Explosive Waffen in Syrien großes Risiko für Bevölkerung

Der Einsatz von explosiven Waffen in Syrien: eine Zeitbombe im Entstehen

Explosive Waffen in Syrien großes Risiko für Bevölkerung

Handicap International veröffentlicht heute den Bericht „Der Einsatz von explosiven Waffen in Syrien: eine Zeitbombe im Entstehen“. Der Bericht warnt vor der hohen Kontamination mit diesen Waffen in Syrien. Durch sie sind 5,1 Millionen Menschen in Syrien, darunter 2 Millionen Kinder, hohen Risiken ausgesetzt. Handicap International ruft die Konfliktparteien dazu auf, ihren Verpflichtungen aus dem humanitären Völkerrecht nachzukommen und den Einsatz von explosiven Waffen in dicht bevölkerten Gebieten unverzüglich zu beenden. Handicap International fordert die internationale Gemeinschaft auf, dringend auf die Folgen dieser Waffen für die Zivilgesellschaft zu reagieren.

Basierend auf der Analyse von 77.645 Unfällen, zeigt die von Handicap International durchgeführte Studie, deren Daten von Dezember 2012 bis März 2015 erhoben wurden, dass explosive Waffen im Syrienkonflikt die am häufigsten eingesetzten Waffen sind. Mehr als vier von fünf Unfällen sind auf diese Waffen zurückzuführen. Das Leben der Zivilbevölkerung ist ernsthaft bedroht, denn 75 % der Unfälle ereignen sich in bevölkerten Gebieten. Allein im Regierungsbezirk von Damaskus wurden 5.353 Unfälle verzeichnet, also durchschnittlich sieben Unfälle pro Tag. Insgesamt leben 5,1 Millionen Menschen, darunter 2 Millionen Kinder, in Gebieten, die stark vom Einsatz explosiver Waffen betroffen sind, so dass sie direkt und langfristig in Gefahr leben.

Da alle Konfliktparteien explosive Waffen intensiv benutzen, sind die Konsequenzen für die Zivilbevölkerung entsetzlich. „Wegen ihrer explosiven und Splitterwirkung verursachen explosive Waffen gravierende Verletzungen oder töten. Der verbreitete Einsatz von explosiven Waffen, kombiniert mit fehlender geeigneter chirurgischer Versorgung in Syrien, hat eine verheerende Wirkung auf das Leben der Menschen. Wenn Verletzungen nicht ordnungsgemäß behandelt werden können, ist es wahrscheinlich, dass die Patientinnen und Patienten nicht vollständig genesen und langfristige Beeinträchtigungen davontragen. Mehr als eine Million Kriegsverletzte in Syrien, also eine ganze Generation, muss unter den Konsequenzen dieser Waffen leiden“, sagte Anne Garella, Regionalkoordinatorin von Handicap International.

Neben der unmittelbaren Bedrohung, die von explosiven Waffen ausgeht, beleuchtet der Bericht das tödliche Vermächtnis der explosiven Kriegsreste (ERW). Wenn Straßen bombardiert oder beschossen wurden, verhindert die Kontamination, dass Menschen vor den Gefechten flüchten oder das nächste Krankenhaus erreichen können. Eine Kontamination durch ERW zerstört Lebensunterhalte, da sich Bauern und Hirten nicht mehr um ihr Land und Vieh kümmern können. Längerfristig behindern explosive Kriegsreste die Rückkehr der vertriebenen Menschen und den allgemeinen Wiederaufbau des Landes.

„Syrien wird das tödliche Vermächtnis noch über Jahre tragen müssen“, erklärt Anne Garella, „Unverzügliche Risiko-Aufklärungsprojekte müssen die höchste Priorität haben, um weitere Unfälle zu vermeiden. Außerdem müssen Schulungen auf kommunaler Ebene stattfinden, um die Aufmerksamkeit von lokalen, vertriebenen und zurückkehrenden Menschen für die Risiken zu erhöhen. Die internationale Gemeinschaft sollte die volle Tragweite des Problems begreifen und die zukünftige Räumung und Trümmerbeseitigung der stark kontaminierten Gegenden einplanen.“

Der Bericht unterstreicht die Notwendigkeit sofortiger Aktivitäten zum Schutz der Zivilbevölkerung vor explosiven Waffen. Die Konfliktparteien müssen unverzüglich ihren Verpflichtungen aus dem Humanitären Völkerrecht nachkommen und den Einsatz von explosiven Waffen in bevölkerten Gebieten stoppen. Handicap International ruft alle Staaten dazu auf, den Einsatz dieser Waffen zu verurteilen und sämtliche Möglichkeiten auszuschöpfen, ihren Einsatz durch die Konfliktparteien zu stoppen. Außerdem fordern wir die Staaten auf, sich gemeinsam politisch zu verpflichten, den Einsatz von explosiven Waffen in bevölkerten Gebieten zu beenden.

Methodik: Der Bericht bezieht sich in seinen Analysen auf eine Zusammenstellung sekundärer Daten, darunter Datensätze von UN-Agenturen und internationalen Nichtregierungsorganisationen, open-source Medien und Berichten aus sozialen Medien. Es wurde ein fundierter Datenbestand aus 77.645 Unfällen, die zwischen Dezember 2012 und März 2015 gesammelt wurden, geschaffen. Die zur Verfügung stehenden Daten wurden dann dazu benutzt, die Häufigkeit und die Schwere der Unfälle zu kartieren, um so die Kontamination mit diesen Waffen zu evaluieren, die die Zivilbevölkerung in Syrien aktuell beeinträchtigt und weiter beeinträchtigen wird. Ruppert Grund, www.handicap-international.de

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