Frank-Jürgen Weise kann schließlich nicht hexen

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Es sind Menschen - keine Nummern

Frank-Jürgen Weise kann schließlich nicht hexen

Die große Zahl der Flüchtlinge hat jedoch gezeigt, wie viele Probleme es in der Behörde schon seit langem gab. Es ist gut, dass der neue Verantwortliche Frank-Jürgen Weise deutliche Worte findet. Es ist unwürdig und inakzeptabel, wenn Menschen monatelang auf die Bearbeitung ihres Asylantrags warten müssen. Auch das aufgestockte Personal des Bundesamtes wird nur reichen, wenn in diesem Jahr weniger Flüchtlinge ins Land kommen als im letzten. Kommt es anders, braucht Weise noch mehr Sachbearbeiter. Überhaupt ist ja die rasche Bearbeitung der Anträge nur ein allererster Schritt. Für die Integration der Flüchtlinge müssen sich alle Beteiligten mehr anstrengen. Frankfurter Rundschau

Erste Schritte

Es ist eine Frage von Wunsch und Wirklichkeit. Über gut eine Million Asylanträge möchte Frank-Jürgen Weise, Chef des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, in diesem Jahr seine Mitarbeiter entscheiden lassen. Das wären nach seiner Rechnung mehr als 6000 am Tag. Noch fehlen der Behörde tausende Sachbearbeiter, noch schiebt sie einen Berg von rund 600 000 Anträgen vor sich her. Ist da also allein der Wunsch der Vater des Gedankens? Nein, Weise ist kein Traumtänzer. Organisatorisch hat er im BAMF Fortschritte erzielt, auch wenn er zuletzt bei der Innenministerkonferenz einen unglücklichen Auftritt hinlegte, als es um Überstunden und Wochenendarbeit ging.

Das war vielleicht auch Taktik: Ein Jobangebot, in dem Mehrarbeit zum Normalfall erklärt wird, ist schlechte Werbung. Und hexen kann auch Weise nicht. Von aktuell rückläufigen Flüchtlingszahlen sollte sich niemand täuschen lassen. In Syrien machen sich gerade nach Schätzungen von Menschenrechtlern 40 000 Menschen auf den gefährlichen Weg in die Türkei, weil Assad und die Russen eine Offensive auf Aleppo gestartet haben. In Afrika sitzen Hunderttausende auf gepackten Koffern, obwohl sie wissen, dass sie in Europa keine Asyl-Chance besitzen. Die Verzweiflung treibt sie nach Norden, egal wie schlecht die Aussichten sind.

Die Türkei und Griechenland werden uns die ganze Last nicht abnehmen (können). Mehr Tempo ist wichtig – nicht nur um die Krise in Europa einer Lösung näher zu bringen. Auch die Flüchtlinge selbst brauchen Klarheit: Sie verdienen es, bei der Bearbeitung ihres Asylantrags wie Menschen behandelt zu werden – und nicht wie Nummern. Martin Korte Westfalenpost

Die aktuellen Zahlen illustrieren anschaulich das Drunter und Drüber, das derzeit beim Thema Flüchtlinge herrscht. Doch, es sind eben nicht nur Zahlen, um die es hier geht und die abgearbeitet werden müssen. Hinter jeder einzelnen Zahl verbirgt sich eine Lebensgeschichte, die zu prüfen ist. Wenn jetzt so getan wird, als ließen sich mit den Ankunftszentren viele liegengebliebene Fälle schnell klären und die Menschen abschieben, dann ist das nicht ehrlich. Wer erst einmal hier ist, hat viele Chancen, sich lange gegen eine Abschiebung zu wehren. Der Bundesregierung bleiben zwei Möglichkeiten: Sie wird nicht umhin kommen, die Grenzen zeitweilig zu schließen und allen, die vielleicht freiwillig in ihre Heimat zurückgehen würden, den Abschied sehr teuer zu vergolden. Mitteldeutsche Zeitung

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