Halbzeitwahlen in den Vereinigten Staaten

Hoffnung auf Leitplanken

Halbzeitwahlen in den Vereinigten Staaten

Halbzeitwahlen in Amerika produzieren meist schlechte Nachrichten für die Partei des Präsidenten – und ihn selbst. Der Wähler nutzt die alle zwei Jahre anberaumte Stimmungs- und Leistungsprobe an der Urne traditionell für schmerzhafte Nasenstüber; in der Hoffnung, dass sich das Kraftzentrum der US-Politik, der Kongress, neu einpegelt. Seit ein schlauer Berater des Demokraten Bill Clinton 1992 den Spruch „It’s the economy, stupid“ geprägt hat, gilt als Gebrauchsweisheit: Die Lage der Wirtschaft überragt am Ende alle anderen Themen. So betrachtet, müssten Donald Trump und die Republikaner morgen mit einem Erdrutschsieg rechnen. 3,7 Prozent Arbeitslosigkeit. Konstante Jobzuwächse. Steigende Löhne. Eine durch Steuer-Doping und Strafzölle angeheizte Boom-Wirtschaft. Rekord an den Börsen.

Der Ist-Zustand könnte kaum besser sein. Allein, die Wirtschaftsdaten übersetzen sich nicht in Zustimmung für den Mann an der Spitze. Mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten hat die Nase voll von einem Präsidenten, der Amerika an den Rand eines politisch-gesellschaftlichen Ermüdungsbruchs geführt hat. Wer nicht zu den Tausendprozentigen auf beiden Seiten zählt, ist nach (den Wahlkampf mit berechnet) bald dreieinhalb Jahren im Löwenkäfig mit Dompteur Donald ausgelaugt wie nach einem Marathon. Der tägliche Zirkus aus Menschenverachtung, Rassismus, Respektlosigkeit und Medienschelte, den Trump mittels (a)sozialer Zwitscher-Medien inszeniert, hat den Charakter Amerikas deformiert. Die Wahl am Dienstag wird Aufschluss darüber geben, ob das Volk dem Extremisten im Weißen Haus Leitplanken setzt.¹

Trumpland: Warum halb Amerika seinen Präsidenten liebt

Am Dienstag finden die US-amerikanischen Midterm-Wahlen statt. Ihr Ausgang ist, nicht erst seit den oft turbulenten und manchmal tragischen Ereignissen der letzten Wochen, völlig ungewiss. Viele prognostizieren einen krachenden Denkzettel für die Republikaner und Donald Trump. Doch es könnte, wie schon bei den Präsidentschaftswahlen 2016, anders kommen.

„Trumpland“, das sind vor allem US-Bundesstaaten wie Texas, New Mexico und Arizona, Regionen mit einer Grenze zum südlichen US-Nachbarn Mexiko. Dort findet sich vielerorts der harte Kern der Trump-Wählerschaft, die auf ihr Idol auch nach zwanzig chaotischen und skandalgesättigten Monaten im Weißen Haus nichts kommen lässt. Aber Trump-Fans gibt es natürlich auch andernorts, in Maryland genauso wie in Indiana, in Pennsylvania, und selbst in Washington, D.C. Und es sind keineswegs immer nur die „weißen alten Männer“, die sich von Donald Trump begeistern lassen.²

¹Dirk Hautkapp, Washington – Neue Westfälische ²Programmkommunikation WELT und N24 Doku

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