödien wie die jetzige in Österreich und für die vielen tausend Toten an den EU-Außengrenzen. Nur durch die Schaffung legaler und sicherer Einreisemöglichkeiten nehmen wir den Schleppern die Geschäftsgrundlage und geben Flüchtlingen endlich die Chance, in Europa Schutz zu suchen, ohne sich dabei in Lebensgefahr zu begeben.“ DIE LINKE

Westbalkan-Gipfel zum Migrantenproblem: Europa muss seinen Standards gerecht werden

Brutale Schlepperei – Europäische Flüchtlingspolitik ist unwürdig

Es ist ein furchtbarer Fall, der sich einreiht in Tausende Flüchtlingstragödien. Ein Schlepper hat mindestens 20 Menschen ihrem Schicksal überlassen. Sie sind erstickt und verwesten offenbar über lange Zeit. Es ist menschenverachtend und zeigt im Herzen Europas, wie brutal Schlepper sein können. Es zeigt aber auch, wie tatenlos bislang europäische Politiker dem Treiben zusahen. Besonders syrische Flüchtlinge nutzen die Fluchtroute über den Balkan. Damit fallen sie natürlich in die Hände jener, die Geld machen wollen mit der Ware Mensch.

Aus dem EU-Land Griechenland wollen die meisten Flüchtlinge nur schnell weg. Also geht es weiter in das Nicht-EU-Land Mazedonien. Dort steht ihnen seit einigen Tagen das Militär gegenüber. 72 Stunden haben sie Zeit, weiterzureisen. Wer da überhaupt noch Geld hat nach einer bereits langen Flucht, der nimmt jede Transportmöglichkeit, die ihm geboten wird. Sie durchqueren Länder, in denen Korruption alltäglich ist, beispielsweise den Kosovo. Dort, wo selbst Tausende fliehen, wurden seit Jahren Milliarden in falsche Entwicklungshilfe gesteckt, die nicht beim armen Volk ankam. Das befördert Kriminelle.

Es muss entschieden gegen Schlepper vorgegangen werden, wie auf der Westbalkan-Konferenz – die, welch Ironie der Geschichte, derzeit in Wien stattfindet – gefordert wird. Doch die europäischen Politiker sollten auch entschieden die derzeitige Flüchtlingspolitik überdenken.

Die Dublin-Regelung ist nicht mehr praktikabel. Sie fördert nur, dass Flüchtlinge in die Hände von Schleppern geraten, um eben schnell im Wunschland anzukommen. Sie sollten ihr Ziel menschenwürdig erreichen – und lebend. Von Katja Dörn Thüringische Landeszeitung

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