Fidel Castro: Das Ende einer Ära

Tod eines Revolutionärs

Fidel Castro: Das Ende einer Ära

Die Globalisierung griff weit um sich. Doch Fidel Castro war immer noch da. Die USA erklärte ihn zum Erzfeind. Von John F. Kennedy bis George Bush. Doch der Maxímo Líder trotzte ihnen allen. Dies machte ihn nicht nur bei den Linken zum Idol.

Castro schien ewig zu leben. So als hätte er auf all jene Rücksicht genommen, die in kleinrevolutionärer Gesinnung immerzu erklärten, Kuba besuchen zu müssen, so lange er noch lebt. Jetzt ist es zu spät. Der Comandante ist tot. Und die Zukunft der Karibikinsel ungewiss. Die Annäherung zwischen USA und Kuba, die von Raúl Castro und Barack Obama eingeläutet wurde, ist zu einem offenen Prozess geworden. Gelingt es Raúl Castro, die Errungenschaften der Revolution mit menschlichem Antlitz so auszustatten, dass sie auch nach seinem Tod noch Bestand haben? Die Ansätze, dass ihm dies gelingen könnte, sind zumindest sichtbar geworden. Doch was passiert in den USA? Barack Obama wollte seinen Eintrag in die Geschichtsbücher, die Aussöhnung der Erzfeinde, mit einem Wandel durch Annäherung erreichen. Doch dies gehörte noch zum Handwerk konventioneller Politik.

Was will aber Donald Trump? Bevor Castro 1959 in Havanna den Sieg der Revolution feierte, war Kuba ein korruptes Land, das Casino und Bordell im Hinterhof der USA. Was heute Kuba fehlt, sind Jobs und ein friedlicher Wandel hin zur Demokratie. Was Kuba braucht, ist eine Führung in Washington, die dies alles nicht unterwandert. Fidel Castro wäre hierbei wohl skeptisch. Michael Sprenger – Tiroler Tageszeitung

Tod eines Revolutionärs

Als Revolutionär bewundert, als Diktator gefürchtet. Fidel Castro hat, nicht nur in Kuba, Generationen bewegt. Ende der fünfziger Jahre führte er den Guerillakrieg gegen den damaligen Diktator Batista an. 1959 zogen die Rebellen in Havanna ein, die kubanische Revolution hatte gesiegt, der Mythos Fidel war geboren. Kommunistische Verstaatlichung, Landreform, Revolutionsexport, Castro steht für den Konfrontationskurs zu den USA. Der in die Kubakrise führte. US-Präsident Kennedy verhinderte 1962 die Stationierung sowjetischer Nuklearraketen auf Kuba. Das von den Vereinigten Staaten verhängte Wirtschaftsembargo machte Castros Kuba immer mehr zum Verbündeten Moskaus.

Doch das änderte sich mit dem Ende des Kalten Krieges. Der sowjetische Präsident Gorbatschow strich die finanzielle Unterstützung für Kuba. Die Folge war eine katastrophale Versorgungslage, Unruhen und Massenflucht. Bis heute werden in Kuba oppositionelle Stimmen gewaltsam unterdrückt. Fidel Castro mischte sich immer in die Politik ein, auch als er die Macht bereits an seinen Bruder übergeben hatte. Er mahnte zur Vorsicht als dieser die Annäherung zu den USA suchte. Sein Auftritt beim kommunistischen Parteitag 2016 erschien wie ein Abschied: „Bald wird meine Zeit abgelaufen sein, so wie es uns alle irgendwann ereilt. Aber die Ideen der kubanischen Kommunisten werden bleiben.“

Zum Tod von Fidel Castro erklären Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch, Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE:

„Eine bessere Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung ist möglich! Das war die feste Überzeugung von Fidel Castro. Viele junge Menschen sind in den 1960er Jahren vom Enthusiasmus der kubanischen Revolution inspiriert worden, gerade in ihrer Auseinandersetzung mit dem übermächtigen US-Imperium.

Die kubanische Revolution befreite Kuba von einer blutigen Diktatur unter Fulgencio Batista, die über 30.000 Menschen getötet hatte. Kuba war zuvor ein Ort, an dem die US-Mafia ein- und ausging. Großgrundbesitz, oft in Händen von US-Amerikanern, beutete die Landarbeiter maßlos aus. Schwarze waren einem System des Rassismus unterworfen. Nie bekam die Landbevölkerung einen Arzt zu sehen und die Rate der Analphabeten überstieg die 70 Prozent. Es gehört zur großen Leistung von Fidel und der kubanischen Revolution, Bildung und Gesundheit kostenlos für die gesamte Bevölkerung bereitzustellen. Trotz aller Krisen, insbesondere nach dem Zusammenbruch des realen Sozialismus, konnte Kuba das kostenlose Bildungs- und Gesundheitssystem aufrechterhalten und verbessern – und dies zu einem Zeitpunkt, als in ganz Lateinamerika unter dem Druck des Neoliberalismus die Bereiche Bildung und Gesundheit privatisiert und große Teile der Bevölkerung dieser Länder ausgeschlossen wurden.

Fidel hatte die Vision eines Kuba, das ökonomisch unabhängig und sich rasch nach eigenen Maßstäben und Bedürfnissen entwickeln kann. Viele dieser Pläne konnten nicht eingelöst werden. Dennoch bleibt es richtig: Emanzipation und Befreiung der Menschen hat die unabdingbare Voraussetzung, sich von der Kontrolle durch imperialistische Großmächte zu befreien. Selbst Fidels Gegner mussten seine standhafte Haltung gegenüber der mächtigen USA anerkennen. Auch wenn Kuba viel Spielraum durch seine enge Anlehnung an die Sowjetunion verlor.

Danielle Mitterand, Frau des früheren französischen Präsidenten sagte über ihn: „Aus diesem Mann macht man einen Teufel. Dabei ist er durch und durch ein Demokrat, der sein Volk liebt und sein Volk liebt ihn (zitiert in: Neues Deutschland 6.5.1996) Gemeinsam mit den Menschen in Kuba, Lateinamerika und überall dort, wo die kubanische Befreiungsbewegung einen emotionalen Wert besitzt, gedenken wir nicht unkritisch der großen Leistung dieses Revolutionärs.“ Partei Die Linke im Bundestag

Reaktionen in Europa auf Castro-Tod

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